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Donnerstag, 22. Juni 2017

Aktivitäten der Stadtgemeinschaft

    

Tilsiter trafen sich in Leipzig

Der Tilsiter Bücherstand bot eine reichhaltige Auswahl Foto Urbschat

Ein besonderer Dank galt Eberhard Grashoff, der das Treffen mit großer Perfektion organisiert hatte. Der stellvertretende Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Hans-Jörg Froese hob in seiner Rede hervor, dass Regionaltreffen einen festen Platz bei der Pflege des Zusammenhalts der Kreisgruppen  gefunden haben. Er würdigte die Bedeutung der Kreisgruppen bei der Bewahrung und Weitergabe des heimatlichen Erbes sowie bei der Verständigung mit den heutigen Bewohnern. Mit einem Vortrag unter dem Titel  „Angekommen in der neuen Heimat“ schilderte Prof. Dr. Heinz Radszuweit aus Cottbus seinen  Lebensweg vom ostpreußischen Dorfjungen bis in die Höhen der medizinischen Wissenschaft. Das Treffen wurde umrahmt von musikalischen Darbietungen des Kinder-Ensembles „Sonnenschein“, das bereits mit großem Erfolg im Leipziger Gewandhaus aufgetreten ist. Am Nachmittag erfreute der Chor „Heimatmelodie“ aus Dresden die Teilnehmer mit ostpreußischen Liedern, die zum kräftigen Mitsingen animierten und schließlich sorgte das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Seehausen für gute Stimmung. Am Tilsiter Bücherstand, der von Manfred Urbschat betreut wurde, herrschte  rege Nachfrage. Man war sich einig, im nächsten Jahr wieder nach Leipzig zu kommen.

Hans Dzieran

    

Cottbuser Tagung der Stadtgemeinschaft am 30.09.2016

Im Mittelpunkt der Cottbuser Tagung der Stadtgemeinschaft Tilsit standen Fragen der weiteren Zusammenarbeit mit den kulturellen und kommunalen Institutionen in der Heimatstadt. Nach Entgegennahme der Berichte über das diesjährige Stadtfest und über die Ergebnisse der Ausstellung des Kulturzentrums Ostpreußen „Tilsit – Stadt ohne Gleichen“ wurde festgestellt, dass die gegenwärtige politische Entwicklung nicht ohne Auswirkungen auf die deutsch-russische Zusammenarbeit geblieben ist.

Angesichts der Stationierung einer Bundeswehreinheit unweit des gegenüberliegenden Memelufers werden Abwehrhaltungen spürbar. Fazit der Aussprache war, dass die langjährig aufgebauten freundschaftlichen Kontakte und die völkerverbindende Zusammenarbeit ungeachtet politischer Spannungen unbeirrt fortgesetzt werden sollte.

Im weiteren wurde die Zukunftsfähigkeit der Stadtgemeinschaft erörtert. Geleitet von dem Wunsch, einem jüngeren Nachfolger Platz zu machen stellte Erwin Feige den Antrag auf Rücktritt von der Funktion des 2. Vorsitzenden. Dem Antrag wurde stattgegeben. Erwin Feige wird künftig im Vorstand als Beirat wirken. Als 2. Vorsitzender wurde Norbert Subroweit vorgeschlagen, der bisher in der Stadtvertretung als Webmaster tätig war. Er ist 64 Jahre alt. Seine familiären Wurzeln liegen in der Region am Memelstrom. Er war mehrere Jahrzehnte im Schuldienst tätig, zuletzt als Schulleiter eines Gymnasiums in Köln. Sein Einverständnis, Verantwortung zu übernehmen, lag vor. Die Wahl von Norbert Subroweit zum 2. Vorsitzenden erfolgte einstimmig.

In seinem Schlusswort ging Hans Dzieran auf Fragen der Überlebensstrategie der Stadtgemeinschaft Tilsit ein. Die Tilsiter aus der Erlebnisgeneration werden immer weniger. Damit die Stadtgemeinschaft nicht zum Auslaufmodell wird müssen die bisherigen Bemühungen zur Gewinnung von jungem Nachwuchs für die leitenden Funktionen aus den Reihen der Bekenntnisgeneration fortgesetzt werden – darüber waren sich alle Anwesenden einig.

Kommuniqué: Hans Dzieran, Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Tilsit

    

Bekenntnis zur Heimat am Memelstrom

Manuela Rosenthal-Kappi, Redakteurin der Preußischen Allgemeinen Zeitung, bei ihrem Festvortrag Fotos: M.Urbschat

 

Heimattreffen der drei Nachbarkreise am 23. April 2016 in Gera

 

Es ist zu einer guten Tradition geworden, dass die drei Nachbarkreise Tilsit-Stadt, Tilsit-Ragnit und Elchniederung ihr alljährliches Heimattreffen gemeinsam veranstalten. So war es auch in diesem Jahr. Der turnusmäßige Veranstalter war die Stadtgemeinschaft Tilsit, die zum 23. April 2016 eingeladen hatte. Als Austragungsort hatte sie die Stadt Gera gewählt, anmutig gelegen im thüringischen Hügelland. Es war eine gute Wahl, denn zweihundert Teilnehmer waren dem Ruf gefolgt und trotz zunehmenden Alters und nachlassender Mobilität nach Gera gekommen.

Das Penta-Hotel, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt und idyllisch neben der Orangerie mit seiner prächtigen Parkanlage und dem Stadttheater gelegen, bot ideale Voraussetzungen für das Treffen. Mit 79 € für das Doppelzimmer einschl. Frühstück waren die Preise moderat und das Restaurant und die geräumige Lobby einladend.

Großer Andrang herrschte bei den reichhaltigen Angeboten an Heimatliteratur

Um 9 Uhr begann der Einlass. Der Andrang bei den Anwesenheitslisten ließ eine hohe Teilnehmerzahl erwarten. Regen Zustrom fanden auch die drei Stände mit Angeboten an Heimatliteratur und Landkarten, die dicht umlagert waren. Der Veranstaltungssaal war bald gefüllt. Zusätzliche Stühle wurden an die Tische gestellt.

Pünktlich um 10 Uhr eröffnete der 2. Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Tilsit, Erwin Feige die Veranstaltung und hieß die zahlreich erschienenen Teilnehmer herzlich willkommen. Das Organisationsteam hatte unter seiner Leitung eine zehnmonatige Vorbereitungsarbeit geleistet, damit ein interessantes Programm geboten wird. Die hohe Besucherzahl sei der schönste Lohn für alle Anstrengungen.

Mit Interesse verfolgten die Teilnehmer des Heimattreffens das reichhaltige Programm

Nach dem gemeinsamen Gesang des Ostpreußenliedes sprach Pfarrer Roland Geipel das geistliche Wort und nahm die Totenehrung vor. Er war für den ursprünglich vorgesehenen und kurzfristig ausgefallenen Pfarrer Martin Loseries eingesprungen – auch das eine organisatorische Meisterleistung.

Nach den Grußansprachen der drei Kreisvertreter Hans Dzieran, Dieter Neukamm und Manfred Romeike folgte der Festvortrag, den die Redakteurin der Preußischen Allgemeinen Zeitung, Manuela Rosenthal-Kappi hielt. Er stand unter dem Thema „Land an der Memel – Erbe und Auftrag“. Ausgehend von der geschichtsträchtigen Vergangenheit und dem kulturellen Erbe der Region am Memelstrom schlug sie den Bogen zu den vielfältigen Anstrengungen, das heimatliche Andenken zu bewahren und im Gedächtnis der Menschheit wachzuhalten. Mit gemeinsamen deutsch-russischen Projekten werden auch die heutigen Bewohner in die Pflege des kulturhistorischen Erbes einbezogen. Es gilt, ungeachtet aller außenpolitischen Spannungen auch im Jahr 2016 die grenzüberschreitende Arbeit fortzusetzen und einen Beitrag zur deutsch-russischen Völkerverständigung zu leisten. Dem mit viel Beifall aufgenommenen Vortrag folgte als nächstes ein kultureller Leckerbissen.

In angeregten Gesprächen wurde die Erinnerung an die Heimat wachgehalten

Die Schauspielerin Monica Grabs aus Dresden trug die Gedichte „Rainfarn“ und „Stiller Sommer“ des Tilsiter Dichters Johannes Bobrowski und Masurische Geschichten des ostpreußischen Schriftstellers Siegfried Lenz vor. Die Lesung wurde mit andächtigem Interesse aufgenommen und mit viel Applaus bedacht.

Dann ging es in die Mittagspause. Mehrere Gerichte standen zur Auswahl und die Ausgabe erfolgte zügig und gut vorbereitet.

Nach dem Essen erwartete die Teilnehmer der Auftritt eines stimmgewaltigen Geraer Männerchors. Mit einem Repertoire bekannter Volkslieder erfreute er die Zuhörer, die teilweise mitsangen und die Darbietung mit Zugabe-Rufen belohnten.

Und dann war endlich genügend Zeit zum „Schabbern und Plachandern“ Es gab interessante Begegnungen und neue Bekanntschaften. Immer, wenn Ostpreußen sich treffen, gibt es viel zu erzählen. Die Heimat wurde ganz nah. Erinnerungen an glückliche Kindheitstage am Memelstrom, Erzählungen über Vertreibungserlebnisse und über die Lebenswege in der Fremde machten die Runde. Man gedachte auch derer, die nicht mehr dabei sein konnten.

Doch als man auseinanderging war man sich einig, im nächsten Jahr, so Gott will, wieder dabei zu sein.

   

Tagung des Vorstands im Januar 2016

Der Vorstand der Stadtgemeinschaft Tilsit trat zu seiner ersten Tagung im neuen Jahr im Forsthaus Grüna zusammen. Schwerpunkt der Zusammenkunft war die Vorbereitung der Jahrestagung der Stadtvertretung am 22. April und des Heimattreffens der drei Nachbarkreise am 23. April 2016 in Gera.
Im Bericht des Schatzmeisters wurde ein Rückgang der Spendeneinnahmen ausgewiesen, welcher sich noch in Grenzen hält. Die Ausgaben konnten gegenüber dem Vorjahr gesenkt werden. Gleichwohl wurden weitere Einsparungsmaßnahmen beschlossen.
Großen Raum nahm eine Aussprache über personelle und inhaltliche Aspekte der künftigen Vorstandsarbeit ein. Es konnte eingeschätzt werden, dass sich der Vorstand in den zurückliegenden fünf Jahren unter dem Vorsitz von Hans Dzieran zu einem leistungsstarken Team entwickelt hat, welches alle Aufgaben bewältigt und die Stadtgemeinschaft vorangebracht hat. Die gemeinsamen Bemühungen der Vorstandsmitglieder verfolgen das strategische Ziel, die KG Tilsit-Stadt schrittweise auf die Fusionierung mit der KG Tilsit-Ragnit hinzuführen. Eine wichtige Aufgabe besteht in der Gewinnung von jungen Kandidaten aus der Bekenntnisgeneration, um die Leitung zu verjüngen. Auch wenn ordentliche Wahlen erst nach Ablauf der Legislaturperiode im Jahre 2018 fällig sind, werden jetzt schon für eine Nachwahl in die Stadtvertretung Cornelia Fiedler (51) und Norbert Subroweit (63) vorgeschlagen.
In seinem Schlusswort sagte der 1. Vorsitzende, dass die Stadtgemeinschaft Tilsit auf einem guten Weg ist, um die Erinnerung an Tilsit, seine Menschen, seine Geschichte und Kultur dauerhaft zu bewahren. Sie wird auch im Jahr 2016 ungeachtet außenpolitischer Spannungen die grenzüberschreitende Arbeit mit der Administration und dem Museum für Stadtgeschichte in Tilsit/Sovetsk fortsetzen und einen Beitrag zur deutsch-russischen Völkerverständigung leisten.

    

Deutsch-russische Zusammenarbeit wurde rechtlich aufgewertet

5.September 2015

Die Stadtgemeinschaft Tilsit betrachtet es seit Jahren als eine nützliche Aufgabe, den Russen bei der Vermittlung von Kenntnissen über die Biografie der Stadt Tilsit zu helfen. Nur zu oft stießen wir bei Besuchen in unserer Heimatstadt und Begegnungen mit den heutigen Bewohnern auf Neugier und den Wunsch, mehr über diese Stadt mit ihrem europäischen Antlitz zu erfahren.
Im Mittelpunkt stand die Hilfe und Unterstützung bei der Einrichtung eines Museums für Stadtgeschichte. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass wir angetreten sind, das kulturelle Erbe Ostpreußens zu erhalten und sein Verschwinden in der Geschichte zu verhindern. Das konnte nicht nur die Aufgabe der früheren Tilsiter sein, sondern es galt, den russischen Bewohnern ein wahrheitsgemäßes Bild des alten Tilsit zu vermitteln und sie in die Bewahrung des kulturgeschichtlichen Erbes einzubeziehen.
Im Laufe der Jahre leistete die Stadtgemeinschaft Tilsit beim Ausbau des Museums materielle Unterstützung und stellte alte Fotos, Stadtpläne, Einwohnerbücher und Exponate zur Verfügung, Dinge, die dringend benötigt wurden. Man stieß auf großes heimatkundliches Interesse bei russischen Bewohnern, die Kontakt zur Stadtgemeinschaft Tilsit suchten.
Ein besonderes Anliegen der Museumsdirektorin Angelika Spiljova bestand darin, die heutigen Bewohner mit dem künstlerischen und literarischen Schaffen von Persönlichkeiten bekanntzumachen, die in Tilsit geboren sind und die diese Stadt hervorgebracht hat. Und da gab es einiges zu präsentieren: Eine Ausstellung mit Lithografien des Multitalents Armin Mueller-Stahl, eine Ausstellung mit Bildern von Gerhard Spilgies, eine Präsentation von Skulpturen des Tilsiter Bildhauers Sebastian Holzner, eine Ausstellung über Leben und Schaffen des Schriftstellers Johannes Bobrowski und Lesungen seiner Poesie, das alles fand ein sehr neugieriges Interesse und großen Anklang, besonders bei der jungen Generation.
Die Stadtgemeinschaft Tilsit begleitet diesen Prozess mit reger Anteilnahme. Mit Nachdruck wird die Meinung vertreten, dass es höchste Zeit sei, dass die heutigen Bewohner die geschichtliche Vergangenheit und das kulturelle Erbe ihrer Stadt entdecken, begreifen, sich aneignen und verinnerlichen. Wenn es gilt, die geschichtsträchtige Biografie der Stadt der Nachwelt zu erhalten, dann sind es in zunehmendem Maße auch ihre heutigen Bewohner. Wir finden es gut, wenn nicht nur wir Ostpreußen an der Bewahrung des kulturhistorischen Erbes unserer Heimat tätig sind, sondern dass es auch die heutigen Bewohner sind, die die Erinnerung an die preußisch-deutsche Vergangenheit von Tilsit wachhalten. Das betrachten wir als unser gemeinsames Anliegen.
In diesem Sinne hat die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit zwischen der Stadtgemeinschaft Tilsit und dem Museum für Stadtgeschichte eine neue Dimension erhalten. Die bestehenden Kontakte wurden vertraglich aufgewertet mit einer zweiseitigen „Vereinbarung über eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. in der Bundesrepublik Deutschland und dem Museum für Stadtgeschichte Sovetsk in der Russischen Föderation“. Ihr liegt die Absicht zugrunde, im gemeinsamen Miteinander das kulturhistorische Erbe von Tilsit zu pflegen, das gegenseitige Geschichtsverständnis zu fördern und die völkerverbindende Zusammenarbeit zu vertiefen.
In sechs Paragrafen sind Festlegungen vereinbart über die Recherche, Sammlung und den Austausch von Archivalien aus Tilsits Vergangenheit sowie über die gegenseitige Unterstützung bei der Organisation von Ausstellungen und der Herausgabe von Druckerzeugnissen.
Die Vereinbarung wurde am 5.September 2015 in einem feierlichen Zeremoniell im Beisein der Bürgermeisterin für Kultur und Touristik, Anna Kulijeva, von den Vertretern beider Seiten unterzeichnet. Die russische Presse und das Fernsehen würdigten den Abschluss der Vereinbarung als eine zukunftsorientierte Fortsetzung der bisherigen Zusammenarbeit, die einen konstruktiven Beitrag zur Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Völkern leiste.



Unterzeichnung der Vereinbarung über partnerschaftliche Zusammenarbeit im
Tilsiter Museum

 
Museumsdirektorin Angelika Spiljova und Hans Dzieran beim Austausch der
unterzeichneten Vertragsdokumente.

 

 Original der unterzeichneten Vereinbarung

In der Preußischen Allgemeinen Zeitung

Vorstandssitzung Januar 2015

Der Vorstand trat in Naumburg zu seiner ersten Sitzung im neuen Jahr 2015 zusammen. Auf der Tagesordnung standen die Vorbereitung der Jahrestagung der Stadtvertretung am 11.September 2015 in Bad Nenndorf, die Aufgabenstellung für das in diesem Jahr stattfindende Heimattreffen der drei Nachbarkreise Elchniederung, Tilsit-Ragnit und Tilsit-Stadt sowie die Konzeption für ein Heimattreffen im Jahr 2016. Wie schon in den vorangegangenen Jahren wird die Tradition eines gemeinsamen Treffens mit den beiden Nachbarkreisen fortgesetzt. Ausrichter für das Jahr 2016 ist turnusgemäß die Stadtgemeinschaft Tilsit.
Ausgewertet wurde das 7.Deutsch-Russische Forum in Tilsit, welches in Presse und Funk ein großes Echo fand und dem Tilsiter Image sehr gut tat. In diesem Zusammenhang wurde das in Tilsit erschienene Buch „Tilsitskie Dominanty“ gewürdigt, mit dem ein gemeinsames Projekt der russischen Gesellschaft TILSIT und der Stadtgemeinschaft Tilsit seinen erfolgreichen Abschluß fand.

  

Jahresversammlung der Stadtvertretung am 16. Mai 2014 in Kassel

Jahresversammlung der Stadtvertretung am 16.05.2014 in Kassel
Vorstand der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. beim Treffen in Kassel V.l.: Manfred Urbschat, Hans Dzieran, Erwin Feige, Manfred Gesien, Siegfried Dannath-Grabs

Zur Jahresversammlung der Stadtvertretung konnte der 1. Vorsitzende 16 gewählte Mitglieder begrüßen und die Beschlussfähigkeit feststellen. Die Veranstaltung wurde satzungsgemäß einberufen und die Einladungen wurden frist- und formgerecht mit Angabe der Tagesordnung zugestellt. Mit einem Totengedenken wurde an die im vergangenen Jahr verstorbenen Vereinsmitglieder und besonders an das Ableben des langjährigen Mitglieds der Stadtvertretung Egon Janz erinnert.
Der Bericht des 1. Vorsitzenden behandelte die zukunftsorientierte Zusammenarbeit der drei Nachbarkreise, das Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Kassel und das nächste Heimattreffen in Bad Nenndorf, die Verwirklichung des Projekts „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention von Tauroggen“ mit der Wiedererrichtung des Luisendenkmals im Park Jakobsruh und das in Tilsit geplante 7. Deutsch-Russische Forum.
Dem Bericht schlossen sich weitere Berichte an. Geschäftsführer Manfred Urbschat behandelte die Homepage, das Bildarchiv Ostpreußen, die Digitalisierung von Publikationen und die Zukunft des Buchbestands, ferner die Präsentation auf dem Ostpreußentreffen mit dem Schwerpunkt „Königin Luise“ einschließlich einer Spendenaktion für das Denkmal.
Die Sprecher der Senteiner Schule, der Herzog-Albrecht-Schule, des Realgymnasiums, der Luisenschule, der Johanna-Wolf-Schule und der Neustädtischen Schule berichteten über das Leben in ihren Schulgemeinschaften. Die Berichte zeigten, dass die jährlichen Schultreffen fortgesetzt wurden, wenn auch mit leicht rückläufiger Beteiligung. Das Engagement der Schulsprecher findet hohe Anerkennung. Die Treffen stellen eine wirkungsvolle Form der Basisarbeit dar und finden die materielle Unterstützung durch die Stadtgemeinschaft.
Schatzmeister Manfred Gesien legte den Kassenbericht 2013 vor und gab eine Prognose für die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben in den Jahren 2014-2018. Wie bei allen Kreisgemeinschaften ist ein Rückgang der Spenden zu verzeichnen, der natürliche Folge des ständig schwindenden Mitgliederbestands ist. Nach dem Revisionsbericht, vorgetragen von Vera Jawtusch, wurde Antrag auf Entlastung gestellt, welchem einstimmig stattgegeben wurde.
Der Einsatz von Erwin Feige als 2. Vorsitzender und von Manfred Urbschat als Geschäftsführer fand die einstimmige Billigung der Stadtvertretung. In der anschließenden Aussprache sprachen die Anwesenden zu einigen organisatorischen Fragen der Vereinsarbeit.
Der 1. Vorsitzende dankte in seinem Schlusswort den Stadtvertretungsmitgliedern für ihre Arbeit und richtete den Blick auf das sechzigjährige Bestehen der Patenschaft Kiel-Tilsit in diesem Jahr. Mit der Patenschaft wurde den Tilsitern geholfen, die kulturhistorische Vergangenheit ihrer Heimatstadt zu bewahren und Mut gemacht, eine Brücke der Verständigung zu den heutigen Bewohnern der Stadt Sovetsk zu schlagen. Die gemeinsamen Bemühungen der Stadtgemeinschaft Tilsit und ihrer Patenstadt Kiel um gutnachbarliche Beziehungen und offenen Dialog mit der Stadt Sovetsk führten dazu, dass die Patenschaft im Jahre 1992 mit dem Abschluss der Städtepartnerschaft Kiel-Sovetsk zu einem Dreiecksverhältnis erweitert wurde und damit eine besondere völkerverbindende Dimension erhielt. Die sechs Jahrzehnte seit der Übernahme der Patenschaft haben zu einem gedeihlichen Miteinander bei der Bewahrung der geschichtlichen Vergangenheit der Stadt am Memelstrom und der Pflege ihres kulturellen und städtebaulichen Erbes geführt. Die Patenschaft hat sechzig Jahre gehalten und wird auch weiter Bestand haben. Für das Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Kassel wünschte Hans Dzieran  getreu dem Motto „Ostpreußen hat Zukunft!“ allen Anwesenden interessante Begegnungen, anregende Gespräche und eine eindrucksvolle Kundgebung.       

 

    

Vorstandssitzung am 29.März 2014

Der Vorstand der Stadtgemeinschaft trat im März zu einer turnusmäßigen Sitzung in Schmalkalden zusammen. Im Mittelpunkt der Beratung standen die Vorbereitungen auf das Deutschlandtreffen in Kassel, der Haushaltsbericht 2013 und der Sachstand bei der Wiedererrichtung des Königin-Luise-Denkmals in Tilsit. Der Vorstand nahm Berichte von der Tagung der Ostpreußischen Landesvertretung, vom 6. Deutsch-Russischen Forum in Duisburg und der Kreisvertretertagung in Bad Pyrmont entgegen. Im Namen des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen wurde Erwin Feige, 2.Vorsitzender der Stadtgemeinschaft, für seinen langjährigen Einsatz mit dem Silbernen Ehrenzeichen ausgezeichnet. Hans Dzieran dankte allen Vorstandsmitgliedern für ihr aktive Arbeit und das harmonische Miteinander im zurückliegenden Jahr und richtete abschließend den Blick auf das sechzigjährige Bestehen der Patenschaft Kiel-Tilsit. Mit der Patenschaft wurde den Tilsitern geholfen, die kulturhistorische Vergangenheit ihrer Heimatstadt zu bewahren und Mut gemacht, eine Brücke der Verständigung zu den heutigen Bewohnern der Stadt Sovetsk zu schlagen. Die gemeinsamen Bemühungen der Stadtgemeinschaft Tilsit und ihrer Patenstadt Kiel um gutnachbarliche Beziehungen und offenen Dialog mit der Stadt Sovetsk führten dazu, dass die Patenschaft im Jahre 1992 mit dem Abschluss der Städtepartnerschaft Kiel-Sovetsk zu einem Dreiecksverhältnis erweitert wurde und damit eine besondere völkerverbindende Dimension erhielt. Die sechs Jahrzehnte seit der Übernahme der Patenschaft haben zu einem gedeihlichen Miteinander bei der Bewahrung der geschichtlichen Vergangenheit der Stadt am Memelstrom und der Pflege ihres kulturellen und städtebaulichen Erbes geführt. Die Patenschaft hat sechzig Jahre gehalten und wird auch weiter Bestand haben.

  

6. Deutsch-Russisches Forum in Duisburg

  Zum sechsten Mal veranstaltete die Landsmannschaft Ostpreußen das Deutsch-Russische Forum unter dem Motto „Zukunft braucht Vergangenheit“. Die Kreisvertreter aus den nördlichen Kreisen Ostpreußens kamen vom 11.-13. Oktober 2013, diesmal in Duisburg, mit ihren russischen Partnern aus dem Königsberger Gebiet zusammen, um sich über Projekte zur Bewahrung der kulturhistorischen Vergangenheit Ostpreußens auszutauschen.

Brigitte Stramm, Bundesvorstandsmitglied und Vorsitzende der Kreisgemeinschaft Labiau, eröffnete das Forum und begrüßte die 25 deutschen und 28 russischen Teilnehmer. Sie konnte feststellen, dass seit dem ersten Forum im Jahre 2008 eine erfreuliche Zusammenarbeit und ein erfolgreiches Netzwerk gemeinsamer Bemühungen entstanden ist. Freude über die deutsch-russische Zusammenarbeit brachte auch der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen Stefan Grigat in seinem Grußwort zum Ausdruck.

 

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Die Teilnehmer des Forums verfolgten die Veranstaltung mit großem Interesse.

Im Verlauf der Veranstaltung, die Wolfgang Freyberg, Direktor des Kuturzentrums Ostpreußen in Ellingen moderierte, wurden zahlreiche Projekte vorgetragen. Dazu zählte auch der Vortrag der Direktorin des Tilsiter Stadtgeschichtlichen Museums, Angelika Spiljova zum Thema „Das grenzübergreifende Projekt <Vom Tilsiter Frieden zur Konvention von Tauroggen> und die Besinnung auf das preußische Erbe“. Dank der guten Kontakte zur Stadtgemeinschaft Tilsit ist es gelungen, einen Hauch des alten Tilsit wieder auferstehen zu lassen. Sie schilderte die Arbeiten für die Wiederherstellung des Königin-Luise-Denkmals und für dessen Aufstellung im Park Jakobsruh im kommenden Jahr.

Im Anschluss daran brachte Hans Dzieran den Standpunkt der Stadtgemeinschaft Tilsit zum Ausdruck. Hier einige Ausschnitte aus seinem Beitrag.

„In Tilsit vollziehen sich Dinge, die wir mit großer Spannung und Anteilnahme begleiten. Die heutigen Bewohner dieser Stadt haben seit einigen Jahren deren geschichtliche Bedeutung erkannt, denn vor sechs Jahren anlässlich der 200. Wiederkehr des Friedensschlusses zu Tilsit spürten sie die europäische Aufmerksamkeit. Den Menschen, denen man jahrzehntelang eingeredet hatte, von Adam bis Potsdam gäbe es für die Stadt keine Vergangenheit, dämmerte es nun langsam, daß sich hier am Memelstrom , in Tilsit geschichtliche Ereignisse abspielten, von denen seinerzeit die ganze Welt sprach und die in die europäischen Geschichtsbücher eingingen.

       Unsere Kontakte zu der russischen Stadtadministration trugen gute Früchte. Mit großer Aufgeschlossenheit wurde begonnen, die geschichtsträchtige Biografie der Stadt - auch wenn sie immer noch Sovetsk heißt – aufzuarbeiten und den russischen Bewohnern der Stadt nahezubringen. Dabei spielte das Stadtgeschichtliche Museum unter seiner neuen Direktorin Angelika Spiljova eine wichtige Rolle. Mit zahlreichen Ausstellungen, Veröffentlichungen und Filmvorführungen half sie den Einwohnern der Stadt, das geschichtliche, kulturelle und architektonische Erbe des alten Tilsit zu entdecken und zu verinnerlichen.

Bild 2
Hans Dzieran trägt den Standpunkt der Stadtgemeinschaft Tilsit vor.

Die Stadtadministration tat das ihre, um den geschichtlichen Reichtum zu präsentieren. Es begann damit, daß das alte von Herzog Albrecht verliehene Stadtwappen wieder eingeführt wurde und mit der Eintragung in das Staatliche Wappenregister sanktioniert wurde. Auch die alte Tilsiter grün-weiß-rote Stadtfahne wurde wieder aktuell. Auf dem Herzog-Albrecht-Platz wurde ein 20 t schwerer Granitfindling aufgestellt, auf dem in russischer und deutscher Sprache zu lesen ist, daß diesem Ort im Jahre 1552 durch Herzog Albrecht die Stadtrechte verliehen wurden. Beim diesjährigen Stadtfest wurde in unmittelbarer Nachbarschaft der originalgetreu rekonstruierte Gerichtsbrunnen eingeweiht, der von dem alten Preußenadler gekrönt ist. Die Napoleonslinde, an der der Zahn der Zeit genagt hatte, ist durch eine Neupflanzung an gleicher Stelle ersetzt worden. Am Hohen Tor, gleich neben dem bronzenen Elchstandbild, wurde ein alter Straßenbahnwaggon platziert, der einen Hauch des alten Tilsit ausstrahlt und dem historischen Antlitz der Stadt gut tut.

Die Bewohner der Stadt haben diese Zeugnisse aus deutscher Zeit angenommen und zeigen großes Interesse, mehr über die nun ihre Stadt zu erfahren. Das Stadtgeschichtliche Museum veranstaltet in der Straßenbahn – sie ist zwar stationär – virtuelle Führungen durch die Straßen des einstigen Tilsit. Es gestaltet zahlreiche Ausstellungen, mit denen das künstlerische und literarische Schaffen von Persönlichkeiten dargestellt wird, die in Tilsit geboren sind und die diese Stadt hervorgebracht hat. Ich nenne nur einige Beispiele: Eine Ausstellung mit Lithografien des Multitalents Armin Mueller-Stahl, eine Ausstellung mit Bildern von Gerhard Spilgies, eine Präsentation von Skulpturen des Tilsiter Bildhauers Sebastian Holzner, eine Ausstellung über Leben und Schaffen des Schriftstellers Johannes Bobrowski. Das alles fand ein sehr neugieriges Interesse und großen Anklang.

 

Bild 3 
Stadtvertreter Hans Dzieran mit den russischen Gästen aus Tilsit Angelika Spiljova und Jakov Rosenblum

Mit der Gestaltung der Geschichtsmeile „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention von Tauroggen“ wird die Stadt weiter punkten und an ihrem Image arbeiten. Darin liegt auch ein beträchtliches touristisches Potential. Zwar sieht man Reisebusse aus Deutschland naturgemäß immer weniger in der Stadt, aber Reiseveranstalter aus den Nachbarländern Litauen, Lettland, Belorußland und Polen tragen der wachsenden Reiselust Rechnung und haben Tilsit in ihre Angebote aufgenommen. Staunend spüren diese Touristen das städtebaulich reizvolle Antlitz und das europäische Flair der sanierten Gebäude in der Hohen Straße und am Hohen Tor und - sie atmen europäische Geschichte.

        Die Stadtgemeinschaft Tilsit ist mit all ihren Möglichkeiten dabei, den Weg zu unterstützen. Wir finden es gut, wenn nicht nur wir Ostpreußen an der Bewahrung des kulturhistorischen Erbes unserer Heimat tätig sind, sondern dass es auch die heutigen Bewohner sind, die die Erinnerung an die preußisch-deutsche Vergangenheit von Tilsit wachhalten. Ich meine, das ist unser gemeinsames Anliegen. In diesem Sinne werden wir die vertrauensvolle deutsch-russische Zusammenarbeit weiter fortsetzen.“

            Das Forum fand eine wirksame Ergänzung in den interessanten Gesprächen am Rande des Tagungsprogramms. Alles in allem war das 6. Deutsch-Russische Forum eine gelungene Veranstaltung, die Brigitte Stramm mit dem Fazit „Ich nenne das Faszination Ostpreußen“ abschließen konnte. 

 Fotos (3) J.Rosenblum

  

Vorstandsitzung am 21. April 2013

Zu seiner turnusmäßigen Sitzung trat der Vorstand am 21. April 2013 im Seehof bei Schloß Hubertusburg zusammen. Siegfried Dannath-Grabs wies eingangs auf die historische Bedeutung des Tagungsorts hin und schilderte in einem geschichtlichen Rückblick, wie vor genau 250 Jahren Preußen und Sachsen den Frieden von Hubertusburg schlossen und damit dem Blutvergießen des Siebenjährigen Krieges ein Ende setzten. Über den Verlauf und die Ergebnisse der Kreisvertretertagung in Bad Pyrmont erstattete Erwin Feige einen ausführlichen Bericht. Manfred Urbschat informierte über das Nachbarschaftsgespräch der drei Heimatkreise Tilsit-Ragnit, Tilsit-Stadt und Elchniederung. Dort wurde die Notwendigkeit der Kontaktpflege und die Planung gemeinsamer Vorhaben mit Blick auf ein künftiges Zusammengehen bekräftigt. Die Vorbereitungen sollten zukunftsorientiert ohne Überstürzung weitergeführt werden. Nach dem Kassenbericht von Schatzmeister Manfred Gesien erläuterte Hans Dzieran seine Vorstellungen zu der diesjährigen Jahrestagung mit der Neuwahl der Stadtvertretung und für das Heimattreffen in Soest. Ein entsprechender Maßnahmekatalog wurde zum Beschluss erhoben

Liebe Tilsiterinnen und Tilsiter, liebe Angehörige und Freunde!

Wir schreiben das Jahr 2013. In diesem Jahr werden wir wieder viele Möglichkeiten nutzen, um zusammenzukommen und unserer Heimat zu gedenken. Mehrere Schulgemeinschaften treffen sich an verschiedenen Orten Deutschlands, so in Potsdam, Verden/Aller, Bad Bevensen, Hermannsburg u.a. Die Schulsprecher haben ihre Schulkameraden bereits eingeladen. Das wichtigste Ereignis aber wird das Haupttreffen unserer Stadtgemeinschaft sein. Es findet am 5. Oktober 2013 in der Stadthalle zu Soest statt. Wir führen es wieder gemeinsam mit unseren Nachbarkreisen Tilsit-Ragnit und Elchniederung durch. Ich rufe alle Tilsiter auf, nach Soest zu kommen und gesellige Stunden im Kreise von Heimat- und Schicksalsgefährten zu verbringen. Lasst uns diese Gelegenheit nutzen, solange das noch möglich ist. Wir werden älter und wir sind nicht mehr so mobil. Von Jahr zu Jahr wird es schwerer, lange Reisen zu machen. Umso mehr gilt es, sich aufzuraffen, ehe es zu spät ist. Soest ist ein schönes westfälisches Städtchen und es ist eine Reise wert

   
            Hans Dzieran beim Heimattreffen 2012 in Halle/Saale

 Auch für die Reisen in die Heimat gilt gleichermaßen, dass man von den angebotenen Möglichkeiten Gebrauch machen sollte. Mehrere Reiseveranstalter offerieren in diesem Heft interessante Fahrten nach Ostpreußen. Wenn nicht jetzt, wann dann ? Die Reiseleiter tun alles, um die Touren altersgerecht und bequem zu gestalten.
In Tilsit wird man einige positive Veränderungen bemerken können. Im vergangenen Jahr entstand am Hohen Tor unweit des Elchstandbilds ein historisch gestaltetes Areal mit altertümlichem Kopfsteinpflaster, deutschen Wegweisern, alten Straßenlaternen und sogar einem Straßenbahnwaggon. Dem Besucher bietet sich ein Flair deutscher Vergangenheit.
Beim Stadtfest im vergangenen Jahr blickte man mit vielen Veranstaltungen auf die 460-jährige Geschichte Tilsits zurück. Der Tag scheint nicht mehr fern zu sein, an dem unsere Heimatstadt wieder den Namen Tilsit tragen wird und diesen Namen auch verdient.
Interessant ist auch, dass die eidgenössische Firma „Tilsiter Switzerland“ sich entschlossen hat, die Fertigung des weltbekannten Tilsiter Käses wieder an die Memel zu bringen, dorthin, wo einst ihr Ursprung war. Auf einem Grundstück in Tilsit-Senteinen wird mit einem Investitionsumfang von 7 Millionen €uro nach einem Projekt von einem Berliner Projektierungsbüro eine moderne Käserei entstehen. Das Besondere an der Käserei wird ein gläserner Schautrakt sein, von dem aus der technologische Ablauf der Käseherstellung zu beobachten ist. Die Käserei wird den Menschen die Vergangenheit der Stadt bewusst machen und sie wird darüber hinaus zu einem touristischen Anziehungspunkt werden.
Die Stadtoberen von Tilsit sind sehr bemüht, der Stadt mehr Attraktivität zu verleihen. Es ist ein schwieriger, aber hoffnungsvoller Weg, den die Stadt seit dem Zerfall der Sowjetmacht in den vergangenen 22 Jahren zurückgelegt hat. Die Stadtgemeinschaft Tilsit hat diesen Weg in einer Broschüre geschildert, die dieser Tage herausgegeben wurde. Sie trägt den Titel „Tilsit zwischen Lenin und Luise“ und gibt Aufschluss über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche, die Entdeckung des preußischen Erbes und die Hinwendung zu Europa. Das Büchlein kann bei der Stadtgemeinschaft auf Spendenbasis bezogen werden.
Ich möchte an dieser Stelle allen unseren Mitgliedern danken, die mit einer Spende zum Erhalt der Stadtgemeinschaft beigetragen haben. Danken möchte ich auch allen Vorstandsmitgliedern, Schulsprechern und Stadtvertretungsmitgliedern für ihre ehrenamtliche Arbeit, die angesichts der Altersstruktur alle Achtung verdient. Wir werden anlässlich des Heimattreffens in Soest die Neuwahl der Stadtvertretung und des Vorstands vornehmen, weil die satzungsgemäße Wahlperiode abgelaufen ist. Die Einsatzbereitschaft und das Engagement ehrenamtlicher Mitstreiter ist die Voraussetzung für das Weiterbestehen der Stadtgemeinschaft Tilsit, die immerhin noch rund 3.500 Mitglieder in ihren Reihen vereint. Ein besonderer Gruß gilt unserem Ehrenvorsitzenden Horst Mertineit. Auch wenn er ans Bett gefesselt ist, verfolgt er 93-jährig mit wachen Sinnen und heißem Herzen unsere Heimatarbeit. Ich wünsche all jenen, die krank sind gute Besserung und allen, die Leid zu tragen haben, Kraft und Zuversicht. 
Frühling und Sommer stehen vor der Tür. Möge allen die Sonne scheinen und  gute Erholung bringen. Manch einer wird die Sommerzeit nutzen, um nach Tilsit zu fahren. Nehmt bitte Grüße mit in die Heimat, die uns unvergessen bleibt.

Hans Dzieran
1. Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Tilsit 

  

  

Vorstandssitzung in Riesa am 05.10.2012

Auf seiner Herbstsitzung in Riesa beriet der Vorstand aktuelle Fragen der weiteren Arbeit. Es ist gelungen, für die Mitarbeit in der Stadtvertretung neue Mitglieder zu interessieren. Mit derzeit 19 Mitgliedern wird sich die Stadtvertretung auf der Mitgliederversammlung im kommenden Jahr in Osnabrück zur turnusmäßigen Wahl stellen. Die Mitgliederversammlung wird im Zeichen des 65-jährigen Bestehens der Kreisgemeinschaft Tilsit-Stadt stehen. Ihre Geburtsstunde schlug 1948 in Wesselburen.

Anläßlich des diesjährigen Tilsiter Stadtfestes herrschte Einvernehmen darüber, dass die Bewahrung des Andenkens an die Stadt als gemeinsames Anliegen von Deutschen und Russen zu betrachten sei. Es ist begrüßenswert, dass die russischen Bewohner sich auf die jahrhundertealte Geschichte und Kultur besinnen. Ausgehend von der satzungsgemäßen Aufgabe, die Wiederherstellung von Erinnerungsstätten in Gemeinschaft mit der dortigen Bevölkerung zu unterstützen, soll zur Wiederaufstellung des Luisendenkmals im Park Jakobsruh mit einer Spende beigetragen werden.

Manfred Urbschat berichtete über Rationalisierungsmaßnahmen in der Geschäftsstelle, die die Billigung des Vorstands fanden. Breiten Raum nahmen Fragen der Öffentlichkeitsarbeit ein. Sie trägt sowohl im Ostpreußenblatt als auch in der Homepage und im Heimatbrief „Land an der Memel“ wesentlich dazu bei, Tilsit im Bewußtsein der Öffentlichkeit wachzuhalten. Sie hilft auch, den Zusammenhalt der gegenwärtig noch 3.900 in der Stadtgemeinschaft vereinten Mitglieder zu wahren und zu vertiefen. Als gelungen wurde das Heimattreffen im April in Halle und die sieben Treffen der Tilsiter Schulgemeinschaften eingeschätzt. Den Schulgemeinschaften wird auch im kommenden Jahr Unterstützung zuteil. Die Vorstandssitzung war von einem konstruktiven Miteinander geprägt und hat Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit im nächsten Jahr geschaffen.

Tilsit auf der Tagesordnung

Bild 1 Beratung im Kieler Hotel Consul. Oberbürgermeister Nikolai Voistschev (ganz links), Hans Dzieran (ganz rechts)
Bild 2 Oberbürgermeister Voistschev bei der Erläuterung seiner Pläne
Bild 3 Spaziergang mit den russischen Gästen an der Kieler Förde
Bild 4 Gespräche beim Empfang im Kieler Rathaus, V.l. Henning Stademann vom Büro der Stadtpräsidentin, Ratsherr Bernd Jenning und der Tilsiter Stadtvertreter Hans Dzieran

Während der diesjährigen Kieler Woche gab es ein bemerkenswertes Treffen. Im Hotel Consul kamen die russischen Abgesandten aus Tilsit mit dem Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Tilsit zu einer längeren Arbeitsberatung zusammen. Es ging um die Erörterung beiderseits interessierender Fragen bei der Pflege des kulturhistorischen Erbes der Stadt am Memelstrom.  Hans Dzieran hieß den Oberbürgermeister Nikolai Voistschev, den Sozialbürgermeister Igor Jablonski und die Museumsdirektorin Angelika Spiljova herzlich willkommen.. Zugegen war zeitweilig auch der Kieler Ratsherr Bernd Jenning.

 Der russische Oberbürgermeister überbrachte die Grüße der Einwohner seiner Stadt und schilderte, wie man in Tilsit beginnt, sich auf die geschichtsträchtige Vergangenheit zu besinnen. Ein überzeugendes Beispiel ist die Errichtung eines Gedenksteins auf dem  Herzog- Albrecht-Platz. Er ist dem Begründer Tilsits gewidmet. Der mannshohe und 20 t schwere Stein aus Granit trägt folgenden Text in deutscher und russischer Sprache:

Dieser Platz trägt den Namen des Herzog Albrecht, dem Gründer der Stadt, welcher am 2. November 1552 der damaligen Siedlung Tilse die Stadtrechte verliehen hatte. Bereits unter seiner Anwesenheit wurde der erste Stadtrat und auch das erste Gericht gewählt. Gleichzeitig entstand das Stadtwappen.

Der Gedenkstein symbolisiert, daß sich die Russen zunehmend mit der deutschen Vergangenheit beschäftigen. Die russischen Stadtoberen zeigen sich aufgeschlossen gegenüber dem historischen Erbe und erweisen dem Begründer der Stadt ihre Reverenz. Sie wollen die Geschichte der Stadt bewahren und sie den heutigen Bürgern vermitteln.

Ein weiteres Beispiel ist die Wiedereinführung des alten Tilsiter Stadtwappens, welches Herzog Albrecht im Jahre 1552 der Stadt verliehen hatte.  Der Beschluss der russischen Stadtvertreterversammlung wurde vom Präsidenten der Russischen Föderation gebilligt und mit der Eintragung in das Staatliche Wappenregister sanktioniert. Auch der  Antrag des Oberbürgermeisters für eine neuen Stadtflagge. Ist genehmigt. Sie trägt das historische Wappen auf dem Untergrund der alten Tilsiter Farben grün-weiß-rot.  

Gemeinsam mit den litauischen Nachbarn beteiligt sich Tilsit an einem grenzübergreifenden Projekt der Europäischen Union, welches von Brüssel mit einer Million Euro gefördert wird. Es trägt den Titel  „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention von Tauroggen“. Beide Ereignisse -  so der Ansatz -  waren Meilensteine der europäischen Geschichte und Diplomatie. Die russische Seite bringt sich mit der Sanierung des historischen Tilsiter Stadtzentrums und der Wiederaufstellung des Königin-Luise-Denkmals in das Projekt ein. Das Denkmal wurde bereits in einer St. Petersburger Werkstatt originalgetreu im 3-D-Verfahren rekonstruiert und wird an seinem alten Standort im Park Jakobsruh errichtet.

Interessant ist auch, daß ein Stück „Altes Tilsit“  auf einer Freifläche am Hohen Tor entsteht. In unmittelbarer Nachbarschaft der bronzenen Elchstatue werden Straßenlaternen, Wegweiser und eine Straßenbahnhaltestelle mit deutschen Aufschriften an das Tilsit der Vorkriegszeit erinnern. Ein inmitten von originalem Kopfsteinpflaster aufgestellter historischer Straßenbahnwaggon wird Touristen und Einheimische zu einer Tasse Kaffee einladen und ein nostalgisches Fotomotiv darstellen.

In Tilsit-Senteinen wird noch in diesem Jahr die Grundsteinlegung für den Bau einer Schaukäserei vorgenommen, mit der der traditionelle Tilsiter Käse wieder an die Memel zurückgeholt wird. Die Schweizer haben die von einem Berliner Projektierungsbüro erarbeiteten Unterlagen vorgestellt. Die neue Käserei wird mit modernen Schweizer Fertigungsanlagen ausgerüstet. Es entstehen 30-50 Arbeitsplätze, die ausschließlich mit örtlichen Beschäftigten besetzt werden und die in der Eidgenossenschaft eine Ausbildung erhalten.

Das Besondere an der Käserei ist ein touristischer Schautrakt. Er besteht aus einem 40 Meter langen und 15 Meter breiten Glaskorridor, von dem aus der technologische Ablauf der Käseherstellung beobachtet werden kann. In einem Anbau gibt es für die Besucher ein Restaurant mit Schweizer Küche und eine Käsetheke, an der die verschiedenen  Sorten des „Tilsiter“ präsentiert werden. Hier werden Informationsfilme in russischer, deutscher und englischer Sprache gezeigt. Die Käserei soll den jetzigen Bewohnern Tilsits die Vergangenheit ihrer Stadt bewusst machen. Sie wird aber auch zu einem Anziehungspunkt für Touristen aus Deutschland und anderen Ländern werden und den Bekanntheitsgrad des „Tilsiter“ europaweit verbreiten.

Neuer Glanz wird dem Tilsiter Theater verliehen.  Aus Moskau und aus dem Gebietsetat sind 64 Millionen Rubel für eine Generalreparatur bewilligt worden, das sind umgerechnet 1,6 Mio €. Als Bauleistungen sind die Modernisierung des Zuschauersaals und der Einbau neuer Licht- und Tontechnik ausgeschrieben.

Museumsdirektorin Spiljova ist sehr bemüht, den heutigen Bewohnern Tilsits die schöpferischen Leistungen gebürtiger Tilsiter nahezubringen. Beispiele waren die Ausstellungen von Armin Müller-Stahl mit seinen Lithografien, von Sebastian Holzner mit Skulpturen und von Gerhard Spilgies mit Bildern und Grafiken. Zur diesjährigen Museumsnacht gab es  einen Diavortrag „Tilsiter Straßenbahn“, ferner die Präsentation eines alten deutschen Waffeleisens mit Rautenmuster. Es erzählte von dem einstigen Tilsiter Brauch des Waffelbackens. Die Verkostung der nach ostpreußischer Rezeptur gebackenen Waffeln wurde zum „Renner“ der Museumsnacht. Auch auf diese Weise wird die Vergangenheit der Stadt im Bewusstsein der Menschen lebendig. Die Bewahrung der Tilsiter Vergangenheit darf nicht nur durch uns, sondern in zunehmendem Maße auch durch die dort lebende Bevölkerung übernommen werden.

Ein Höhepunkt war die Ausstellung über den in der Tilsiter Grabenstraße geborenen Johannes Bobrowski. Er wäre im April dieses Jahres 95 Jahre alt geworden. Er machte sich als Lyriker und Schriftsteller nicht nur in Deutschland einen Namen, sondern wird auch bei den Russen sehr geschätzt. Das Stadtgeschichtliche Museum eröffnete anlässlich seines Geburtstages eine Ausstellung, die den russischen Bewohnern Tilsits und deren Gästen das Leben und Schaffen des Künstlers nahebrachte.. Gegenstand seiner Gedanken und Verse war die Landschaft am Memelstrom und des baltischen Raumes, die für ihn eine prägende Rolle spielte. Wichtig war ihm die Versöhnung und Verständigung mit den östlichen Völkern. Das Museum veranstaltete auch einen Wettstreit mit dem Titel „Wir lesen Bobrowski“, bei dem die Teilnehmer ausgewählte Texte aus seinen Gedichtsammlungen „Sarmatische Zeit“ und „Schattenland Ströme“ deklamierten.

 

Stadtvertreter Hans Dzieran knüpfte an die Ausführungen an und schilderte, wie Bobrowski zeitlebens von dem Wunsch nach der Rückkehr zu seinen Wurzeln beseelt war, in die Landschaft des Ostens, die ihn geprägt hatte und aus der er seine poetischen Bilder schöpfte. Nun sorgte die Stadtgemeinschaft Tilsit dafür, daß seine Totenmaske nach Tilsit zurückkehrte. Manfred Urbschat, Vorstandsmitglied der Stadtgemeinschaft Tilsit nahm den Weltmuseumstag zum Anlass, um im Auftrag des Tilsiters Adam Bobrowski, einem Sohn des Dichters, die Maske von Johannes Bobrowski in seine Vaterstadt zu bringen und sie in einer eindrucksvollen Zeremonie dem  Oberbürgermeister Nikolai Voistschev zu übergeben.

Hans Dzieran berichtete den Anwesenden, daß sich am 28. April 2012 in Halle(Saale) 338 ehemalige Bewohner der Tilsiter Region versammelten, um ihrer Heimat zu gedenken. Die Anwesenheit russischer Gäste, die Übermittlung freundschaftlicher Grüße aus Tilsit und die Darbietungen des russischen Ensembles Cantibile erzeugten eine Atmosphäre des Miteinanders. Spürbar war das gemeinsame Bemühen, Tilsit im Gedächtnis der Menschheit zu bewahren. Gute Nachbarschaft und gegenseitiges Verstehen -  das ist nicht nur eine Angelegenheit von schriftlichen Vereinbarungen. In erster Linie ist das eine Sache persönlicher Begegnungen, des menschlichen Umgangs miteinander und nützlicher Kontakte. Auf diese Weise gilt es, an der Brücke der Gemeinsamkeit  und der Zusammenarbeit weiter zu bauen.

Es herrschte Einvernehmen darüber, dass die Pflege des Andenkens an die Stadt am Memelstrom als gemeinsames Anliegen von Deutschen und Russen zu betrachten ist. Es ist begrüßenswert, dass die russischen Bewohner sich auf die jahrhundertealte Geschichte und Kultur der Region am Memelstrom besinnen, sie verbreiten und verinnerlichen. Dabei ist eine entsprechende Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit unter den heute dort lebenden Menschen  eine wichtige Aufgabe.  Die in der Stadtgemeinschaft Tilsit vereinten ehemaligen Tilsiter – so Hans Dzieran - werden gemeinsam mit den russischen Bewohnern das Andenken an die Stadt am Memelstrom pflegen und die Gestaltung ihrer Zukunft begleiten. Die Arbeitsberatung endete mit dem gegenseitigen Austausch von Geschenken. Oberbürgermeister Voistschev überreichte eine Einladung an Hans Dzieran und seine Gattin zum diesjährigen Stadtfest nach Tilsit

Ratsherr Bernd Jenning wertete abschließend die deutsch-russischen Kontakte und Begegnungen zwischen der Stadt Sovetsk und der Stadtgemeinschaft als beispielhaften Brückenschlag der Verständigung zwischen den Völkern und wünschte weitere Erfolge auf dem gemeinsamen Weg.

 

    

Das Heimattreffen in Halle/S. war ein voller Erfolg

Die große Beteiligung übertraf alle Erwartungen. Blick in den Festsaal
Der Infostand der Stadtgemeinschaft Tilsit war von Manfred Urbschat informativ ausgestaltet. Foto Regina Dzieran
Vorstandsmitglied Erwin Feige eröffnet die Veranstaltung Foto Rosenblum
Der Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Tilsit, Hans Dzieran bei seinen Ausführungen
Dieter Neukamm dankte Hans Dzieran für seine jahrelange Arbeit und überreichte ihm einen Bronzeelch
Der Ostpreußenchor Magdeburg bot ein unterhaltsames Programm
Bruno Buntschu erläuterte sein Projekt der Schaukäserei, die in Tilsit entstehen soll
Museumsdirektorin Angelika Spiljova bei ihrem Vortrag
Der A-capella-Chor bot Gesangskunst auf hohem Niveau
Albrecht Dyck dankte den Sängerinnen mit einem Ständchen- Rechts Versammlungsleiter Erwin Feige

Das gemeinsame Heimattreffen der drei Nachbarkreise Tilsit-Stadt, Elchniederung und Tilsit-Ragnit wurde in diesem Jahr von der Stadtgemeinschaft Tilsit ausgerichtet. Als Austragungsort war Halle/Saale gewählt worden. Die Wahl erwies sich als sehr günstig. Die Stadt war auf Straße und Schiene gut zu erreichen und bot für die Veranstaltung mit seinem repräsentativem Kultur- und Kongresszentrum ein ansprechendes Ambiente. Der Zustrom war entsprechend stark. Schon am Tag vorher machte sich das große Interesse bemerkbar. Viele hatten einen weiten Weg auf sich genommen und checkten  in den verschiedenen Hallenser Hotels ein.
Von der fernen Ostsee, aus der Hansestadt Greifswald traf man den Tilsiter Klaus Bluhm, von der Nordsee aus Varel Walter Klink aus Schillen-Hochmooren. die Ragniterin Helga Maigut kam aus Fürth in Bayern, Ulla Schaab-Gehring ,Kirchspiel Großlenkenau aus dem fernen Freiburg im Breisgau und Erika Kromat, Kirchspiel Königskirch kam gar aus Wettingen in der Schweiz. Die weiteste Anreise hatten die Tilsiter Gerd Taudien aus Ottawa/Canada und Werner Rhaese aus Bryanston/Südafrika sowie der Ragniter Georg Dargelies aus Naples/USA.
Die Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit und die Stadtgemeinschaft Tilsit nutzten die Gelegenheit, am Freitag Sitzungen ihrer Leitungsgremien durchzuführen und über die weitere Arbeit zu beraten.Die Stadtvertretung Tilsit tagte im Roten Roß. Die Kreisvertretung Tilsit-Ragnit führte ihre Sitzung im Halleschen Brauhaus durch.
Am Freitagabend trafen sich viele gesellige Runden im Schweizer Hof, im Roten Roß, im Halleschen Brauhaus  und im Ankerhof. Schon hier ließ die Vielzahl der angereisten Heimatfreunde mit einer starken Beteiligung am nächsten Tag rechnen.
Und so kam es dann auch. Am Sonnabend um 9 Uhr war Einlaß Kaum hatten sich die Türen des Kultur-und Kongreßzentrums geöffnet, setzte ein enormer Ansturm ein. Er war im wahrsten Sinne des Wortes überwältigend. Binnen kurzer Zeit waren alle vorhandenen Plätze  besetzt. Zusätzliche Tische mußten aufgestellt werden. Stühle wurden immer gleich im Zehnerpack in den Festsaal hineintransportiert. Die Organisatoren hatten Schwerstarbeit zu leisten.

Die Stunde bis zur offiziellen Eröffnung verging mit Platzsuche und ersten Begrüßungen. Drei Reiseveranstalter und die Preußische Allgemeine Zeitung boten an ihren Tischen Informations-und Werbematerial an. Die drei Kreisgemeinschaften waren mit Info-Ständen vertreten, wo Bücher, Landkarten, Stadtpläne, Bildbände, Heimatbriefe, CDs und Erinnerungen aus der Heimat offeriert wurden. Die größte Überraschung hatte sich Bruno Buntschu aus Tilsit in der Schweiz ausgedacht. Mit seiner Frau und seiner Tochter verteilte er an die 300 Tragetaschen, die unter anderem eine kleine Packung Tilsiter Switzerland-Käse enthielten. Für die letzten Ankömmlinge, die kurz vor 10 Uhr eintrafen, reichte der Vorrat nicht mehr. Der Zustrom riß nicht ab. Viele kamen mit den Nahverkehrszügen aus der näheren Umgebung. Auch mit Bussen aus Chemnitz und Magdeburg war man angereist. Die Teilnahme  überstieg die kühnsten Erwartungen. Als die Veranstaltung begann, zählte man anhand der bereitgestellten Stühle 338 Teilnehmer. Dabei saßen einige noch auf den Fensterbänken.
Auch aus dem Kreis Tilsit-Ragnit fanden wesentlich mehr Heimatfreunde als erwartet den Weg nach Halle.Die vorbereiteten und nach Kirchspielen geordneten Tische waren rasch besetzt. Hier bewährte sich die alte Praxis, Listen mit statistischen Angaben zu erfassen. Die im Nachhinein von Walter Klink zusammengestellte Übersicht ergab folgendes repräsentative Bild: Unter 60 Jahren waren 8 % vertreten, Die meisten Teilnehmer, nämlich 73 % waren zwischen 60 und 80 Jahre alt. Die restlichen 19 % waren sogar über 80. Die Beteiligung der Kirchspiele Hohensalzburg, Schillen, Ragnit und Königskirch war mit Teilnehmern im zweistelligen Bereich besonders erfreulich. Beeindruckend war auch die Anwesenheit der Schulgemeinschaft Realgymnasium Tilsit mit 42 Teilnehmern.

Um 10 Uhr begrüßte Erwin Feige, Vorstandsmitglied der Stadtgemeinschaft Tilsit  die Anwesenden aus nah und fern und eröffnete das Treffen mit dem gemeinsamen Gesang des Ostpreußenliedes. Die drei Kreisvertreter Hans Dzieran (Tilsit-Stadt), Manfred Romeike (Elchniederung) und Dieter Neukamm (Tilsit-Ragnit) würdigten in ihren Ansprachen die starke Beteiligung am Heimattreffen als Beweis für die Treue zu unserer Heimat und als einen Beitrag gegen das Vergessen. Ein Land, in dem 700 Jahre preußisch-deutsche Geschichte geschrieben wurde – so Hans Dzieran – dürfe nicht aus dem Gedächtnis der Menschen verschwinden. Es gelte, die geschichtliche Vergangenheit und das kulturelle Erbe der ostpreußischen Heimat wach zu halten und sie mit Wort und Schrift  ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
Hans Dzieran hieß alle Anwesenden herzlich willkommen und gab seiner Freude Ausdruck, daß 68 Jahre nach der Vertreibung aus Ostpreußen weit über 300  Landsleute gekommen sind, um der ostpreußischen Heimat zu gedenken. In einer Zeit, wo man versucht, die Erinnerung an Ostpreußen zu tilgen, dürfen  wir das Land der dunklen Wälder nicht in Vergessenheit geraten lassen. Es gelte, die Wahrheit und die Erinnerung an Ostpreußen in den Köpfen unserer Mitbürger wachzuhalten. Einen besonderen Willkommensgruß entbot Hans Dzieran den Gästen aus Tilsit und aus der Schweiz. Angereist waren  der 2.Vorsitzende der russischen Gesellschaft TILSIT, Jakow Rosenblum, die Kunsthistorikerin Tatjana Urupina und die Direktorin des Stadtgeschichtlichen Museums, Angelika Spiljova, ferner aus dem schweizerischen Tilsit Bruno Buntschu, der Geschäftsführer der Tilsiter Switzerland GmbH mit seiner Gattin Tatjana. Die Teilnahme der Gäste am Treffen in Halle bringe zum Ausdruck, wie wir in gemeinschaftlichem Zusammenwirken über Ländergrenzen hinweg dafür sorgen, dass Ostpreußen im Gedächtnis der Menschen erhalten bleibt.
Verlesen wurde ein Grußschreiben von Horst Mertineit, in dem er aufrief, den Zusammenhalt zu bewahren, unserer Heimat zu liebe. Kreisvertreter Dieter Neukamm wies darauf hin, daß die Vorstände der drei Gemeinschaften sich seit mindestens 45 Jahren regelmäßig trafen. Diese Tatsache und auch die Nachbarschaftstreffen, von denen das in Halle das fünfte sei, bewiesen, daß man gut miteinander auskomme und gelassen in die Zukunft blicken könne, welche in unbestimmter Ferne einmal zu einer Fusionierung der Stadtgemeinschaft mit den beiden Kreisgemeinschaften führen werde. Er nutzte zum Abschluß seiner Grußansprache die Gelegenheit, Hans Dzieran für seine jahrelange Arbeit in der Kreisgemeinschaft zu danken und überreichte ihm eine bronzene Elchstatue mit Widmung. Hans Dzieran war so überrascht, daß er zugeben mußte, sprachlos zu sein, was bei ihm eigentlich selten vorkommt

Der Ostpreußenchor Magdeburg unter der Leitung von Rudi Fieberg umrahmte die Ansprachen  mit einem unterhaltsamen Programm an Heimatliedern und Rezitationen. Es waren anrührende Weisen wie „Ännchen von Tharau“, „Abends treten Elche aus den Dünen“ und viele andere. Allerdings war manchmal das Bedürfnis unter den Anwesenden nach Austausch von Erinnerungen so groß, daß der Gesang manchmal im Stimmengewirr unterzugehen drohte.
Mit großem Interesse wurde der Vortrag von  Bruno Buntschu, dem Direktor der Tilsiter Switzerland aus Tilsit in der Schweiz aufgenommen. Er machte die Teilnehmer mit der Tradition des Tilsiter Käses vertraut, schilderte die Entstehung von Tilsit in der Schweiz und erläuterte sein Projekt, mit dem er den Tilsiter Käse wieder am Memelstrom heimisch machen will. Mit der Errichtung einer Käsemanufaktur in Tilsit soll ein legendärer Bestandteil der Tilsiter Vergangenheit zu neuem Leben  erweckt werden und sich zu einer Attraktion der Stadt entwickeln.
Die neue Käserei wird mit modernen Schweizer Fertigungsanlagen ausgerüstet. Es entstehen 30-50 Arbeitsplätze, die ausschließlich mit örtlichen Beschäftigten besetzt werden und die in der Eidgenossenschaft eine Ausbildung erhalten. Das Besondere an der Käserei ist ein touristischer Schautrakt. Er besteht aus einem 40 Meter langen und 15 Meter breiten Glaskorridor, von dem aus der technologische Ablauf der Käseherstellung beobachtet werden kann. In einem Anbau gibt es für die Besucher ein Restaurant mit Schweizer Küche und eine Käsetheke, an der die verschiedenen  Sorten des „Tilsiter“ präsentiert werden. Die Käserei soll den jetzigen Bewohnern Tilsits die Vergangenheit ihrer Stadt bewusst machen. Sie wird aber auch zu einem Anziehungspunkt für Touristen aus der Bundesrepublik Deutschland und anderen Ländern werden und den Bekanntheitsgrad des „Tilsiter“ europaweit verbreiten.

Solchermaßen auf Gaumenfreuden eingestellt begab man sich in die Mittagspause. Es waren zwei Gerichte im Angebot, Königsberger Klopse und Kartoffelsuppe mit Würstchen. Die Ausgabe erfolgte an mehreren Stellen im Saal und verlief recht zügig. Auch der Getränkeservice war sehr zufriedenstellend.
Nach der Mittagspause wurde das Programm fortgesetzt mit einem Vortrag der Tilsiter Museumsdirektorin Angelika Spiljova. Sie sprach über die Entdeckung der historischen Vergangenheit unserer Heimatstadt durch die dort lebenden Russen. Eingehend schilderte sie die Einweihung des Herzog-Albrecht-Gedenksteins, der nunmehr auf dem alten Herzog-Albrecht-Platz in Tilsit steht. Auf dem 20 Tonnen schweren Granitfindling wird in russischer und deutscher Sprache daran erinnert, daß Herzog Albrecht im Jahre 1552 Tilsit die Stadtrechte verlieh.
Auch die Wiedereinführung des alten Tilsiter Stadtwappens sei inzwischen erfolgt. Der Beschluss der russischen Stadtvertreterversammlung wurde vom Präsidenten der Russischen Föderation gebilligt und mit der Eintragung in das Staatliche Wappenregister sanktioniert.
Weiter auf der Agenda steht die Rückkehr der Königin Luise. Das Luisendenkmal ist in St. Petersburg als Modell computergestützt wiederhergestellt. In das grenzübergreifende Projekt „Historische Achse Tauroggen- Tilsit“, für welches die Europäische Union eine Million Euro bereitgestellt hat, will sich Tilsit mit der Wiederaufstellung des Königin-Luise-Denkmals und der Saniereung des historischen Antlitzes des alten Tilsit einbringen. Damit werde die historische Vergangenheit der Stadt im Bewusstsein der Menschen lebendig. Die Bewahrung des Tilsiter geschichtlichen und kulturellen Erbes müsse nicht nur durch die alten Tilsiter, sondern in zunehmendem Maße auch durch die dort lebende russische Bevölkerung verinnerlicht werden.
Angelika Spiljova berichtete auch als unmittelbare Augenzeugin über den Besuch von Armin Mueller-Stahl vor wenigen Wochen in Tilsit. Sie begleitete ihn zu seinem Geburtshaus in der Lindenstraße, in den Park Jakobsruh und in die Meerwischer Schule, wo Armin Müller-Stahl die ersten Jahre zur Schule ging Abschließend  verlas die Museumsdirektorin eine Grußbotschaft des Oberbürgermeisters Nikolai Voistchev und übergab in dessen Auftrag an Hans Dzieran die kürzlich eingeführte Stadtflagge in den alten Tilsiter Farben grün-weiß-rot mit dem historischen Wappen von 1552.

Der Nachmittag stand im Zeichen der Darbietungen des A-cappella-Ensembles „Cantabile“. Hier wurde Gesangskunst auf hohem Niveau geboten. Russische Volkslieder wie „Kalinka-Malinka“ oder Trawuschka-Murawuschka“ begeisterten die Zuhörer. Auch deutsche Heimatlieder wie „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ fanden großen Anklang. Der Chor bestach auch durch die klangvolle Interpretation von sakralen Liedern wie zum Beispiel „Segne meine Seele, lieber Gott“. Unter dem anhaltenden Beifall des Publikums überreichten Erwin Feige und Dr. Eitel Hölzler im Auftrag der Stadtgemeinschaft Tilsit Präsente zur Erinnerung an den Auftritt. Spontan eilte auch Albrecht Dyck auf die Bühne, spielte den fünf Damen ein Ständchen auf seiner Mundharmonika und überreichte ihnen sein kürzlich erschienenes Buch „Meine Heimat, aus der der Tilsiter Käse kommt“ mit den Worten, daß diese Heimat nun auch die Heimat der Chormitglieder sei.
Den Teilnehmern blieb im Verlaufe des Nachmittags genügend Zeit zum Plachandern. Es gab interessante Begegnungen und neue Bekanntschaften. Wo Ostpreußen zusammenkommen gibt es immer viel zu erzählen.  Erinnerungen an glückliche Kindheitstage am Memelstrom, Erzählungen über Vertreibungserlebnisse und über die Lebenswege in der Fremde machten die Runde. Man gedachte auch derer, die nicht mehr dabei sein konnten. Alter und Krankheit fordern ihren Tribut. Die Mobilität läßt nach.  Doch als abschließend bekanntgegeben wurde, das nächste gemeinsame Treffen finde am 5. Oktober 2013 in Osnabrück statt, waren sich alle einig, im nächsten Jahr nach Möglichkeit wieder dabei zu sein.

Nachbarschaftsgespräch der Nachbarkreise

Berichte der Vorsitzenden

TILSIT–STADT
Zu einem Gedanken- und Erfahrungsaustausch trafen sich Vertreter der drei Nachbarkreise Tilsit-Stadt,Tilsit-Ragnit und Elchniederung in Bad Nenndorf. Die alljährlich stattfindenden Zusammenkünfte blikken auf eine gute Tradition zurück, die vor mehr als zehn Jahren durch die damaligen Kreisvertreter Horst Mertineit, Albrecht Dyck und Dieter Sudau ins Leben gerufen wurde. Das Anliegen besteht in der Abstimmung gemeinsamer Bemühungen und in der Optimierung kollegialer Zusammenarbeit. Als besonderer Programmpunkt wurde diesmal das gemeinsame Heimattreffen am 28. April 2012 in Halle/S. behandelt. Erwin Feige vom Vorstand der Stadtgemeinschaft Tilsit erstattete Bericht über den Stand der Vorbereitungen, woran sich eine konstruktive Diskussion anschloss. Es ging um die Sicherung einer hohen Teilnahme und die Propagierung im Ostpreußenblatt, um Fragen der künftigen Finanzierung und um die Konzeption für das nächste gemeinsame Treffen im Jahr 2013, dessen Ausrichter die Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit sein wird. In einem weiteren Punkt behandelte man die vollzogene Fusion der beiden Heimatbriefe der Kreisgemeinschaften Tilsit-Ragnit und Tilsit-Stadt. Es wurde eingeschätzt, dass kein Qualitätsverlust eingetreten ist, sondern dank des Engagements des neuen Schriftleiters Heinz Powils ein Heimatbrief mit hohem Niveau entstanden ist. Für die Tilsiter bedeutet die Zusammenlegung eine weitere Verbesserung, weil sie „Land an der Memel mit Tilsiter Rundbrief“ nunmehr zweimal im Jahr erhalten. Die nächste Ausgabe erscheint im Mai 2012. Die Gesprächsrunde, die vom Kreisvertreter der Elchniederung, Manfred Romeike, moderiert wurde, erzielte eine Reihe zukunftsorientierter Festlegungen und wird im nächsten Jahr weitergeführt.

TILSIT-RAGNIT
Nachbarschaftsgespräch und Regionaltreffen – In jedem Frühjahr treffen sich seit vielen Jahren Vertreter der Kreisgemeinschaften Elchniederung und Tilsit-Ragnit sowie der Stadtgemeinschaft Tilsit zu einem sogenannten Nachbarschaftsgespräch. In diesem Jahr
verabredete man sich für den 22. März in Bad Nenndorf. Die drei Vorsitzenden und drei weitere Mitglieder der Gemeinschaften besprachen eine Reihe von Themen von gemeinsamem Interesse. Man war einhellig der Ansicht, diese Zusammenkünfte fortsetzen zu sollen mit der Absicht, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Ostpreußen beziehungsweise derer, die sich zu Ostpreußen bekennen, ohne dort geboren zu sein, immer wieder neu zu bekräftigen, aber auch im Hinblick auf eine zukünftige Fusionierung der Vereine. Einen vorrangigen Stellenwert in der Aussprache nahm das bevorstehende Regional- oder auch Nachbarschaftstreffen ein, das in diesem Jahr zum fünften Mal durchgeführt wird. Es seien hier noch einmal die wesentlichen Daten genannt: Termin: Sonnabend, 28. April, 10 bis 17 Uhr, Tagungsort: Kongress- und Kulturzentrum Halle/Saale, Franckestraße 1. Der Eintritt ist frei, das dargereichte Essen erschwinglich, und es erwartet die Gäste ein buntes Programm, unter anderem mit aktuellen Informationen aus unserer Heimat. In Bad Nenndorf war man zuversichtlich – nicht zuletzt aufgrund diesbezüglicher Anfragen, dass eine beträchtliche Zahl von Landsleuten und interessierten Mitbürgern dem Ruf aus Halle folgen wird.

  

Die Tilsiter auf dem Deutschlandtreffen der Ostpreussen

Eine Nachlese

Der Informationsstand der Stadtgemeinschaft Tilsit

Die Informationstafeln

Bilder von der Kundgebung

Erwin Feige an der langen Tafel der Tilsiter Foto: M. Urbschat

Eine Begegnung wie ein Märchen

Erwin Feige berichtet über eine Begegnung, die zeigt, wie wertvoll und notwendig auch heute noch die Treffen der Vertriebenen und ihrer Nachfahren sind.

Es klingt wie ein Märchen, mit ein bisschen Fantasie fast wie ein Wunder, was ich zum „Großen Treffen“ der Ost-und West -Preußen, am Sonnabend ,dem 28.05.2011 in Erfurt erlebt habe.
Es war schon nachmittags, ich setzte mich zum wiederholten Male an die lange Tafel der Tilsiter Teilnehmer und schaute mir die Neueintragungen auf den ausliegenden Teilnehmerlisten an, um nach alten und neuen Bekannten oder auch Verwandten zu suchen. Auf einer dieser Listen merkte ich, dass sich ein Teilnehmer geirrt hatte. Statt eine Tilsiter Wohnadresse hatte er den Ort "Kellminen“ aus dem Kreis Tilsit-Ragnit eingetragen. Da meine Verwandtschaft mütterlicherseits aus Großwingen und Kellminen stammt und wir -  meine Mutter mit mir und drei  Geschwistern - nach der Ausbombung bereits beim ersten Luftangriff im Juli 1944 für einige Monate in Kellminen bei Tante und Onkel Reischuck lebten, war ich neugierig geworden. Ich begrüßte meinen Landsmann Siegfried Scherweit aus Kellminen. Weil wir beide fast gleichen Alters sind, konnten wir schnell Namen und Standorte der Bauernhöfe abklären. Da meine Großeltern Saparautzki in Großwingen lebten, fielen ständig die Namen Reischuck und Saparautzki. Ganz so nebenbei weist Siegfried auf  eine neben ihm sitzende Landsmännin hin, die auch aus Kellminen stammt. Edeltraud Ratay, geborene Ennulat sagt dann sehr ruhig: “Mit Familie Saparautzki sind wir doch gemeinsam nach dem Überrollen durch die Russische Front zurück in unser heimatlichen  Dörfer getreckt. Da das Haus von Saparautzkis unbewohnbar war, zogen Sie in unser Haus nach Kellminen und lebten etwa ein bis zwei Jahre mit uns unter einem Dach. Die Familie Naujok war wohl ebenfalls in unserem Haus untergekommen.“
Edeltraud erzählte mir dann nach meinem gezielten Nachfragen sehr genau die tragischen Ereignisse und die Schicksale von Franz Saparautzki, Grete Wisbar, geborene Saparautzki, Brita Wisbar (Tochter von Grete, ca 3 J.), Lutzi Saparautzki und Ruth Saparautzki. Außer Ruth und Brita hat niemand die damaligen Ereignisse überlebt.
Brita kam nach dem Tode Ihrer Mutter in das Waisenhaus nach Tilsit und von dort 1948 in die damalige Ostzone zu meiner Mutter Elly Feige, heute lebt sie als Frau Hai in Heiligenhafen.
Ruth, die letzte der Familie Saparautzki/ Wisbar im Hause Ennulat, ging nach Litauen und wurde 1947 ebenfalls in die Ostzone ausgewiesen sie wurde auch von meiner Mutter aufgenommen.Ruth lebt heute verheiratet als Frau Dötter mit ihren sechs Kindern in Schierling bei Regensburg.
Interessant für mich ist, dass beide Frauen die Geschehnisse von damals etwas unterschiedlich in Erinnerung haben. Bei Ruth, als der damals 13-Jährigen sind traumatische Folgen bis heute vorhanden und Edeltraud, als damals 8-Jährige hat alles noch mit Kinderaugen gesehen, erlebt und gehört.
Die Telefon-Nummern sind zwischenzeitlich ausgetauscht. Der Tochter von Ruth, die auch Edeltraud heißt, habe die Tragödie der damaligen Zeit nach meinem Wissensstand dargestellt. Erforderlichenfalls kann sie damit für ihre  Mutter die weiteren Gespräche und eventuell auch Treffen wahrnehmen.
Solch ein Treffen ist immer ein Erlebnis, für mich war dieses Treffen besonders emotional geprägt
Erwin Feige

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