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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ereignisse

Herausragende Bedeutung der Stadtgemeinschaft Tilsit

Fahnen mit den Stadtwappen von Sovetsk, Kiel und Kaliningrad (v.l.)

Stadtpräsident Tovar: „So möchte ich explizit die Stadtgemeinschaft Tilsit nennen, die sich seit über 60 Jahren für die Annäherung zwischen Kiel und Sovetsk stark macht (.). Der Anteil, den der langjährige ehemalige Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Horst Mertineit an der Anbahnung der Partnerschaft zwischen unseren beiden Städten hatte, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Völlig zu Recht wurde er dafür nicht nur mit der Andreas-Gayk-Medaille, sondern auch mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Sovetsk ausgezeichnet“.
Über Horst Mertineit sagte er weiter:
Mertineit, der leider im Jahr 2013 verstorben ist, war sein Leben lang ein Streiter für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Kontaktpflege. Damit ist er ein Vorbild für uns alle“.
Auch die Bürgermeisterin von Sovetsk, Natalia Soroka, bekräftigte diese Aussagen des Stadtpräsidenten von Kiel indem sie u.a. sagte: „Als Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Tilsit hat er die Bereitstellung von materieller, technischer und finanzieller Unterstützung für Medizin- und Bildungseinrichtungen, für die soziale Unterstützung der Bevölkerung koordiniert“. Und weiter „Seine wohltätige Arbeit hat ihn unter den Bewohnern unserer Stadt berühmt gemacht“.
Die Stadtgemeinschaft Tilsit hat in diesem Sinne auch in den letzten Jahren und dem Vorsitz von Hans Dzieran die partnerschaftlichen Beziehungen fortgesetzt und weiter ausgebaut.
Norbert Subroweit

Museum feierte Jubiläum

Das Museum in der Schule von Uljanovo, früher Kraupischken, konnte anlässlich  des Schuljubiläums auf eine stolze Bilanz blicken. Unter der Leitung von Jurij Userzov gewann es eine überregionale Bedeutung als Erinnerungsstätte zur Bewahrung der ostpreußischen Geschichte und Kultur sowie des Lebens der einstigen Bewohner. Jeder ehemalige Tilsiter hat schon einmal von „Juri aus Kraupischken“ gehört und viele haben das Museum besucht. Alle waren begeistert von seiner Initiative und von seinem Bestreben, die geschichtliche und kulturelle Vergangenheit zu pflegen und sie sowohl den früheren als auch den heutigen Bewohnern zu vermitteln. In einem Glückwunschschreiben der Stadtgemeinschaft Tilsit, das von Angelika Spiljova vorgetragen wurde, wurde das völkerverbindende Wirken von Jurij Userzov gebührend gewürdigt. Er trage dazu bei  - so heißt es darin - das gegenseitige Geschichtsverständnis zu fördern und die freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Völkern zu vertiefen.
Hans Dzieran

Angelika Spiljova (r.) überbringt die Glückwünsche der Stadtgemeinschaft Tilsit an Jurij Userzov (l.) Foto: privat

Der „Tilsiter“ ist heimgekehrt!

Der Tilsiter Käse ist nun wieder an seinen Ursprung, in die Region am Memelstrom zurückgekehrt. Am 1. Oktober 2016 wurde in Ragnit unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eine Käsereimanufaktur feierlich eröffnet.

Der Privatunternehmer Iwan Artjuch hat in einem rekonstruierten Vorkriegsgebäude eine Fertigungsstätte auf der Grundlage handwerklicher Tradition eingerichtet.

Die Herstellung erfolgt ausdrücklich ohne Zusatzstoffe und Beschleuniger, wie sie sonst bei einer maschinellen Produktion Verwendung finden. Der Technologin Irina Muchajewa ist es nach gründlicher Vorbereitung gelungen, die Rezeptur des ursprünglichen „Tilsiter“ so umzusetzen, dass der besondere Käsegeschmack von den auf den Memelwiesen grasenden Milchkühen zur Geltung kommt. Pro Monat können bis zu viereinhalb Tonnen in Handarbeit hergestellt werden. Die Vermarktung wird über das Internet vorgenommen. Bei kurzfristigen Bestellungen erfolgt sogar eine Haustürbelieferung.
Eine Besonderheit besteht darin, dass Besucher den Herstellungs- und Reifeprozess hinter einer Glasscheibe beobachten können.

Bereits die ersten Tage ließen erkennen, dass das Konzept einer Schaukäserei viele Interessenten anlockt und große Chancen hat, sich zu einer Touristenattraktion zu entwickeln.
Mit der Ragniter Käsereimanufaktur wurde ein Vorhaben verwirklicht, welches bereits vor einigen Jahren in Tilsit geplant war, wenn auch nun etliche Nummern kleiner. Für eine repräsentative Schaukäserei in Tilsit war im Jahre 2012 sogar schon die Grundsteinlegung anberaumt, als sich die Schweizer Investoren unvermittelt aus dem Projekt zurückzogen. Nun wurde in Ragnit gezeigt, wozu private Initiative und unternehmerischer Fleiß imstande sind.
Text: Hans Dzieran

Bilder: J.Rosenblum

    

Oberbürgermeister Kleffel bleibt unvergessen

Heinrich Kleffel
Jürgen Kleffel überreicht der Direktorin des Museum für Stadtgeschichte, Angelika Spiljova, ein handsigniertes Gemälde aus dem Kleffelschen Familienbesitz.
Unterzeichnung der Schenkungsurkunde

Eine der bedeutsamsten Tilsiter Persönlichkeiten war Oberbürgermeister Heinrich Kleffel. Dreißig Jahre lang, von 1852 bis 1882 prägte er die Entwicklung der Stadt zu einem modernen Gemeinwesen. Seine Amtszeit war gekennzeichnet durch die stürmische Entwicklung von Handel, Wirtschaft und Verkehr. Kleffel sorgte für die Straßenpflasterung, die Kanalisation, den Bau einer Gasanstalt und von Gaslaternen zur Straßenbeleuchtung. Tilsit erhielt auf sein Betreiben als dritte Stadt des Deutschen Reiches eine Berufsfeuerwehr. Die Entwicklung des kulturellen und geselligen Lebens wurde durch den Bau einer Bürgerhalle gefördert Er kümmerte sich auch um den Eisenbahnanschluss und den Bau eines Bahnhofs. Eine zum Bahnhof führende Straße erhielt seinen Namen. Selbst so mancher der heute in Tilsit lebenden Russen kennt noch die Kleffelstraße und hat von Kleffel gehört.

Dieser Tage weilte Jürgen Kleffel, ein Nachfahre des einstigen Oberbürgermeisters, in der Stadt am Memelstrom, um nach Spuren seiner Vorfahren zu suchen. Das Rathaus, in dem sein Urgroßvater tätig war, gab es leider nicht mehr. Umso erfreuter stand Kleffel vor dem Haus in der Memelstraße 5, heute Uliza Nabereznaja, in welchem seine Vorfahren gewohnt hatten. Direkt am Memelufer gelegen bietet es noch heute einen zauberhaften Blick auf den Strom und das gegenüberliegende Panorama. Der Weg führte ihn weiter zu dem einstigen Königlichen Gymnasium, wo sein Großvater Richard die Schulbank drückte und sein Abitur machte. Auch hier, in dem erhabenen Gemäuer, wurde Familiengeschichte spürbar.

Einen herzlichen Empfang gab es im Museum für Stadtgeschichte. Jürgen Kleffel kam nicht mit leeren Händen. Im Rahmen der im vergangenen Jahr abgeschlossenen zweiseitigen Vereinbarung zwischen der Stadtgemeinschaft Tilsit und dem Museum übergab er mehrere Mappen mit Urkunden aus dem Familienarchiv und weitere zeitgeschichtliche Dokumente. Zu den Raritäten gehörte auch ein handsigniertes Gemälde des Nehrungsmalers Hans Kallmeyer aus dem Kleffelschen Familienbesitz.

Museumsdirektorin Angelika Spiljova freute sich über den Besuch von Jürgen Kleffel und würdigte die Begegnung als einen wertvollen Beitrag, um die partnerschaftliche deutsch-russische Zusammenarbeit bei der Bewahrung des kulturhistorischen Erbes vertrauensvoll fortzusetzen.

Hans Dzieran

    

Besuch unserer Heimatstadt Tilsit/Sovetsk zum diesjährigen Stadtfest am 10. September 2016

Die deutsche Gruppe mit den Betreuern vor dem Königin-Luise-Denkmal

Zum wiederholten Male lud die Stadtverwaltung von Sovetsk/Tilsit Vertreter aller Partnerstädte und Patenschaften zur Teilnahme an ihrem jährlich gefeierten Stadtfest ein. Auch Vertreter der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. wurden zu diesem Fest eingeladen und erhielten damit Gelegenheit, Fortschritte in der Verschönerung und auch Neugestaltung der Stadt persönlich in Augenschein zu nehmen.
Das Stadtfest fand diesmal am zweiten Wochenende im September statt. Sovetsk kann mit Stolz auf eine ganze Reihe von Städtepartnerschaften verweisen, die in den letzten Jahren begründet wurden. Darunter die Stadt Kiel und weitere polnische slowakische und litauische Städte.
So waren insgesamt über vierzig Ehrengäste aus vier Ländern anwesend.
Die älteste Verbindung zu ausländischen Partnern wurde bereits 1992 mit dem Austausch von Urkunden mit der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. beschlossen, deren Patenschaftsverbindung zur Stadt Kiel schließlich auch in eine Partnerschaft zwischen Kiel und Sovetsk führte. Auf deutscher Seite waren vier Gäste aus Kiel anwesend, darunter Stadtpräsident Hans Werner Tovar sowie von der Stadtgemeinschaft Tilsit der Geschäftsführer Manfred Urbschat nebst seiner Frau Berbel und der Schatzmeister Manfred Gesien.

Die Fahrt nach Sovetsk ging am 08./09.September von Cottbus, wo sich die Teilnehmer trafen, mit einer Zwischenübernachtung in Frauenburg zur polnisch/russischen Grenze und danach nach Sovetsk. Die Abfertigung am Grenzübergang Bezledy verlief recht zügig, zumal außer einigen wenigen polnischen Fahrzeugen, die wohl zum preiswerten Tanken über die Grenze fuhren, wir während des Stopps fast die einzigen deutschen Touristen waren. Am Freitag, dem 09. September trafen wir zur Mittagszeit in Sovetsk ein und wurden gleich in unserem Hotel „Rossia“ von zwei charmanten Damen begrüßt, unserer Betreuerin, Frau Natalja Michnowitsch, sie ist in der Stadtverwaltung für den Tourismus verantwortlich und unserer Dolmetscherin, Valentina Shurio.

Kaum blieb Zeit, sich frisch zu machen, als zum Mittagessen im Hotel geladen wurde. Dabei wurden auch erste Kontakte zu den Vertretern der Stadt Kiel geknüpft. Anschließend brachte uns ein Bus zum Museum für Stadtgeschichte, wo die Direktorin, Angelika Spiljova, und Ekaterina Kudryavtseva uns die wesentlichen Ausstellungsstücke zeigten und erklärten. Neben zahlreichen Exponaten aus dem zweiten Weltkrieg sind erstaunlich viele Ausstellungsstücke aus dem alten Tilsit zu besichtigen. Dem Museum, das vor allem für die jetzigen, häufig jungen Bewohner Sovetsk konzipiert wurde, scheint dabei der Brückenschlag zwischen dem historischen Tilsit und dem neugeschichtlichen Sovetsk erfolgreich gelungen zu sein.

Der Abend war der Begrüßung der zahlreichen Delegationen vorbehalten. In einem rustikal wirkenden Restaurant nahe der Königin-Luise-Brücke wurden die Gäste von der jungen Bürgermeisterin, Frau Natalja Soroka, dem Chef der Administration, Woistschev und u.a. dem Kulturchef, Oleg Vaschurin, mit teils launigen Reden willkommen geheißen. Entsprechend bedankten sich die Leiter der einzelnen Delegationen für die Einladung.  Bei einem üppigen Abendessen wurden mehrere musikalische Darbietungen geboten, angefangen von einem folkloristischen Tanz- und Gesangsensemble, über viele Musikstücke auf einer Hammond-Orgel bis zu mehreren Gesangseinlagen, die vom Kulturchef von Sovetsk, Herrn Vaschurin, vorgetragen und mit viel Applaus bedacht wurden. Der Abend endete mit Tanz in  aufgelockerter Stimmung.

Am Samstag, 10. September, versammelten sich alle Ehrengäste, zusammen mit zahlreichen Veteranen des zweiten Weltkriegs, und der Stadtprominenz am Ehrenmal für den unbekannten Soldaten. Auf dem ehemaligen Anger ist hier als besonderes Symbol ein in diesem Krieg verwendeter Panzer aufgestellt. Unterlegt mit patriotischer Musik paradierten Armeeeinheiten, wurden Reden gehalten und ein Kranz niedergelegt. Da seit kurzem eine Panzereinheit der russischen Armee nach Tilsit verlegt wurde, endete die Feierstunde mit dem Vorbeifahren zahlreicher Panzer.

Anschließend ging es per Bus zum Park Jakobsruhe, wo nach einem kurzen Gang das Königin-Luise-Denkmal erreicht und besichtigt wurde. Dieses von allen Tilsitern geliebte Denkmal, das die verehrte Königin Luise auf hohem Sockel präsentiert, wurde 1900 aus carrarischem Marmor geschaffen, in den 50er Jahren zerstört und 2014 mit Hilfe der EU wieder aufgerichtet. Auch der das Denkmal umgebende Park wurde in den letzten Jahren mit großem Aufwand wieder hergerichtet, die Wege gesäubert und neue Lampen aufgestellt.
Eine beachtenswerte Leistung der Stadt und ihrer Repräsentanten.

Am Nachmittag wurde das neue Kulturhaus inmitten der Stadt eingeweiht.

 

Wieder mit zahlreichen Reden begleitet, durften Bürgermeisterin, Verwaltungschef und Kulturchef das rote Eröffnungsband durchschneiden. Das neue Kulturhaus, am Platz der Die Bühne der Kulturhalleehemaligen Bürgerhalle wurde grundlegend saniert und den neuen Zwecken angepasst. Das Kulturhaus dürfte von der Bevölkerung Sovetsk sicherlich mit Freude angenommen werden.
Zur Eröffnung wurden Filme über die heutige Stadt vorgeführt und eine Tanzgruppe erfreute die Zuschauer mit ihren Darbietungen. Hier hatten die einzelnen Delegationen auch Gelegenheit, Geschenke an die Stadt und ihre Repräsentanten zu übergeben. 

Mit einem festlichen Abschiedsessen im Hotel Rossia gingen die zwei Tage des Stadtfestes zu Ende. Dieses alljährliche Stadtfest, das die Ehrengäste nur am Rande mitbekamen, ist vor allem Kindern und Jugendlichen gewidmet. Am ehemaligen „Hohen Tor“, in der Nähe des Rathauses und zu Füßen des Lenin-Denkmals wurden für die Kinder zahlreiche Attraktionen geboten, angefangen von zwei riesigen Hüpf- und Rutschburgen, über Gokarts bis zu Pfeilwurfspielen. Kindergruppen zeigten spielerisch Tanz- und Geschicklichkeitsübungen. Es wird jedenfalls viel für die junge Generation getan.

Der nachfolgende Tag gehörte privaten Treffen und Erkundigungen. Vor allem interessierten die Veränderungen in der Stadt. Die alte und neue Flaniermeile, die „Hohe Straße“, hat neue Bürgersteige erhalten, viele Häuser sind saniert und frisch  angestrichen. Die Umgebung des Schloßmühlenteichs strahlt in neuem Glanz, die Wege sind trittsicher und mit hellen Lampen versehen. Alles macht einen guten und gegenüber früher deutlich besseren Eindruck.

Sovetsk besinnt sich zunehmend ihrer Geschichte, die nicht erst seit 1946 begann. Viele Exponate in der Stadt zeigen die historische Verbindung mit Tilsit – der „Stadt ohne Gleichen“. Die Rückkehr des Elches, des Denkmals der Königin Luise, des ehemaligen Gerichtsbrunnens, eines Gedenksteins zur Stadtgründung 1552 – es ließen sich weitere Beispiele anführen. Auch die Wiederannahme des alten Stadtwappens und der dazugehörigen Stadtfarben sind wunderbare Beispiele, dass Tilsit in den Herzen der jetzigen Einwohner nicht gestorben ist. Andererseits werden die Entwicklung seit 1946 und die Aufbauleistung in der Stadt nicht vergessen. 2016 wird mit großem Einsatz 70 Jahre Kaliningrader Oblast gefeiert.

Wir Ostpreußen und ehemaligen Bewohner Tilsits gönnen den Menschen in der Stadt Sovetsk die Freude über die aktuelle Entwicklung. Wir können nur wünschen, dass, unabhängig von den Fragen der großen Politik, die Annäherung und Freundschaft zwischen den Menschen hüben wie drüben weiter gehen mag. Als am Montag der Rückweg nach Deutschland angetreten wurde, haben wir uns jedenfalls von guten Freunden verabschiedet.

Manfred Gesien

 

    

Tilsit – die Stadt ohne Gleichen

Bei der Eröffnung der Ausstellung waren zugegen (v.l.) : Wolfgang Freyberg, Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen, Museumsdirektorin Angelika Spiljova, Vizebürgermeisterin Elena Kurina, Kulturamtsleiter Oleg Vaschurin. Foto TilsitMuseum

Ausstellung findet reges Interesse

Großer Andrang herrschte am 22. Juli 2016 in den Räumen des Tilsiter Museum für Stadtgeschichte. Mit einer festlichen Zeremonie wurde die Ausstellung „Tilsit – die Stadt ohne Gleichen“ eröffnet. Zu den zahlreichen Besuchern und Gästen zählten die Vizebürgermeisterin  Elena Kurina,  der Chef des Kulturamts Oleg Vaschurin und der Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen, Wolfgang Freyberg.
Angelika Spiljova, Direktorin des Museums für Stadtgeschichte, verwies in ihrer Begrüßungsansprache auf das Interesse der russischen Bewohner Tilsits, die geschichtsträchtige Biografie dieser Stadt mit ihrem europäischen Antlitz zu entdecken und sich anzueignen. Die vom Kulturzentrum Ostpreußen zweisprachig gestaltete Ausstellung  leiste einen großen Beitrag, den russischen Bürgern das kulturhistorische Erbe der Stadt am Memelstrom nahezubringen und helfe, viel über die preußisch-deutsche Vergangenheit Tilsits zu erfahren.

Die Erinnerung an Tilsit und seine Geschichte sei ein gemeinsames Anliegen der früheren und heutigen Bewohner und werde getragen von einem vertrauensvollen deutsch-russischen Miteinander. Angelika Spiljova dankte der Landsmannschaft Ostpreußen und der Stadtgemeinschaft Tilsit für die Unterstützung, welche der Ausstellung zuteil wurde.
 

Der Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen, Wolfgang Freyberg drückte  in seiner in russischer Sprache gehaltenen Rede die Genugtuung aus, dass die Ausstellung auf  so große Resonanz stößt. Auf 28 Tafeln wird die Geschichte der Stadt von ihren Anfängen bis in die Gegenwart dargestellt. Mehrere Tafeln schildern Tilsit als Handelszentrum, als Verkehrsknotenpunkt, als Industriestandort, als Garnisonsstadt, reich illustriert mit vielen Fotos, Karten und Diagrammen. Der Besucher erfährt Wissenswertes zur Ordensburg Tilse, zur Stadtgründung, zur Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert, zum Tilsiter Friedensschluss, zum Leben im 19. Jahrhundert und in der Zeit der beiden Weltkriege und wird in die Lage versetzt, in die verschiedenen Epochen der Entwicklung einzutauchen und das Flair des städtischen Lebens der „Stadt ohne Gleichen“ zu spüren. Für alle, die die Ausstellung nicht persönlich besuchen können, wurde ein Katalog in deutscher und russischer Sprache herausgegeben, der den Inhalt der Ausstellungstafeln in vollem Umfang wiedergibt und der sowohl im Museum als auch bei der Stadtgemeinschaft Tilsit erworben werden kann.
Vizebürgermeisterin Elena Kurina überbrachte die Grüße der Stadtadministration. Sie gab ihrer Gewissheit Ausdruck, dass die Ausstellung für die Bewohner des Königsberger Gebiets, vor allem aber für die Bewohner Tilsits, eine wertvolle Bereicherung des Geschichtsbewusstseins und der Erinnerungskultur darstelle und wünschte der Präsentation einen vollen Erfolg.
Das Museum hatte zusätzlich zu den Ausstellungstafeln viele Erinnerungsstücke ausgestellt, die von ehemaligen Tilsitern als Geschenke oder Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Darunter befanden sich Theaterprogramme, Abiturientenkappen, sogenannte „Stürmer“, Grenzkarten für den Einkauf in Übermemel, Notgeldscheine, Straßenbahnfahrkarten und vieles andere mehr. Es war erfreulich, dass unter den Besuchern viele junge Menschen waren, die interessiert die Exponate in Augenschein nahmen. In den Gesprächen wurde deutlich, dass eine neue Generation herangewachsen ist, die keine Berührungsängste mit der Geschichte hat. Sie erkennt den Boden, auf dem sie lebt, in seiner geschichtsträchtigen Dimension und ist bereit, das Erbe zu bewahren und mit in die Zukunft zu nehmen.
Hans Dzieran

 

 

Ausstellungskatalog „Tilsit – die Stadt ohne Gleichen“

 Vor wenigen Tagen wurde die Ausstellung „Tilsit – die Stadt ohne Gleichen“ im Königsberger Staatlichen Archiv präsentiert. An der Eröffnung nahmen zahlreiche Heimatforscher, Journalisten und Kulturschaffende teil. Erschienen waren der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Michael Banzhaf, der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stefan Grigat, der Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen, Wolfgang Freyberg und weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.. Auf 28 Tafeln werden in deutscher und russischer Sprache eine Fülle von Informationen, Bildern, Karten und Archivstücke vermittelt. Die Ausstellung wird ab Juli 2016 im Tilsiter Museum für Stadtgeschichte zu sehen sein.

Für alle, die keine Gelegenheit haben, die Ausstellung persönlich in Augenschein zu nehmen, wurde ein Katalog herausgegeben, der den Inhalt der Ausstellungstafeln in vollem Umfang wiedergibt. Auf 30 Seiten im A 4-Format erfährt man die Geschichte der Stadt von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Es gibt Abhandlungen zur Ordensburg Tilse, zur Stadtgründung, zur Entwicklung im 17. Und 18. Jahrhundert, zum Tilsiter Friedensschluss, zum Leben im 19. Jahrhundert und in der Zeit der beiden Weltkriege. Mehrere Seiten zeigen Tilsit als Handelszentrum, als Verkehrsknotenpunkt, als Industriestandort, als Garnisonsstadt. Dargestellt werden die Tilsiter Schulen, die Glaubensgemeinschaften und Gotteshäuser, die Königin-Luise-Brücke und die Tilsiter Denkmäler.

Die Broschüre hilft, die Atmosphäre des Tilsiter Lebens nachzuempfinden und in die verschiedenen Epochen einzutauchen.

Sie kann von der Stadtgemeinschaft Tilsit auf Spendenbasis erworben werden unter der Anschrift: Manfred Urbschat, Bahnhofstr. 82, 03051 Cottbus, E-Mail: Manfred.urbschat(at)tilsit-stadt(dot)de Tel. 0355-53 55 44. und auch hier Smiley  angefordert werden

 

    

Tilsit erhält Modell der Stadt im Jahr 1807

Touristenroute »Vom Tilsiter Frieden bis zur Konvention von Tauroggen« nimmt dank EU-Hilfe Gestalt an

Während des Stadtfests in Tilsit wurde ein Modell der Stadt im Jahr 1807 aufgestellt, das dank der  Finanzierung durch die EU im Rahmen der „Bildung einer touristischen Route ‚Vom Tilsiter Friedensvertrag 1807 bis zur Konvention von Tauroggen 1812‘“ ermöglicht wurde. Dieses Projekt ist Teil des von der EU geförderten Programms zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Litauen, Polen und Russland von 2007 bis 2013. Das Gesamtbudget dieses Projekts beträgt knapp drei Millionen Euro.
   Im Rahmen dieses Programms erfolgte bereits die Wiederherstellung des Luisendenkmals im Park Luisenwahl. Die zentrale Allee des Stadtparks wurde erneuert und in der Stadt wurden Informationstafeln aufgestellt. Darüber hinaus wurde ein Touristen-Informationszentrum eingerichtet.
   Für die Herstellung des Stadtmodells hatte die Stadt einen Wettbewerb ausgerufen. Die Kosten für das Modell wurden auf acht Millionen Rubel (zirka 110000 Euro) veranschlagt. Das Freilichtmodell sollte Kopien von 300 alten Gebäuden enthalten, deren Details aus Bronze, Messing und Gusseisen bestehen sollten. Zu dem Modell sollte auch eine Schalttafel aufgestellt werden, damit man die Beleuchtung der einzelnen Gebäude steuern kann.
   Obwohl die Frist für den Abschluss der Arbeiten für August 2014 geplant war, fand die Präsentation des Modells erst am 5. September dieses Jahres in einer feierlichen Atmosphäre statt. Es gab eine kleine Theateraufführung, an der Darsteller als Königin Luise, Napoleon, König Friedrich Wilhelm III., Kaiser Alexander I. und als historische Bewohner der damaligen Zeit teilnahmen, welche die Ereignisse des Jahres 1807 in Tilsit in Szene setzten.
   Das historische Modell ist an der Stelle des ehemaligen Brunnens in der Nähe des Stadtparks gelegen. Es ist eine kleine Kopie von 143 Gebäuden und Wahrzeichen der Hauptstraßen von Tilsit. Bronze-, Messing- oder usseisenelemente fehlen zwar, aber es ist beabsichtigt, das Modell zu ergänzen, da es ja eigentlich 300 Gebäude zeigen sollte. Für Statuen, Bänke, Rasenflächen und Bürger, die es im Stadtbild von Tilsit gab, fehlen  Sponsoren.. Zur Eröffnung des Modells waren örtliche Unternehmer aufgerufen worden, sich an der Finanzierung der Vervollständigung zu beteiligen, zum Beispiel mit Gebäuden, in denen Restaurants, Cafés oder Büros ihrer Firmen untergebracht sind.


  

 Das Modell ist von allen Seiten mit einem Zaun umgeben, um ein Überklettern und Vandalismus zu verhindern. Nach der Eröffnungszeremonie war der Zugang für einige Stunden möglich. Zur touristischen Route „Vom Tilsiter Frieden bis zur Konvention von Tauroggen“ gehört auch die litauische Stadt Tauroggen. Die historische Route beginnt an der Luisenbrücke, verläuft durch den historischen Teil der Stadt und endet an dem Ort, an dem der Tilsiter Frieden geschlossen wurde bei dem Haus, in dem der russische Zar Alexander I. und Königin Luise wohnten. Sie führt auch an dem Ort vorbei, an dem sich einst die Residenz Napoleons befand, und dem Ort, an dem der Legende nach Napoleon eine Linde mit zwei Stämmen gepflanzt hat, das Symbol der Freundschaft zwischen Frankreich und Russland.

Text und Bild: Jurij Tschernyschew in "Preußische Allgemeinen Zeitung", Ausgabe 3. Oktober 2015

    

Spiel und Spaß in Tilsit

So viele Besucher wie selten zuvor – Stadtfest stieß dank seltener Attraktionen auf viel Beachtung

Gleich mehrere Städte des Königsberger Gebiets haben die Jahrestage ihrer Städte gefeiert. Tapiau beging sein 750. Stadtjubiläum und auch in Pr. Eylau, Ebenrode und anderen Städten wurde gefeiert. Das größte Ereignis fand jedoch vom 4. bis zum 6. September in Tilsit, der zweitgrößten Stadt des Gebiets statt.
Drei Tage lang hat Tilsit sein diesjähriges Stadtfest gefeiert. Am ersten Tag leisteten die kulturellen Einrichtungen der Stadt ihren Beitrag. Im Stadtmuseum gab es einen Wettbewerb „Wir lesen Bobrowski“, der dem Werk des Schriftstellers und Dichters Johannes Bobrowski gewidmet war. Die Stadtbibliothek veranstaltete einen Abend zum 15. Jahrestag der „Kulturgesellschaft Primenanja“. Das städtische Zentrum zur Entwicklung der Kreativität lud zum Tag der offenen Tür ein. Hier stellten sich Künstlervereine, die im Stadtzentrum ihren Sitz haben, und deren Lehrer vor.
Doch das Hauptereignis, das die meisten Besucher anlockte, fand am 5. September statt. Die zentralen Veranstaltungen konzentrierten sich um den Stadtpark herum. Hier wurden Traditionen, Tänze und Volkslieder vorgestellt, Rezepte aus der Volksküche zubereitet und verzehrt. Das alles stand unter dem Motto „Sowjetsk – Gebiet der Freundschaft“.
Gleichzeitig wurde in der Nähe ein Ritterturnier „Tilsuter Schwert“ nachgestellt. Obwohl es hier keinen Massenandrang gab, zeichnete sich das Turnier durch viel Energie und Farbenpracht aus. Im Unterschied zu anderen Städten des nördlichen Ostpreußens, wie zum Beispiel Cranz, wo jährlich das Ritterfestival „Kaup“ stattfindet, gibt es in Tilsit nur selten solche Vorstellungen. Deshalb stieß das Schauspiel auch bei denjenigen, die zugesehen haben, auf große Begeisterung.
ährenddessen hatten die Anhänger von Tänzen im Park die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten in einem Arbeitskreis zu verbessern.
In der zweiten Hälfte des Festtags versammelten sich die Teilnehmer am Eingang zum Park. Hier wurde ein Modell der Stadt Tilsit zu Anfang des 19. Jahrhunderts feierlich eröffnet (siehe Bericht unten). An der Feier nahmen Gäste aus den Partnerstädten in Litauen, Polen und Deutschland sowie eine Delegation aus Kiel teil. Auch die Landsmannschaft Ostpreußen war durch Mitglieder der Stadtgemeinschaft Tilsit vertreten. Der neue Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Königsberg wohnte der Zeremonie außerdienstlich bei. Alle zeigten großes Interesse an dem Kunstwerk.
Der kurz einsetzende Regenschauer konnte die Gäste nicht vergraulen, und zum Glück endete dieser auch nach einer Viertelstunde, sodass er die feierliche Eröffnungszeremonie des Stadtfestes nicht störte, die kurz nach der Präsentation des Stadtmodells auf der Bühne des Stadtparks stattfand. Denjenigen, die sich am Tag der Stadt das Ja-Wort gegeben hatten, gratulierten die Stadtvertreter unter Beifall der Zuschauer auf der Bühne.

Für diejenigen, die nicht nur passiv den Aufführungen auf der Bühne des „grünen Theaters“ zuschauen wollten, gab es einen Tanzplatz, wo „Melodien vergangener Jahre“ aufgespielt wurden. Wer keinen Tanzpartner gefunden hatte, konnte an einem Wettrennen auf Stelzen teilnehmen. Am Abend traten die im Gebiet bekannten Gruppen „Exklave“ und „Parowos“ auf. Als besonderes Bonbon trat die Siegerin der TV-Gesangs-Talent-Show „Golos“ auf. Das Stadtfest beendete ein Feuerwerk am Sonnabendabend.
Der Sonntag war sportlichen Veranstaltungen vorbehalten. Für ein Radrennen war die Innenstadt gesperrt worden. Vor dem Bahnhof starteten die Teilnehmer des Radrennens in Gruppen: zuerst die Kinder, dann die Erwachsenen. Auf den Sportplätzen der Stadt fanden Fußball-, Volleyball und Schachturniere statt. Schon lange hatte es in Tilsit kein Fest mehr gegeben, das so viele Besucher angelockt hat.
Text und Bild: Jurij Tschernyschew in "Preußische Allgemeinen Zeitung", Ausgabe 3. Oktober 2015

Die Landsmannschaft Ostpreußen ehrt den Oberbürgermeister von Sovetsk/Tilsit

Ehrenzeichen für Nikolaj Woischtschew – Neue Pläne zur Zusammenarbeit

Auf dem diesjährigen Stadtfest wurde in zahlreichen Begegnungen zwischen Vertretern der Stadtgemeinschaft Tilsit und der russischen Stadtadministration die Erkenntnis bekräftigt, dass die Bewahrung der preußischen Vergangenheit und des kulturhistorischen Erbes der Stadt am Memelstrom nicht nur eine einseitige Aufgabe der einstigen Tilsiter darstellt, sondern ein gemeinsames Anliegen der alten und neuen Bewohner sei. Die Aufgeschlossenheit der Stadtoberen mit dem Oberbürgermeister Nikolaj Woischtschew an der Spitze hat zu beachtlichen Ergebnissen in der freundschaftlichen Zusammenarbeit geführt. Höhepunkte in der Besinnung auf die Vergangenheit sind die Wiedereinführung des alten Tilsiter Stadtwappens und der Stadtflagge, die Errichtung eines Gedenksteins, der an die Gründung der Stadt im Jahr 1552 durch Herzog Albrecht erinnert, die Wiedererrichtung des historischen Gerichtsbrunnens mit dem preußischen Adler, die Einrichtung einer altstädtischen Ecke mit deutschen Straßenschildern, einer Vorkriegsstraßenbahn und dem bronzenen Elchstandbild sowie kürzlich die Eröffnung der Geschichtsroute „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention von Tauroggen“ mit der Wiedererrichtung des Königin-Luise-Denkmals.

 
Festveranstaltung im Tilsiter Theater: Hans Dzieran (l.) überreicht Nikolaj Woischtschew das
Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen                                                   Bild: privat

All dies hilft den Menschen, Vergangenheit zu spüren und Geschichte zu atmen. Es ist besonders die junge Generation, welche bereit ist, die geschichtliche Vergangenheit und das kulturelle Erbe der Stadt zu entdecken, zu begreifen, sich anzueignen und zu verinnerlichen. Die jungen Menschen haben keine Berührungsängste mit der Geschichte. Sie haben den geschichtsträchtigen Boden, auf dem sie leben, in seiner historischen Dimension erkannt und tun etwas, um das Erbe zu pflegen.
Der Oberbürgermeister, selbst erst Anfang 40, hat in seiner mehrjährigen Amtszeit diese Richtung vorgegeben und hat im vertraulichen Miteinander mit der Stadtgemeinschaft Tilsit beachtenswerte Ergebnisse erreicht. Die Landsmannschaft Ostpreußen erweist seinem Wirken eine hohe Wertschätzung. In Würdigung seiner Verdienste um die völkerverbindende Zusammenarbeit konnte Hans Dzieran auf einer Festveranstaltung im Tilsiter Stadttheater Oberbürgermeister Nikolaj Woischtschew im Auftrag des Sprechers der LO Stefan Grigat das Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen überreichen. Die alten Tilsiter freuen sich über die Auszeichnung und wünschen Nikolaj Woischtschew weitere Erfolge. Die Stadtgemeinschaft wird die langfristig aufgebaute Zusammenarbeit fortsetzen und hat bereits neue Pläne für das weitere Miteinander. H.D.

7. Deutsch-Russisches Forum in Tilsit.

Das von der Landsmannschaft Ostpreußen (LO) organisierte Deutsch-Russische Forum fand in diesem Jahr in Tilsit statt. In diesem Forum treffen sich Deutsche, die in Nordostpreußen, dem heutigen Gebiet Kaliningrad, geboren sind und Russen, die dort wohnen sowie weitere Interessenten. 70 Teilnehmer konnten bestehende Freundschaften und Kontakte vertiefen und neue knüpfen.
Das Treffen stand unter dem Motto „Zukunft braucht Vergangenheit“.
Am ersten Tag führte uns Manfred Romeike  mit einer Busfahrt durch das Gebiet der Elchniederung. Wir sahen die traurige Hinterlassenschaft der Sowjetadministration, verlassene eingefallene Gebäude, verwilderte Felder und Wiesen, zerstörte Kirchen ...
Wer es sehen will, der findet aber auch Aufbruch und die Spuren der Aktivitäten der Kreisgemeinschaft. Hilfe zur Selbsthilfe und besonders die Beförderung der Erschließung der Vergangenheit der Orte und der Menschen, die dort gewohnt haben. Das kulturelle Erbe der einzelnen Kirchspiele wird erlebbar.
Im Kreis Tilsit-Ragnit in Breitenstein führte uns Dieter Neukamm in das Museum von Jurij Userzow. Ein sehenswertes Zeugnis für einen objektiven Umgang mit der Vergangenheit.

7. Deutsch-Russisches Forum in Tilsit:

Auf der Seite der Landsmannschaft Ostpreußen finden Sie diesen Beitrag von Manuela Rosenthal-Kappi

LO festigt Zusammenarbeit mit ihren Partnern: Das von der Landsmannschaft Ostpreußen (LO) organisierte Deutsch-Russische Forum fand in diesem Jahr in Tilsit statt. 70 Teilnehmer waren zu der gefragten und zur festen Einrichtung gewordenen Veranstaltung gekommen, um sich über ihre Arbeit im Königsberger Gebiet auszutauschen.

Das Deutsch-Russische Forum der LO unter der Leitung von Vorstandsmitglied Brigitte Stramm stand,  erfreut sich wachsender Beliebtheit. 70 Teilnehmer und eine wachsende Zahl von Interessenten bezeugen dies.

Stramm erinnerte an den im vergangenen Jahr verstorbenen Horst Mertineit, der in den 90er Jahren als einer der ersten Deutschen Kontakte nach Tilsit knüpfte. Aufgrund seiner Verdienste um den Austausch ehemaliger und heutiger Bewohner Tilsits wurde Mertineit 2008 Ehrenbürger seiner Heimatstadt.

Austausch war auch das Ziel des diesjährigen Forums. Über die Brücke von Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft zu gehen, das meint auch das Motto der Deutsch-Russischen Foren „Zukunft braucht Vergangenheit“.

LO-Sprecher Stephan Grigat erinnerte die Teilnehmer an große Namen der Geschichte, die mit Tilsit verbunden sind: Hier traf Luise auf Napoleon, hier wurde 1807 der Tilsiter Frieden geschlossen. Vor dem Hintergrund des radikalen Bevölkerungsautauschs von 1945 sei eine Tagung wie diese ein guter Erfolg. Ziel sei es, Kontakte und Zusammenarbeit zu fördern, sich weitere hohe Ziele zu stecken, um Erfolge feiern zu können, bestehende Kontakte und Freundschaften zu pflegen und zu vertiefen.

Dass es in der Geschichte Deutschen und Russen stets besser ging, wenn sie miteinander befreundet waren, betonte Wolfgang Freyberg, Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen, der die Veranstaltung souverän moderierte.

Da Oberbürgermeister Woischtschew zur großen Enttäuschung Erwin Feiges, des stellvertretenden Vertreters der Stadtgemeinschaft Tilsit, verhindert war, überbrachte Kulturreferentin Anna Kulijewa den Dank der Stadt für die Ehre, dass das Forum in Tilsit durchgeführt wurde.

Rolf-Friedrich Krause, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, dankte für die Einladung und lobte die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Russen. Er stellte die Jugendförderung des Generalkonsulats vor, sprach jedoch nicht, ohne der Veranstalterin den erhobenen Zeigefinger zu zeigen: Er zitierte Willy Brandt.

Alla Fjodorowa, Direktorin des Königsberger Gebietsarchivs, berichtete über die in diesem Jahr im Archiv gezeigte und gut besuchte Labiau-Ausstellung, einem positiven Ergebnis der Zusammenarbeit der Kreisgemeinschaft Labiau und des Kulturzentrums Ostpreußen mit dem Gebietsarchiv.

Ein besonders erfreuliches Ergebnis der Zusammenarbeit ist die Aufstellung einer Kopie des Königin-Luise-Denkmals an seinem ehemaligen Standort im Tilsiter Park „Jakobsruh“, bei der die Stadtgemeinschaft Tilsit sowohl an den vorbereiteten Arbeiten beteiligt als auch dank ihrer guten Beziehungen zur Stadtadministration zur feierlichen Einweihung im Juli zugegen war.

Wenn das Forum auch in erster Linie ein kultureller Austausch ist, so blieb doch in diesem Jahr die politische Lage nicht außen vor. In den Vorträgen der beiden Hauptreferenten Hennig von Löwis of Menar und Wladimir Gilmanow kam dies deutlich zum Ausdruck. Während Löwis of Menar die politischen Akteure seit der „Wende“ kritisch beleuchtete, die Haltung der deutschen Regierung offen kritisierte, sechs teils gewagte Thesen aufstellte, hielt Gilmanow einen hoch anspruchsvollen philosophischen Vortrag, in dem er sich immer wieder auf Kant berief und die Verantwortung des Einzelnen betonte. Das Fazit beider Referenten ähnelte sich: Wir alle müssen in Zukunft umdenken, Gedankenvielfalt zulassen und: Demokratie muss man lernen

Diesen Beitrag und weitere Berichte vom Forum finden Sie hier

    

Besuch am neuen Kreuz

In Tilsit gab es früher zehn Friedhöfe der verschiedensten Glaubensgemeinschaften. Sie alle existieren nicht mehr. Stellvertretend für die verschwundenen Begräbnisstätten ist nun auf dem Areal des ehemaligen Brackschen Friedhofs in einer anmutigen Parklichtung ein Kreuz errichtet worden. Eine marmorne Gedenktafel erinnert an die einstigen Friedhöfe und an die vielen deutschen Tilsiter, die dort in heimatlicher Erde ihre letzte Ruhe fanden.
Hans Dzieran und Siegfried Dannath-Grabs, die anläßlich des Stadtfestes in Tilsit weilten, gedachten an der gerade erst entstandenen Ruhestätte der toten Tilsiter und legten in stillem Gedenken einen Kranz der Stadtgemeinschaft nieder. Sie sprachen der Ex-Stadtpräsidentin und Geschäftsführerin von „Einiges Rußland“ Jelena Sokolova Dank und Anerkennung aus. Durch den ehrenamtlichem Freizeiteinsatz ihrer Jugendgruppe „Molodaja Gwardia“ konnte das Projekt zur Verwirklichung gebracht werden.
Mit der zentrumsnahen Lage wird die würdige Erinnerungsstätte mit dem Kreuz künftig für alle Tilsiter Besucher ein Ort des Verweilens sein, an dem sie ihrer in Tilsit beigesetzten Vorfahren gedenken können.

»Luise, wir gratulieren dir«

Die Bewohner der Stadt und viele Gäste begrüßen Luise Foto, J.Rosenblum

»Luise, wir gratulieren dir«
In Tilsit wurde das wiedererrichtete Königin-Luise-Denkmal im Park Jakobsruh feierlich enthüllt
Die festliche Einweihung des wiedererrichteten Königin-Luise-Denkmals fand anlässlich des 207. Jahrestags des Tilsiter Friedensschlusses am 6. Juli im Park Jakobsruh statt. Es schien, als sei an diesem Sonntag fast die ganze Stadt auf den Beinen. Auch mehrere Reisegruppen aus der Bundesrepublik Deutschland waren zur Denkmalsweihe angereist.
Im Park Jakobsruh hatte man auf dem Teich ein Floß verankert, auf dem in einem Vorprogramm Schauspieler die Unterzeichnung des Friedensvertrages inszenierten. Dann zogen die Imperatoren mit ihren Generälen und Königin Luise mit ihrem Hofstaat in farbenprächtigen Gewändern zum Denkmal, wo sich eine riesige Zuschauermenge angesammelt hatte. Unter strahlend blauem Himmel waren erwartungsvolle Blicke auf die mit Folie verhüllte Statue gerichtet. Nach dem Eröffnungsmarsch, dargeboten vom Marineorchester der Baltischen Flotte, trat Kulturamtsleiterin Anna Kulijewa mit einem Strauß Kornblumen, die Luise so liebte, ans Mikrofon und begrüßte die Gäste. Mit dem Ruf: „Luise, wir gratulieren Dir zu Deiner Rückkehr in heimatliche Gefilde!“ brachte sie die Genugtuung der Einwohner der Stadt über die Wiedererrichtung des Denkmals zum Ausdruck
Nach weiteren Ansprachen der Projektleiterin Julia Loginowa und der Kulturministerin Swetlana Kondratjewa folgte das Grußwort des Zweiten Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Tilsit, Erwin Feige. Er sprach von der bewegenden Freude der alten Tilsiter, für welche die Königin eine Nationalheilige war, über die Rück­kehr der Luise, die auch für die heutigen Bewohner der Stadt zu einer Ikone und Kultfigur geworden ist. Feige begrüßte, dass nicht nur die „alten Ostpreußen“ für die Bewahrung des kulturhistorischen Erbes ihrer Heimat tätig sind, sondern dass auch die heutigen Bewohner die Erinnerung an die preußisch-deutsche Vergangenheit von Tilsit gestalten und wachhalten, und würdigte dies als ein gemeinsames Anliegen. Er berichtete von der Spendenaktion der alten Tilsiter, erwähnte in diesem Zusammenhang Maja Frenzel, die 1000 Euro als ihren persönlichen Beitrag für die preußische Königin beigesteuert hatte, und übergab dem Oberbürgermeister einen symbolischen Spendenscheck.
Trommelwirbel und Fanfarenklänge kündigten den feierlichen Höhepunkt der Einweihung an. Oberbürgermeister Nikolaj Woistchew und Duma-Abgeordneter Jewgenij Abarius enthüllten das Denkmal und unter Hurrarufen und dem Beifall der Zuschauer präsentierte sich Königin Luise in strahlend weißer Schönheit und Pracht. Die Künstler hatten eine hervorragende Arbeit geleistet.
Bis in den späten Nachmittag wurde zu den Klängen des Marineorchesters gefeiert, fotografiert und getanzt. Deutlich war spürbar, dass die Bewohner der Stadt Luise angenommen und in ihr Herz geschlossen hatten.
Bei einem anschließenden Empfang für die Ehrengäste hob Oberbürgermeister Woistchew hervor, dass das Denkmal das Interesse der Jugend an der historischen Biografie der Stadt vertiefen werde und den historischen Ruf der Stadt sowie die touristische Anziehungskraft verbessern helfe.
In der Erwiderung des Ersten Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Tilsit Hans Dzieran hieß es: „Wir unterstützen die Bemühungen der Stadtadministration und des Museums für Stadtgeschichte, den geschichtlichen Reichtum der Stadt zu entdecken und zu präsentieren. Hier wächst eine Generation heran, die keine Berührungsängste mit der jahrhundertealten preußischen Geschichte hat, die den geschichts­trächtigen Boden, auf dem sie lebt, in seiner historischen Dimension erkennt und viel tut, um das Erbe zu pflegen und es auch touristisch zu vermarkten.“ In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass die Stadt von der Landsmannschaft Ostpreußen zum Austragungsort des 7. Deutsch-Russischen Forums im Oktober ausgewählt worden ist. „Auf der Meile vom Tilsiter Frieden zur Konvention von Tauroggen“, so hieß es abschließend, „wird europäische Geschichte geatmet und der Tag wird kommen, an dem der Stadt Sowjetsk ihr alter Name Tilsit und damit ihre historische Würde zurückgegeben wird.“ H.D.

Von der Idee bis zur Verwirklichung

Alles begann bei den Feierlichkeiten zum 200. Jubiläum des Friedensschlusses zu Tilsit. 2007 wurde den russischen Bewohnern so recht bewusst, dass sie in einer Stadt leben, in der vor zwei Jahrhunderten europäische Geschichte geschrieben wurde. Die Stadtgemeinschaft Tilsit hatte gemeinsam mit dem russischen Museumsdirektor viel unternommen, Interesse für jene historischen Vorgänge zu wecken, die einst Tilsit in ganz Europa bekannt machten. In anschaulicher Weise wurden die damaligen Ereignisse nachgestaltet. Künstler verkörperten die Rolle der historischen Personen, wobei das Interesse und der Beifall nicht so sehr Napoleon und auch nicht dem Zaren Alexander galten, sondern der Königin Luise. Ihre Lichtgestalt bezauberte das russische Publikum. Mit Neugier und Respekt begegnete man der preußischen Königin. Man wusste inzwischen, dass Luise seit jeher die tiefe Verehrung der Tilsiter erfuhr und dass ihr Name in der Stadt allgegenwärtig war, gab es doch eine Luisenbrücke, ein Luisen-Lyzeum, eine Luisenallee, ein Luisenhaus und sogar ein Luisendenkmal. 
Das Luisendenkmal gehörte zu den Wahrzeichen von Tilsit. Im Jahre 1900 war es von Kaiser Wilhelm II. feierlich eingeweiht worden. Malerisch inmitten des Parks Jakobsruh gelegen, symbolisierte die Marmorstatue die geschichtsträchtigen Vergangenheit der Stadt. 
Mit der Eroberung der Stadt im Zweiten Weltkrieg war es damit bald vorbei. Nur das Postament blieb noch ein paar Jahre erhalten und später erinnerten lediglich ein paar Treppenstufen an die einstige Sehenswürdigkeit.
Ein paar Deutsche und Russen hatten bei der Jubelfeier im Juli 2007 die Vision, das Denkmal wiederauferstehen zu lassen. Beseelt von dem Gedanken, der Stadt ein Stück ihres historischen Antlitzes wiederzugeben, begannen die ersten Überlegungen. Zwei wichtige Fragen standen im Mittelpunkt: Woher beschafft man die Unterlagen für die Rekonstruktion des Denkmals und woher erschließt man Mittel für die Finanzierung.
Der Stadtgemeinschaft Tilsit war der Name von Gustav Eberlein bekannt, der das Denkmal der Königin Luise geschaffen hatte. Eine Beschreibung war einer Dissertation von Gabriele Paetzold über Leben und Werk des Bildhauers Eberlein zu entnehmen, wo es hieß „Die Marmorfigur der Königin Luise, drei Meter hoch, steht auf einem Rundpostament – von einer Girlande umrankt. Im Haar trägt sie ein Diadem, über das hochtaillierte Empire-Kleid breitet sich der herabwallende Hermelinmantel. Das Kunstwerk besteht aus carrarischem Marmor, die Gesamthöhe beträgt zirka acht Meter.“ Die Recherchen nach genauen Abmessungen, alten Plänen und Entwürfen des Denkmals, unter anderem im Geheimen Preußischen Staatsarchiv, blieben ohne Erfolg. Zu einem Hoffnungsstrahl wurde der Kontakt zu dem Professor Rolf Grimm, dem Vorsitzenden des Vereins „Gustav-Eberlein-Forschung e.V.“, der sich der Bewahrung des künstlerischen Erbes des berühmten Bildhauers verschrieben hat. Seine Nachforschung nach dem Tilsiter Luisendenkmal ergab, dass etwa 200 Gipsentwürfe Eberleins, die im Museum seiner Heimatstadt Hann. Münden aufbewahrt waren, im Jahre 1960 auf der dortigen Mülldeponie landeten. Dazu zählte leider auch das originale Gipsmodell, nach welchem die Marmorfassung in Tilsit angefertigt worden war. Nur eine Fülle von Fotos und Zeichnungen, die von Grimm und von den alten Tilsitern zusammengetragen wurden, bildeten die dürftige Ausgangslage für eine Rekonstruktion des Denkmals.
Nicht weniger schwierig war die Frage der Finanzierung. Gemeinsam mit der russischen Stadtverwaltung wurden mehrere Varianten geprüft. Der damalige Oberbürgermeister plädierte für die Auflegung einer Lotterie und hoffte außerdem auf das benachbarte Atomkraftwerk als Sponsor. Die Stadtgemeinschaft Tilsit rief zu einer Spendenaktion auf, die auf große Resonanz stieß. Vertreter der litauischen Partnerstadt Tauroggen schlugen vor, eine touristische Geschichtsmeile unter der Bezeichnung „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention von Tauroggen“ im Rahmen eines grenzübergreifenden Projekts zu schaffen, in das die Wiedererrichtung des Luisendenkmals eingebettet werden könnte. Von nun an kam die Angelegenheit in Fahrt.
Das Projekt wurde dem EU-Komitee für grenzübergreifende Zusammenarbeit in Brüssel eingereicht. Hier, wo man um die Einbeziehung der EU-Anrainerstaaten bemüht ist, fand das Vorhaben Zustimmung und wurde auf der Sitzung vom 8. Februar 2012 abgenickt. Zu seiner Realisierung wurden 2,89 Millionen Euro€ bereitgestellt, rund ein Million davon für die russische Seite, die die Zuwendung mit zehn Prozent bezuschussen musste.
Damit war nicht nur die Anlage der Touristenroute, sondern auch die Auftragsvergabe für das Denkmal finanziell gesichert. Im Rahmen einer Ausschreibung machte sich die Firma „Nasledie“ in Sankt Petersburg an das komplizierte Vorhaben. Nach Darstellungen auf alten Fotografien, Zeichnungen, Ansichtskarten und Archivmaterialien sowie nach Konsultationen mit Grimm in Hannover wurde das Kunstwerk im Drei-D-Verfahren rekonstruiert. In nur einem Jahr schufen die russischen Bildhauer Pawel Ignatjew und Denis Prasolow ein originalgetreues und maßgerechtes Gipsmodell. Die Fertigung des fünf Meter hohen Marmorpostaments übernahm eine französische Firma aus St. Villain, die auf die Wiederherstellung historischer Bauwerke und Denkmäler spezialisiert ist.
Die drei Meter große Marmorfigur der Königin wurde im Sankt Petersburger Künstleratelier hergestellt und am 26. Juni auf das Postament eingeschwenkt. Das Denkmal mit acht Metern Höhe und einem Gesamtgewicht von 30 Tonnen ruht auf einem soliden Betonfundament.
H.D.

 

      

Das Tilsit-Theater spielt wieder

Das Kinder- und Jugendtheater in Sowjetsk (ehem. Tilsit) öffnet nach über zwei Jahren seine Türen wieder.
Die Pause war durch die Notwendigkeit bedingt, das Theatergebäude grundlegend sanieren zu lassen und die Bühne sowie die Innenausstattung des Zuschauerraumes zu erneuern. Der marode Zustand des Gebäudes ließ dessen weitere Nutzung als Kultureinrichtung nicht mehr zu. Wackelige Treppen, wellenartig aufgegangene Bodenbeläge oder bröckelnder Putz -das Betreten des Hauses war geradezu lebensgefährlich und schloss jeden Gedanken an Theatervorführungen von vornherein aus. Die Intendantin des Tilsit-Theaters, Nina Lemesch, sagt, dass um die Finanzierung der Sanierung fast zehn Jahre lang gekämpft werden musste. Mit Mühe und Not gelang es dem Theater schließlich, fast 130 Mio. Rubel aus dem Gebiets- und Staatshaushalt zu ergattern. In Zuge der Sanierung wurden alle Versorgungsleitungen, Fußböden, Treppen, Fenster und Türen erneuert, die Fassade neu verputzt. Wichtig ist auch, dass alle Licht- und akustischen Anlagen von Grund auf erneuert wurden. „Die drehbare Bühne ist auch repariert und renoviert worden", freut sich Intendantin Lemesch. „Sie wurde hier 1907 installiert und war damals die erste drehbare Bühne in ganz Europa. Nein, es ist jetzt wirklich wunderschön geworden, unser Tilsit-Theater!"
Zu Beginn der neuen Spielzeit ist auch ins Ensemble des Theaters frisches Blut geflossen: mehrere junge Schauspieler aus Moskau entschlossen sich, ihre künstlerische Laufbahn in Sowjetsk zu starten.

Dieser Beitrag ist in der Märzausgabe 2014 des "Königsberger Express" (Nachrichten aus Kaliningrad) erschienen.
Internet: www.koenigsberger-express.com
Fotos: Pressedienst der Gebietsverwaltung

 

So sieht das Theater heute aus

  

Luise will Lenin den Rang ablaufen

Ihrer Königin Luise brachten die Tilsiter allzeit eine große Verehrung entgegen. Sie war zu einem Mythos geworden und galt als eine Art Nationalheilige. Ihr Name überall war in der Stadt präsent. Es gab eine Königin-Luise-Brücke, ein Königin-Luise-Lyzeum, die Luisenallee, das Luisenhaus und vor allem das Luisendenkmal.  Das 8 m-hohe Marmorstandbild war von Gustav Eberlein geschaffen  und im Jahre 1900 im Beisein des Kaisers eingeweiht worden. Heute erinnern nur noch ein paar Stufen an den einstigen Standort im Park Jakobsruh.
Das soll nun anders werden. Auch die russischen Bewohner von Tilsit lieben Luise, sie sprechen von ihr als der „Königin der Herzen“.  Als man vor sechs Jahren die 200. Wiederkehr des Tilsiter Friedensschlusses feierte war mit Nachdruck der Wunsch vernehmbar, das Denkmal als symbolträchtiges Wahrzeichen der Stadt wieder zu errichten.  Gemeinsam mit der litauischen Partnerstadt Tauroggen kam es zu einem Projekt „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention zu Tauroggen“, welches eine Touristenmeile für Geschichtsliebhaber vorsieht. In Brüssel, wo man um die Einbeziehung der EU-Anrainerstaaten bemüht ist, fand das Vorhaben Zustimmung und finanzielle Unterstützung.

Insgesamt wurden dafür 2,89 Mio € bereitgestellt, rund 1 Million davon für die russische Seite. Diese muß die Zuwendung mit 10% bezuschussen.
Der Wiedererrichtung  des Denkmals stand nun nichts mehr im Wege. Die Firma „Nasledie AG“ aus Sankt Petersburg gewann die Ausschreibung und hat versucht, das Kunstwerkoriginalgetreu nach alten Fotos und Zeichnungen im 3-D-Verfahren zu rekonstruieren. Eine genaue Beschreibung des Kunstwerkes war einer Dissertation von Gabriele Paetzold über Leben und Werk des Bildhauers Gustav Eberleins zu entnehmen, wo es hieß „Die Marmorfigur der Königin Luise, 3 m hoch, steht auf einem Rundpostament – von einer Girlande umrankt. Im Haar trägt sie ein Diadem, über das hochtaillierte Empire-Kleid breitet sich der herabwallende Hermelinmantel. Das Kunstwerk besteht aus carrarischem Marmor, die Gesamthöhe beträgt ca. 8 Meter.“
Eine verkleinerte Version des Denkmals wird in Kürze den russischen Einwohnern und Stadträten von Tilsit präsentiert. Erst nach deren Zustimmung wird ein Muster in den Originalmaßen aus Kunststoff gefertigt. Nach diesem Modell entsteht dann die endgültige Ausführung aus Marmor.

 
Zur Zeit laufen im Park Jakobsruh die Baugrunduntersuchungen und die Vorbereitungen für das Fundament. Der Park soll sein früheres Antlitz mit Flaniermeilen, Rabatten, Bänken und Laternen erhalten. Die Aufstellung des Denkmals ist anläßlich der 207. Wiederkehr des Tilsiter Friedensschlusses im Juli 2014 vorgesehen. Sie wird umrahmt von einem festlichen Zeremoniell. Zahlreiche militärhistorische Vereine aus Europa werden sich zu einer Parade ein Stelldichein geben und der Einweihung einen festlichen Glanz verleihen. Die Feierlichkeiten gehen einher mit einer internationalen Historikerkonferenz zum Thema „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention zu Tauroggen“ und mit einer Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum.
Mit gespannter Aufmerksamkeit blickt man dem Ereignis entgegen. Die Stadt wird an Anziehungskraft gewinnen und ihr historisches Antlitz aufpolieren, auch wenn sie bis jetzt immer noch Sovetsk heißt und Lenin versucht, seine Stellung zu halten. 
   H.Dz.

Petersburger Modell des Denkmals der Königin Luise

Was wird aus der Umbenennung?

Für viel Wirbel hat ein Presseartikel gesorgt, in welchem der frühere Museumsdirektor und Ehrenbürger Georgi Ignatov die Umbenennung der Stadt fordert. Die Stadt habe das von Herzog Albrecht verliehene Wappen und ihre historische Flagge wiederbekommen – nun sei es an der Zeit, im Rahmen eines Referendums der Stadt ihren geschichtsträchtigen Namen Tilsit wiederzugeben und aus Sovetsk wieder Tilsit zu machen.

Der Veteranenverein reagierte mit Entrüstung. Auf einer Versammlung wurde einmütige Ablehnung geäußert. Befürchtungen wurden laut, daß andere Städte nachziehen werden und diese Entwicklung letztlich zu einer Wiederherstellung Ostpreußens führe. „Solange der letzte Veteran noch am Leben ist, solange es noch unsere Neusiedler gibt, wird es keine Umbenennung geben“ erklärte mit Nachdruck der Vereinsvorsitzende Wladimir Lisowin.

Die Tilsiter Käserei zwischen Vision und Wirklichkeit

Seit einigen Jahren gibt es bei der eidgenössischen Firma Tilsiter Switzerland die Vision, eine Käserei in der Stadt am Memelstrom aufzubauen.  Der kühne Plan war die konsequente Fortsetzung der  Ursprungsgeschichte des Tilsiter Käses und der Gründung von Tilsit im schweizerischen Thurgau am 1. August 2007. Der „Tilsiter" kam ursprünglich aus Tilsit in die Schweiz – als Tilsiter Switzerland sollte er nun aus der Schweiz an seinen Geburtsort zurückkehren. Als Dank für die «Entwicklungshilfe» im 19. Jahrhundert entwickelte die Sortenorganisation Tilsiter Switzerland ein Projekt, in das sie ihr Know-how einzubringen entschlossen war. Der Käse verhalf einst der Stadt Tilsit zur Blüte  und so soll es wieder werden.
Das Projekt sieht  die Errichtung eines repräsentativen Gebäudekomplexes vor mit dem Ausmaß von 45x30 Metern. Er besteht aus zwei Teilen, der eigentlichen Produktionshalle und dem Anbau mit den publikumszugänglichen Bereichen. Ergänzt werden die beiden Hauptbereiche durch die außenliegenden Nebenbereiche Milchannahme, Spedition und Tanklager.
Die Produktionshalle soll dreigeschossig in Stahlbauweise entstehen. Sie umfasst alle notwendigen Produktions-, Lager-, Technik- und Nebenräume. Diese sind folgerichtig angeordnet und ermöglichen einen klaren und konsequenten Betriebsablauf.
Im Untergeschoß befinden sich die Technikräume für die Elektroverteilungen, die Sanitärzentrale, die Abwasserneutralisation sowie die Energie- und Heizzentrale. Die Anordnung außerhalb der Hygienebereiche ermöglicht problemlose Installations-, Reparatur- und Wartungsarbeiten.
Im Erdgeschoß befinden sich die Produktionsräumlichkeiten, die nach den Arbeitsabläufen und dem Hygienekonzept gegliedert sind, von der Anlieferung über die Milchbehandlung, Käsefertigung, dem Salzbad bis zu den Lagerräumen und der Spedition. Mehrere Hygieneschleusen sorgen für die Einhaltung der Qualitätsstandards.
Das Obergeschoß ist für die Lüftungs- und Klimatechnik vorgesehen sowie für die Besuchergalerie. Diese kann man über eine Treppe erreichen, von wo aus die Fertigungsabläufe der Käseherstellung in Augenschein genommen werden können und wo auch Führungen stattfinden werden.
Einen besonderen Anziehungspunkt stellt der Besucheranbau dar. Hier laden ein Restaurant mit 50 Sitzplätzen zu Raclette und Fonduespezialitäten ein. Ein Fabrikladen bietet diverse Käseerzeugnisse an und eine kleine Bar sorgt für  gemütliche Atmosphäre.
                      
 Bild 1 Die architektonische Lösung soll eine Synthese zwischen dem alten Tilsit und dem neuen Sovetsk bewirken

Das Projekt auf einen Blick 
    • Schaukäserei für die Produktion von Tilsiter-Produkten für den russischen Markt 
    • Galerie (Glaskorridor, 40 x 15 m) für die Besucher, zur Beobachtung der Produktion 
    • Restaurant für typische Schweizer Gerichte wie Fondue, Raclette und Rösti 
    • Käsefachgeschäft für die selbst hergestellten Produkte und für die    bekanntesten,traditionellen Schweizer Käsesorten 
    • Lager- und Konfektionierungsräume für den Import und Handel mit Schweizer Käse 
    • Museum für die Geschichte des Tilsiter-Käses 
    • Das Grundstück befindet sich auf der Tangente Tilsit/Sovetsk – Kaliningrad und direkt am Stadtrand von Tilsit 
                                
Bild 2   Das Grundstück befindet sich am südlichen Stadtrand an der Königsberger Strasse.

Der Oberbürgermeister der Stadt Sovetsk Nikolai Voistchev misst dem Projekt eine große Bedeutung bei. In seiner Erklärung heisst es:
   „Der Bau einer Schweizer Käserei in Sovetsk bedeutet nicht nur die Entstehung eines neuen Betriebes und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Das ist vor allem die Gelegenheit, eine Seite der historischen Vergangenheit unserer Stadt und ihrer Kultur wiederherzustellen. Es ist auch eine Möglichkeit, die schöne Legende vom Tilsiter Käse zu beleben und seine Herstellung an den Herstellungsort zurückzuholen. Der Tilsiter Käse kehrt in seine Heimat zurück, was ohne Zweifel auch für den Tourismus vom Vorteil sein wird. Einzigartig ist das Projekt auch deswegen, weil der Besucher den gesamten Produktionszyklus der Tilsiter Käseherstellung beobachten kann, den Käse probieren und typische schweizerische Gerichte im Restaurant kosten kann.“
Die Stadt Sovetsk hat bereits ein geeignetes Grundstück aussondiert, das sie zur Verfügung stellen will. Die Schweiz liefert in der Startphase nicht nur das notwendige Know-how, sondern auch die erste Ausbildung für die zukünftigen Käsefachleute.  
Michail Paschkovskij, Direktor der Berufsschule in Tilsit/Sovetsk, will eine Klasse mit 20 Azubis eröffnen, die eine dreijährige Basisausbildung für Molkereifachleute  absolvieren. Während ihrer Ausbildung werden sie in der Schweiz ein Praktikum absolvieren.

                       
Bild 3   Das Modell der künftigen Käserei

Die Grundsteinlegung für die Käserei war anläßlich des Stadtfestes 2012 vorgesehen. Dann wurde sie um ein Jahr verschoben. Bis heute ist sie noch nicht erfolgt. Wo klemmt es, wird gefragt.
Das Projekt ist da, das Grundstück ist bereitgestellt, die Finanzierung ist geklärt, der Maschinenpark ist vorhanden, die Belegschaft wird vorbereitet – doch plötzlich ist Schweigen im Walde.
Wer Käse herstellen will braucht Milch. Milch gibt es nur, wo Kühe sind.  Und hier ist der Knackpunkt. In einem Land, in dem früher große Rinderherden auf saftigen Weiden grasten, sieht man heute nur vereinzelt eine Kuh auf Futtersuche zwischen Unkraut und Disteln. Moderne Rindergenossenschaften, die als Milchlieferant in Frage kämen, haben Seltenheitswert. Bei den bisherigen Recherchen stieß man vorerst nur im Samland auf einen potentiellen Milchproduzenten. Er wäre in der Lage, eine ausreichende und reibungslose Belieferung der Käserei in Tilsit zu gewährleisten. Aber er befindet sich 140 Kilometer von der Käserei entfernt. Der Transportweg ist viel zu lang und bei den Straßenverhältnissen nicht zumutbar.
Nun ist guter Rat teuer. Man kann das Pferd nicht von hinten aufzäumen. Erst müssen in der näheren Umgebung, im Kreis Tilsit-Ragnit oder in der Elchniederung die Voraussetzungen in Form großer Milchwirtschaftsbetriebe geschaffen werden. Der Russe sagt „budjet“. Bis dahin heißt es warten. 
           Hans Dzieran 

Rekonstruktion eines Brunnens

Nachdem unlängst auf dem Herzog-Albrecht-Platz ein Gedenkstein errichtet wurde, der an die Stadtgründung von Tilsit im Jahre 1552 durch Herzog Albrecht erinnert, wird nun der Besucher von einem Bauzaun an der Nordseite des Platzes überrascht. Hier soll ein Kleinod aus vergangener Zeit, der Gerichtsbrunnen, neu entstehen. Er wurde 1912 erbaut und war von einem gusseisernen Preußenadler gekrönt. Der Brunnen überdauerte den Krieg, wurde jedoch in der Nachkriegszeit dem Verfall preisgegeben. Die Rekonstruktion erfolgt nach alten Fotoansichten und umfasst die Erneuerung der Rotunde, die Backsteinverkleidung einschließlich der Sanierung der Dekors und den Wasseranschluss der Fontäne. An der Finanzierung beteiligen sich zahlreiche Privatunternehmer. Mit dem Gerichtsbrunnen wird ein weiterer Beitrag zur Entdeckung des preußischen Erbes und der Wiederherstellung des historischen Antlitzes der Stadt geleistet.

H.Dz.

Tilsit um 1915. Der Herzog-Albrecht-Platz mit Gerichtsstraße.Der Brunnen links im Bild ist Bestandteil des Gerichtsviertels.
Blick hinter den Bauzaun
Gerichtsbrunnen am 9.September 2013

   

Eine Stadt besinnt sich auf ihr Erbe

Hans Dzieran
Einen Hauch des einstigen Tilsit bekam der Besucher des diesjährigen Stadtfestes zu spüren. Überall wehten die Fahnen in den alten Tilsiter Stadtfarben grün-weiß-rot mit dem historischen Wappen, welches Herzog Albrecht der Stadt im Jahre 1552 verliehen hatte. Am Hohen Tor hatte man altdeutsche Straßenlaternen aufgestellt. Wegweiser wiesen in deutscher Sprache zur Clausiusstraße, Hohen Straße, Jägerstraße und Angerpromenade. Die Häuser rund um das Hohe Tor waren denkmalsgerecht saniert, die Straße mit Kopfsteinpflaster erneuert und vor dem Reithmeierschen Haus war sogar eine Straßenbahnhaltestelle entstanden. Ein Straßenbahnwagen aus den 20er Jahren  - wenn auch nur stationär platziert – zog die Blicke der Passanten auf sich und erzeugte ein Flair der Vorkriegszeit. Er wird künftig als Museum genutzt werden.

Während des dreitägigen Stadfestes fand auf dem Schloßmühlenteich die „Erste Tilsiter Regatta“ statt, an der Rudermannschaften in verschiedenen Klassen starteten. Das Erstaunliche lag vor allem im Namen Tilsitskaja Regata. Nicht nur hier las man dem Namen Tilsit. Man begegnete ihm auf Schritt und Tritt  und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis er wieder eingeführt wird. Man konnte ihn auf den Taxis lesen, auf Basecaps, in Firmenbezeichnungen und sogar die Rocker, die mit ihren schweren Maschinen auftraten, trugen auf ihren Lederkombinationen und auf ihren Fahnen die Aufschrift „Legion Tilsit“, und das nicht etwa in kyrillischen Buchstaben, sondern in deutscher Schrift.

Im Stadtgeschichtlichen Museum lud die Museumsdirektorin Angelika Spiljova zur Eröffnung einer Ausstellung ein. Präsentiert wurden 20 Lithografien  des gebürtigen Tilsiters Armin Mueller-Stahl zu Goethes „Urfaust“. Bei der kürzlich erfolgten Auszeichnung zum Ehrenbürger hatte der Künstler die Originale seiner Heimatstadt geschenkt. Es war nicht die erste Ausstellung deutscher Künstler. Bereits in den zurückliegenden Monaten war die junge Museumsdirektorin bemüht, den heutigen Bewohnern die schöpferischen Leistungen gebürtiger Tilsiter nahezubringen. Ausstellungen von Sebastian Holzner, Johannes Bobrowski und Gerhard Spilgies trugen dazu bei, die kulturelle Vergangenheit der Stadt im Bewusstsein der Menschen lebendig zu machen.

Vieles hat sich im Denken der heutigen Bewohner verändert. Eine neue Generation ist herangewachsen. Sie hat andere Sichtweisen und denkt europäischer. Der Oberbürgermeister ist 42 Jahre alt.  Er wie auch seine aufgeschlossenen  Mitarbeiter haben den geschichtsträchtigen Boden, auf dem sie leben, in seiner historischen Dimension erkannt und tun alles, um gemeinsam mit den in der Stadtgemeinschaft Tilsit vereinten ehemaligen Bewohnern, das historische Erbe zu bewahren. Es wird den heutigen Bewohnern nahegebracht und soll auch für touristische Zwecke nutzbar gemacht werden. In Vorbereitung ist die Wiedererrichtung des Denkmals der Königin Luise an seinem alten Standort im Park Jakobsruh und nicht zuletzt auch die Wiederbelebung der Herstellung des Tilsiter Käse. Der Unternehmer  Bruno Buntschu aus der Schweiz nutzte das Stadtfest, um das fertige Projekt einer Schaukäserei mit einem Investitionsumfang von 7 Mio Euro vorzustellen. Die Käserei wird eine alte Tilsiter Tradition zu neuem Leben erwecken und den jetzigen Bewohnern Tilsits die Historie der Stadt bewusst machen.

Die Stadt am Memelstrom mausert sich. Bald wird sie nicht nur wieder Tilsit heißen, sondern diesen Namen auch verdienen !

Zum Stadtfest erhielt das Tilsiter Stadtzentrum wieder sein historisches Antlitz Foto Regina Dzieran
Stadtvertreter Hans Dzieran (l.) im Gespräch mit dem russischen Stadtoberhaupt Nikolai Voistschev Foto Regina Dzieran

Impressionen vom Stadtfest 2012 in Sovetsk/Tilsit

Jedes Jahr am ersten Wochenende im Monat September findet in Sovetsk/Tilsit das Stadtfest statt. Jung und Alt ist auf den Beinen und feiert mit vielen Gästen 3Tage ein Kultur- und Sportfest mit internationaler Beteiligung. Auch von der Stadtgemeinschaft Tilsit und der Patenstadt Kiel nehmen geladene Gäste an den Feierlichkeiten teil.
In diesem Jahr stand die Eröffnung der historischen Insel mit der Strassenbahn und dem Laternenmast, der die Strassenschilder trägt, im Mittelpunkt.

Hier eine kleine Auswahl von Schnappschüssen (von Regina Dzieren) und das Plakat zur Ausstellung von Bildern des Schauspielers Armin Müller-Stahl.

  

205 Jahre Tilsiter Frieden

Tilsit feierte den 205. Jahrestag des nach ihm benannten Friedens mit einem umfangreichen Programm

Historisches Flair beherrschte in den ersten Julitagen die Stadt am Memelstrom. Man gedachte eines  Kapitels der europäischen Geschichte, das sich vor 205 Jahren auf diesem Boden abspielte. Mit dem Friedensschluß zu Tilsit ging die Stadt in die Geschichtsbücher ein. Ihr Name wurde bekannt in ganz Europa.
Auch wenn die Stadt heute immer noch Sowjetsk heißt, ist den Russen inzwischen bewußt geworden, daß sie auf geschichtsträchtigem Boden leben, wo einst Weltgeschichte geschrieben wurde. Das war Anlaß genug, um mit einem umfangreichen Programm dieses Ereignis zu würdigen.
Die Feierlichkeiten begannen am 6. Juli mit einer wissenschaftlichen Konferenz im Konzertsaal der Musikschule. Heimatforscher und Historiker referierten zum Thema „Auf historischem Boden“. Der Inhalt der Vorträge und die lebhafte Diskussion berührten die vielfältigen Aspekte der internationalen Politik und Diplomatie des 19. Jahrhunderts. Der Friedensschluß zu Tilsit - so wurde mehrfach hervorgehoben - sei ein gutes Beispiel außenpolitischer Kompromißbereitschaft. Doch bei den  theoretischen Erörterungen blieb es nicht. Nach dem russischen Sprichwort „Lieber einmal sehen als hundertmal hören“  wurde die abstrakte Theorie am nächsten Tag in Szene gesetzt und nahm praktische Gestalt an. Mit einer historischen Darstellung der Ereignisse jener Tage wurden Einwohner und Gäste in die damalige Zeit versetzt.
Eine lange Kolonne von Soldaten in zeitgenössischen Uniformen der russischen, preußischen und französischen Armeen, dargestellt von Mitgliedern des militärhistorischen Vereins aus Pr.Eylau, paradierte durch die Stadt. Begleitet wurden sie von dem Blasorchester „Tilsit-Brass“ und dem Trommlerkorps vom Kulturhaus „Parus“. Das Defilee bewegte sich zum Memelufer, wo an der Königin-Luise-Brücke  die zahlreich erschienenen Zuschauer und die Vertreter von Presse, Funk und Fernsehen ein interessantes Spektakel erwartete.
Zwei Zelte, flankiert von Ehrenwachen, imitierten die seinerzeit im Memelstrom verankerten Floße – eine Darstellung auf der Flußmitte war wegen der EU-Außengrenze nicht möglich.. Mit großem Pomp erschienen die Monarchen mit ihrem Gefolge, gespielt von Künstlern des Tilsiter Theaters. In mehreren Szenenbildern vermittelten sie ein anschauliches Bild der damaligen Ereignisse. Die Zuschauer konnten erleben, wie die auch von den Russen verehrte Königin Luise in einer Kutsche vorgefahren kam und von Napoleon galant empfangen wurde. Sie konnten die Verhandlungen zwischen Bonaparte und Zar Alexander verfolgen, in deren Verlauf Napoleon theatralisch die Landkarte Europas zerriß und  man sah die Unterzeichnung der Verträge in einer eindrucksvollen Inszenierung.  

Die Feierlichkeiten fanden am späten Nachmittag ihre Fortsetzung im Saal der Zentralbibliothek, die den Namen des Heimatforschers Isaak Rutman trägt, mit einem festlichen „Tilsiter Ball“. Hier waren Napoleon, Zar Alexander, König Friedrich Wilhelm mit Königin Luise, der Hofstaat, das Offizierskorps mit Damen friedlich vereint bei Tanz und Polonaise. Versierte Mitglieder des militärhistorischen Vereins gaben Vorführungen und Erläuterungen zu den einzelnen Tänzen jener Zeit und stießen bei den geladenen Gästen auf großes Interesse. Als Spezialität wurde Marzipan gereicht, hergestellt nach ostpreußischem Rezept vom örtlichen Technologie-College. Herzlich begrüßter Ballgast war der Präsident des Tilsiter Wohltätigkeitsvereins, Jewgenij Abarius.
Ihren krönenden Abschluß fanden die Feierlichkeiten mit einer literarisch-dramatischen Komposition, vorgetragen von Tilsiter Schauspielern. Die Aufführung bildete zugleich den Auftakt für die nächsten Festivitäten. Zwei Jahrhunderte jähren sich am 31.Dezember 2012 mit der Konvention von Tauroggen und am 7.Januar 2013 mit dem „Manifest der Vertreibung des Feindes aus Rußland“. Tilsit beteiligt sich damit an den in ganz Rußland stattfindenden Feiern zum 200. Jahrestag des Sieges über Napoleon.   
Text:    Hans Dzieran
Fotos:   J. Rosenblum

 

   

20 Jahre Museum für Stadtgeschichte

Als vor 20 Jahren in Tilsit ein Museum für Stadtgeschichte gegründet wurde, geschah dies mit Unterstützung durch die Stadtgemeinschaft Tilsit. Hilfe bei der Sanierung der Räumlichkeiten, Übergabe von Exponaten, ständiger Gedankenaustausch mit dem damaligen Leiter Georgij Ignatow trugen dazu bei, dass sich das Museum zu einem Anziehungspunkt für Touristen und Neubürger entwickelte. Der Darstellung der geschichtsträchtigen Vergangenheit und des kulturellen Erbes der Stadt wird breiter Raum eingeräumt. Museumsdirektorin Angelika Spiljowa betrachtet es als wichtiges Anliegen, die Erinnerung an das alte Tilsit zu bewahren und den jetzigen Bewohnern zu vermitteln. Aus Anlass des 20-jährigen Gründungsjubiläums wurde ihr von der Stadtgemeinschaft Tilsit eine Intarsienarbeit mit der Darstellung der Königin-Luise-Brücke, hergestellt von dem Tilsiter Heinz Bressau, überreicht, verbunden mit guten Wünschen für eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit

Die Zeremonie fand am 31. Juli bei einem öffentlichen Platzkonzert des Ensemble der Sächsischen Posaunenmission in Tilsit am Hohen Tor neben dem bronzenen Elch statt.

Mit diesem Ensemble  war Valentin-Europareisen im Juli 2012 zu einer Konzertreise nach Ostpreußen gestartet. Das Programm sah Auftritte im Königsberger Dom, in der Salzburger Kirche in Gumbinnen, in Mühlhauen, Pillau und weiteren Orten vor. . Das aus 24 Blasmusikern bestehende Ensemble präsentierte ein mitreißendes Repertoire von deutschen und russischen Weisen und überbrachte  den dortigen Einwohnern und Touristen die Grüße der Stadtgemeinschaft Tilsit.

und hier die Bilder von der Veranstaltung in Tilsit.

Ein interessantes Projekt

Mit einem interessanten Projekt kam der Tilsiter Oberbürgermeister Nikolai Voistschev zur diesjährigen Kieler Woche. Ein Stück „Altes Tilsit“ soll auf einer Freiluftfläche am Hohen Tor entstehen. In unmittelbarer Nachbarschaft der bronzenen Elchstatue werden Straßenlaternen, Wegweiser und eine Straßenbahnhaltestelle mit deutschen Aufschriften an das Tilsit der Vorkriegszeit erinnern. Ein inmitten von originalem Kopfsteinpflaster aufgestellter historischer Straßenbahnwaggon wird Touristen und Einheimische zu einer Tasse Kaffee einladen und ein nostalgisches Fotomotiv darstellen. Im Kieler Hotel „Consul“ erläuterte das Stadtoberhaupt in Begleitung von Museumsdirektorin Angelika Spiljova sein Vorhaben auf einer Arbeitsberatung, an der der Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Tilsit, Hans Dzieran und der Kieler Ratsherr Bernd Jenning teilnahmen. Kiel ist mit Tilsit/Sovetsk durch eine Städtepartnerschaft verbunden, die in diesem Jahr auf ihr zwanzigjähriges Bestehen zurückblicken konnte. (siehe auch hier)

 

So wie auf dem Bild wird es nicht aussehen. Das ist aber in etwa die historische Stelle für das Vorhaben

Bald Grundsteinlegung für Käserei

Sovetsk/Tilsit  20. März, 2012

Die Schweizer treiben in Ostpreußen ihre Bemühungen um den Bau eines Werkes zur Herstellung von „Tilsiter Käse“ energisch voran. Der Geschäftsführer der „Tilsiter Switzerland GmbH“, Bruno Buntschu weilte dieser Tage in Tilsit und stellte dem Oberbürgermeister Nikolai Voistchev die von einem Berliner Projektierungsbüro erarbeiteten Unterlagen vor. Die neue Käserei wird mit modernen Schweizer Fertigungsanlagen ausgerüstet. Es entstehen 30-50 Arbeitsplätze, die ausschließlich mit örtlichen Beschäftigten besetzt werden und die in der Eidgenossenschaft eine Ausbildung erhalten.

Das Besondere an der Käserei ist ein touristischer Schautrakt. Er besteht aus einem 40 Meter langen und 15 Meter breiten Glaskorridor, von dem aus der technologische Ablauf der Käseherstellung beobachtet werden kann. In einem Anbau gibt es für die Besucher ein Restaurant mit Schweizer Küche und eine Käsetheke, an der die verschiedenen Sorten des „Tilsiter“ präsentiert werden. Hier werden Informationsfilme in russischer, deutscher und englischer Sprache gezeigt. Die Käserei soll den jetzigen Bewohnern Tilsits die Vergangenheit ihrer Stadt bewusst machen. Sie wird aber auch zu einem Anziehungspunkt für Touristen aus der Bundesrepublik Deutschland und anderen Ländern werden und den Bekanntheitsgrad des „Tilsiter“ europaweit verbreiten.

Der russische Oberbürgermeister zeigte sich erfreut von dem Schweizer Vorhaben. Gemeinsam mit Bruno Buntschu besichtigte er das Baugrundstück. Es befindet sich im Tilsiter Vorort Senteinen an der Königsberger Chaussee. Die Grundsteinlegung wird im Rahmen des diesjährigen Stadtfestes in den ersten Septembertagen stattfinden.

Hans Dzieran

Mehr über Tilsit in der Schweiz finden Sie auch hier

Tilsit – Eheschließungen in festlichem Rahmen erfreuen sich steigender Beliebtheit.

Die Stadt will diesem Umstand Rechnung tragen und hat den Bau eines neuen, repräsentativen Standesamts beschlossen. Es trägt den pompösen Namen „Palast der Eheschließungen“ und wird auch so aussehen. Die Bauarbeiten an der Kreuzung der früheren Oberst-Hoffmann-Straße/Fabrikstraße sind in vollem Gange.
Im Jahr 2011 wurden 314 Ehen geschlossen, weitaus mehr als im Vorjahr. Das Durchschnittsalter der Brautleute bewegte sich zwischen 25 und 34 Jahren, bei den Bräuten zwischen 18 und 24. Sieben Ehen wurden mit Ausländern eingegangen. Sie kamen aus Litauen, Kasachstan, der Ukraine und der Schweiz.
So wie die Anzahl der Eheschließungen angestiegen ist erhöhte sich im Jahr 2011 auch die Zahl der Geburten. Sie stieg gegenüber dem Vorjahr von 379 auf 410. Unter den Neugeborenen waren auch 6 Zwillingspärchen. Die beliebtesten Mädchennamen waren Sofia, Darja und Anna. Bei den Jungen lag Alexander an der Spitze. H.Dz.

Hier ein glüchliches Hochzeitspaar, aufgenommen am 24.07.2004 gegen 14:00Uhr in Tilsit. Wer kennt das Paar?

Fotos: Manfred Urbschat, 24.07.2004

Ein Stein, der Geschichte schreibt

Anläßlich des 459-jährigen Bestehens von Tilsit wurde für den Begründer der Stadt, Herzog Albrecht, ein Gedenkstein enthüllt. Der mannshohe, 16 Tonnen schwere Findling aus Granit erinnert in deutscher und russischer Sprache an den Tag, an dem Herzog Albrecht Tilsit die Stadtrechte verlieh. In den Stein ist auch das alte historische Stadtwappen eingemeißelt. An der Einweihung des Gedenksteins nahmen hochrangige Vertreter der Stadt und des Auslands teil, darunter das Vorstandsmitglied der Stadtgemeinschaft Tilsit, Manfred Urbschat und der Vizekonsul der Bundesrepublik Deutschland in Königsberg, Matthias Weiß. H.Dz.

Armin Mueller-Stahl Ehrenbürger der Stadt Sovetsk-Tilsit

Der Stadtrat von Sovetsk/Tilsit verlieh in diesem Jahr die Ehrenbürgerwürde an den deutschen Schauspieler Armin Müller-Stahl.
Armin Müller-Stahl wurde in Tilsit geboren, besuchte die Meerwischer Schule und wohnte in der Lindenstraße 24. Er erwarb sich internationalen Ruhm als Filmschauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Musiker und Maler. Im vergangenen Jahr würdigte das Tilsiter Stadtgeschichtliche Museum sein Wirken mit einer vielbeachteten Ausstellung. H.Dz

Militär und Monarchen in Tilsit

Am 7. Juni wurde in Sowetsk/Tilsit der 204. Jahrestages des Tilsiter Friedens begangen.

Dazu gehörte das Auftreten des Militärs und der damals handelnden Persönlichkeiten in historischen Uniformen und Gewändern.

Antreten der Ehrenformation
Kommandeur der Wacheinheit
Abmarsch der Fahnengruppe
Die Monarchen und die Königin Luise am Gedenkstein
Appell an der Luisenbrücke
Abmarsch
An der Luisenbrücke Königin Luise, Zar, Napoleon, König Fr W III
Die Monarchen und Königin Luise
Meldung des Kommandeurs der Wacheinheit an die Monarchen

 

 

Wieder eine Ausstellung eines Tilsiter Künstlers.


Vom 14. Mai bis 3. Juli 2011 fand in Sovetsk/Tilsit die Ausstellung
"Einblicke-Ausblicke Malerei"
mit Werken des Künstlers Gerhard Spilgies statt

 

Dazu folgende Berichte

Zur Eröffnung der diesjährigen Museumsnacht konnte Museumsdirektorin Angelika Spiljowa den in Tilsit geborenen Künstler Gerhard Spilgies willkommen heißen. Er präsentierte den interessierten Gästen seine ausdrucksstarken Bilder und Grafiken und vermittelte wissenswerte Einblicke in die Maltechniken bedeutender Künstler wie Pablo Picasso. Zu den Besuchern der Ausstellung zählten auch Oberbürgermeister Nikolai Wojstschew und Dumaabgeordneter Wadim Abarius, die den Künstler herzlich begrüßten.

Die Museumsnacht stand unter dem Motto „Was Exponate erzählen“. So weckte eine alte Schulbank nostalgische Erinnerungen an vergangene Kinderjahre. Besonderes Interesse rief ein altes deutsches Waffeleisen mit Rautenmuster hervor. Es erzählte von dem einstigen Tilsiter Brauch des Waffelbackens. Aromatischer Duft verbreitete sich im Museum, als die Mitarbeiter nach ostpreußischer Rezeptur den Teig zu knusprigen Waffeln pressten und die gebackenen Leckerbissen den Besuchern anboten. Die Verkostung wurde zu einem mit viel Lob bedachten „Renner“ der Museumsnacht.
    Hans Dzieran

Die diesjährige Nacht der Museen im Museum der Geschichte der Stadt Sovetsk (Tilsit) war wieder sehr gut besucht.

Wesentlicher Punkt im Programmablauf war die Vernissage der Mal- und Fotokunst-Ausstellung „Einblicke - Ausblicke“ des Künstlers Gerhard Spilgies. Amüsante Randbemerkung hierzu ist, dass die Montage der Ausstellung im wahrsten Sinne des Wortes in allerletzter Minute erfolgte, da sich die Anreise des Künstlers inclusive der Ausstellungsstücke ungeplant verzögert hatte.
Gerhard Spilgies ist ein in Tilsit geborener und in Deutschland lebender Künstler, der mit dieser Ausstellung bereits zum dritten Mal Teile seines künstlerischen Schaffens im Stadtmuseum zeigt. Nach Beendigung seines Universitätsstudiums 1966 war er u.a. als Lehrer an Schulen und Hochschulen z.B. in Berlin, Bielefeld und München tätig und ist heute Mitglied des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler im Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe. Seine unterschiedlichen Ausstellungen und Aktivitäten sind nicht nur in Deutschland, sondern eben auch in Russland, Litauen, Estland, oder aber auch in den USA zu sehen.

Pünktlich um 20:00 Uhr begrüßte die Museumsleiterin Anzhelika Shpilyova dann die erschienen Gäste, an ihrer Spitze den Bürgermeister N. Woistschew sowie den Duma-Abgeordnten V.Abarius zur Eröffnung der Nacht der Museen und der Ausstellung. Im Rahmen der Ausstellung „Einblicke - Ausblicke“ hielt Gerhard Spilgies auch einen Vortrag zum Schaffen und seiner Interpretation des Künstlers Pablo Picasso, der mit großem Interesse verfolgt wurde.
Weiterere Programmpunkte im Verlauf der Museumsnacht war die Präsentation und ein Vortrag zum Thema „Straßenbahnen in Tilsit“ sowie die Darbietung eines Filmprojektes zum Thema „Schulbank“. Inhalt des Filmprojektes war, dass auf einer alten Schulbank sitzend Bürgerinnen und Bürger aus Sovetsk über ihre Schulerlebnisse berichteten, die tlw. über 50 Jahre und mehr zurücklagen.

Sehr originell abgerundet wurde die Museumsnacht mit Teegetränken für die Besucherinnen und Besucher und sowie frisch gebackenen Waffeln nach einem alten Originalrezept, welches aufgeprägt auf einem sehr altem Waffeleisen eines ausgestellten Museumsexponates zu finden ist.
Musikalisch begleitet wurde die Museumsnacht 2011 - wie bereits in den Jahren zuvor - durch das Streichquartett Bernstein, welches mit seinen Stücken zwischen klassischer Musik bis hin zur Moderne wieder für gute Stimmung und Unterhaltung sorgte.

Abschließend kann auch die diesjährige Nacht der Museen und die Ausstellung wieder als ein großer Erfolg betrachtet werden

Anzhelika Shpilyova

So sieht das Waffeleisen aus

 

 

Sportzentrum eingeweiht

In einer Bauzeit von drei Jahren ist auf dem Ufergelände des Schlossmühlenteichs ein modernes Sportzentrum entstanden. Zur festlichen Einweihung war viel Prominenz erschienen Regierungsvertreter mit dem Gouverneur des Königsberger Gebiets Nikolai Zukanow an der Spitze gaben sich ebenso deie Ehre. wie Vertreter der Kirche und der Partei „Einiges Russland“. Zu letzteren zählte auch die dreifache Olympiasiegerin im Eiskunstlauf, Irina Rodnina.

Das Sportzentrum verfügt über eine Schwimmhalle, eine Eisarena, Tennis- und Sporthallen, Fitneßräume und ein Bowlingcenter. Die Gäste erlebten zum Auftakt ein Eishockeyspiel der Mannschaften aus Gumbinnen und Insterburg und anschließend ein Schaulaufen auf dem Eis. Der Abend stand im Zeichen eines Rockkonzerts der Moskauer Band „Korni“.

Mit dem neuen Sportzentrum hat die Attraktivität der Stadt beträchtlich zugenommen

Hans Dzieran

Tilsit soll grün bleiben

Der neue Oberbürgermeister Nikolai Woistschew geht energisch gegen Missstände vor. Unter strenge Kontrolle wird der verantwortungslose Umgang mit dem Stadtgrün gestellt. Allein im vergangenen Jahr seien etwa 600 Bäume aus dem Stadtbild verschwunden. Nicht ein einziger Baum wurde in der gleichen Zeit neu gepflanzt, Mittel dafür waren im Haushaltsplan auch gar nicht vorgesehen. Zu den abgeholzten Bäumen gehört  die Napoleonslinde, die als Denkmal an die Zeit erinnerte, als Tilsit mit dem Friedensschluss von 1807 im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stand. Würde der Kahlschlag in diesem Tempo weitergehen – so Woistschew – sei die einst grüne Stadt innerhalb von drei Jahren in eine Einöde verwandelt. Er forderte die sofortige Erarbeitung eines Pflanzplans, damit mit der Neupflanzung von Bäumen rasch begonnen werden kann.                            

Filmvorfuehrung der Dokumentation "Holunderbluete"

Wie uns Hans Dzieran und Anzhelika Shpilyova berichten  hatten sich am 4. April 2011 russische Kulturschaffende, Heimatforscher, Pädagogen und Studenten in großer Zahl im Tilsiter Museumssaal versammelt, um die Aufführung des preisgekrönten deutschen Films „Holunderblüte“ zu erleben und mit dem Regisseur Volker Koepp über sein Werk zu diskutieren. Der neue Oberbürgermeister Nikolai Voistschev und Museumsdirektorin Angelika Spiljowa hießen den Gast herzlich willkommen. Filmemacher Volker Koepp schilderte eingangs dem Publikum seine Affinität zum Land an der Memel, an der der Tilsiter Johannes Bobrowski einen großen Anteil habe. So war denn auch in dem Film die Faszination der unvergänglichen ostpreußischen Landschaft zu spüren. Deutlich vernahm man ihren Herzschlag, wenn der Autor die russischen Kinder vom Memelstrom und der Elchniederung in den Mittelpunkt stellte und sie ohne jede vorherige Absprache frei von der Leber reden ließ. Ungeachtet des schockierenden Hintergrunds von Armut und Verfall strahlten die Kinder Optimismus aus und träumen von einer besseren Zukunft. Ihre Gesichter und freimütigen Äußerungen prägen sich dem Zuschauer nachhaltig ein. Die anschließende Diskussion zum Film verlief recht stürmisch. So manchem der Anwesenden passte es nicht, dass mit der schonungslosen Darstellung des maroden Ambientes den heutigen Bewohnern ein Spiegel vors Gesicht gehalten wurde.  Doch letztlich überwog die Einsicht, dass sich mit den lebensfrohen und weltoffenen Kindern die große Chance für eine bessere Zukunft der Region an der Memel auftut.

Tilsit wird Ansiedlungsort der Kernkraftwerker

Ungeachtet der Probleme mit dem japanischen Kernkraftwerk in Fukushima  wird der Bau des Atomkraftwerks „Baltiski“ unweit von Tilsit zügig vorangetrieben. Wie Hans Dzieran in der Ausgabe 13 des Ostpreußenblatts berichtet, wird Tilsit  mit seiner Vielfalt an kulturellen und sportlichen Angeboten zum bevorzugten Ansiedlungsort für das künftige Personal des Atomkraftwerks. Eine St. Petersburger Grundstücksgesellschaft hat bereits im Tilsiter Osten ein Areal von 26 Hektar zum Bau von Eigenheimen aufgekauft. Wie der Tilsiter Stadtarchitekt Alexej Samargin bestätigte, wird noch in diesem Jahr  mit dem Bau von insgesamt 276 Fertighäusern begonnen. 5 – 6 verschiedene Typen sind im Angebot, die mit moderner Bauweise errichtet werden und über eine Grundstücksfläche von je 700-800 Quadratmetern verfügen  Die neue Eigenheimsiedlung im Osten der Stadt ist nicht das einzige Bauvorhaben angesichts des erwarteten Zustroms an Einwohnern.  Zwischen der Ragniter- und Kastanienstraße wurde ein weiteres Grundstück erworben, auf dem mehrere fünfgeschossige Wohnblöcke errichtet werden sollen.  

Bald wieder Tilsiter Käse vom Memelstrom

Geschäftsführer Bruno Buntschu von der Tilsiter-Switzerland Gesellschaft weilte dieser Tage in Tilsit und unterbreitete  dem russischen Oberbürgermeister Viktor Smilgin das Angebot, eine Käsemanufaktur in der Stadt am Memelstrom zu errichten. Ziel des Schweizer Unternehmens sei es, einen legendären Bestandteil der Tilsiter Vergangenheit zu neuem Leben zu erwecken und zu einer Attraktion der Stadt zu machen. Über die zu schaffenden Voraussetzungen seitens des russischen Vertragspartners wie Bereitstellung einer geeigneten Liegenschaft, Menge und Qualität der anzuliefernden Milch sowie Personalschulung wurden eingehende Beratungen geführt. Sie werden demnächst auf einem Folgetreffen zum Vertragsabschluss führen

Mehr über Tilsit in der Schweiz finden Sie auch hier

Deutsch-Russisches Forum „Zukunft braucht Vergangenheit“

Das Deutsch-Russische Forum "Zukunft braucht Vergangenheit" ist eine Form der freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen russischen und deutschen Vereinigungen mit dem Ziel, die erlebte und ererbte Vergangenheit der in Ostpreußen geborenen Deutschen und der jetzt dort wohnenden Russen zu erschließen und zusammenzuführen.

Die Wertschätzung dieser Zusammenarbeit soll eine Verlautbarung der Stadtverwaltung Sovetsk/Tilsit veranschaulichen:
 
Hier die Übersetzung der Verlautbarung der Pressesprecherin der Stadtverwaltung Sovetsk, Natalja Schumovitsch in ihrem Internetportal:.
                                                 „Tilsit“ in Sovetsk
Am 16. Oktober fand in Gusev/Gumbinnen das Deutsch-Russische Forum „Zukunft braucht Vergangenheit“ statt  Es wird alljährlich von der Landsmannschaft Ostpreußen veranstaltet, erstmals im Jahr 2008. Zweimal traf man sich im Kaliningrader Gebiet, 2009 in Deutschland.
Teilnehmer der Konferenz waren Vertreter der Landsmannschaft Ostpreußen, darunter der Stadtgemeinschaft Tilsit, Mitarbeiter von Archiven, Museen und gesellschaftlichen Organisationen. Einladungen zur Mitarbeit bei dem Forum waren auch an Sovetsk ergangen. Der Delegation gehörten Angelika Spiljova, Georgi Ignatov, Tatjana Urupina, Larissa Verbilo und Jakov Rosenblum an.
Auf dem Forum wurden zahlreiche Fragen der Bewahrung des historischen Erbes sowie der Archiv- und Museumsarbeit erörtert. Eines der Ergebnisse war die Unterzeichnung eines Vertrages über die Zusammenarbeit zwischen dem Museum „Friedländer Tor“ und der Landsmannschaft Ostpreußen.
Am Sonntag, dem 17. Oktober weilten der 1. Vorsitzende Ulrich Depkat und der 2. Vorsitzende Hans Dzieran von der Stadtgemeinschaft Tilsit in Sovetsk. Zum Programm gehörten eine Arbeitsberatung, die Besichtigung des Stadtgeschichtlichen Museums und ein Besuch auf dem Waldfriedhof.
An der Arbeitsberatung nahmen Vertreter der Stadtverwaltung und Mitglieder der russischen Gesellschaft „TILSIT“ teil. Im Verlauf des Treffens zog man Bilanz über die bisherige Arbeit.
Der Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Viktor Istschenko informierte die Anwesenden über Ergebnisse bei der Erhaltung des historischen Erbes und über die Mitarbeit in grenzübergreifenden Projekten, die auf die Erhaltung von Kulturdenkmälern und die Entwicklung des internationalen Tourismus gerichtet sind.
Bei dem Treffen wurden gemeinsame Aufgaben für das kommende Jahr beraten und der Blick auf das nächste Deutsch-Russische Forum 2011 gerichtet.
Natatlja Schumovitsch  

 Gespräche mit der russischen Stadtverwaltung am 17. Oktober 2010. V.r. 1. Vorsitzender  Ulrich Depkat, Amtsleiter Igor Firsikov, 2. Vorsitzender Hans Dzieran, Stellvertreter des Oberbürgermeisters Viktor Istschenko, Pressesprecherin Natalja Schumovitsch.

Einwanderung ins Königsberger Gebiet

Seit drei Jahren wird Ausländern die Einwanderung ins Königsberger Gebiet angeboten. Mit Ausländern sind Russen gemeint, die in Staaten leben, die früher zur UdSSR gehörten. Man verspricht ihnen Arbeitsplätze und die Erstattung der Umzugskosten. In Tilsit sind nun erste Ergebnisse dieser Maßnahme zu verzeichnen. Seit dem Jahr 2007 haben sich 52 Familien mit insgesamt 152 Personen angesiedelt. Sie kamen  vorwiegend aus Kasachstan sowie aus Kirgisien und Tadschikistan.  Die weitere Einbürgerung geht allerdings recht schleppend voran. Es gibt Probleme bei der Beschaffung von Wohnraum, Arbeits- und Kindergartenplätzen. Von derzeit 277 vorliegenden Aufnahmeersuchen konnten nur 7 positiv entschieden werden. In diesen Fällen handelt es sich um Baufachleute und Ärzte.  
 28.09.2010 H. Dzieran

Diese Information erschien auch in "Preußische Allgemeine Zeitung" vom 25.09.2010
Siehe auch www.ostpreussen.de/Zeitung/

Neue Deponie

 Endlich können die genervten Bürger aufatmen  -  im wahrsten Sinne des Wortes. Die stinkende Müllkippe im Westteil der Stadt wird noch in diesem Jahr geschlossen. Abfall und Schadstoffe werden künftig weit außerhalb der Stadt auf einer modernen Deponie bei Pamletten entsorgt. Auf einer Fläche von 20 Hektar wird auch Müll aus den Nachbarkreisen angenommen. Durch Drainage und Dichtungsschichten soll gesichert werden, dass keine Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Für die Transportfahrzeuge stehen neue Zufahrtswege, Anlagen zur Desinfektion, Reifenwäsche und Strahlenkontrolle zur Verfügung. Wiegeeinrichtungen und Feuerlöschteiche vervollständigen die neue Einrichtung. Alle 15 Jahre wird ein Drittel der Halde geschlossen und rekultiviert.
 28.09.2010 H.Dzieran

Drohender Abriss der Actienbrauerei

 Unter gehörigen Protesten vollzieht sich der Abriß eines Teils der Actienbrauerei. Der stattliche Gebäudekomplex aus rotem Backstein prägte über ein Jahrhundert das Panorama am Memelufer zwischen Fiskalischem Hafen und Ragniterstraße. Er stellte ein markantes Zeugnis Tilsiter Industriearchitektur dar.

Die Russen nahmen die Brauerei sogar in ihr Verzeichnis denkmalgeschützter Bauwerke auf. Allerdings bedeutete das keine Rettung vor der Spitzhacke. Deutsche Ziegel stehen nun mal sehr hoch im Kurs bei den Häuslebauern und sind äußerst begehrt.  

Bürgerproteste und eine Strafanzeige der Stadtverwaltung zeigten bei der Eigentümerin der Immobilie wenig Wirkung. Sie habe die Baulichkeit 1998 ohne jede Auflage zur Denkmalspflege rechtmäßig erworben. Inzwischen seien Teile des baufälligen Mauerwerks ins Nachbargrundstück gestürzt. Deshalb seien die Abrissarbeiten reine Sicherheitsmaßnahmen, so die Eigentümerin.

Damit wird ein weiteres Bauwerk aus dem historischen Stadtbild verschwinden. Die Actienbrauerei entstand 1871 und erzeugte jährlich 25 000 Hektoliter Bier, vorwiegend nach Pilsener Art. Sie war bis zur Räumung der Stadt im Jahre 1944 in Betrieb.
28.09.2010  H.Dzieran

 

 

Sebastian Holzner Ausstellung in Tilsit

Spät aber hoffentlich nicht zu spät machen wir auf die Sebastian Holzner Ausstellung in Tilsit aufmerksam.

Am 28.08.2010 schickte mir Frau Shpilyova, die Direktorin des Tilsiter Historischen Stadtmuseum's, dieses Plakat mit der Ankündigung einer interessanten Ausstellung. Mit großer Sorgfalt und auch mit Unterstützung der Stadtgemeinschaft Tilsit e. V. wurde diese Ausstellung vorberetet.

Am 18.09.2010 konnte sie mir einen Bericht und Bilder über eine gelungene Eröffnung und Durchführung dieser Ausstellung übermitteln (Beim Klick auf die Bilder weden diese vergrößert)

 

 

Das langersehnte Wiedersehen mit Tilsit

 
Plastiken, Grafik, Malerei 

Pünktlich zum diesjährigen Stadtfest am 04. September 2010 konnte im Historischen Stadtmuseum die Ausstellung des Künstlers Sebastian Holzner eröffnet werden. Die nahezu 80 Werke umfassende und inhaltsreiche Ausstellung zeigt neben Malerei und Grafik auch zahlreiche Skulpturen, tlw. in Körpergröße. Sebastian Holzner wurde 1940 in Tilsit geboren und feierte erst vor kurzem seinen 70. Geburtstag. Zum ersten Mal besuchte er seine Geburtsstadt erst im vergangenen Jahr. In dieser Zeit erwuchs auch der Gedanke an die Ausstellung einige seiner Werke im Stadtmuseum.  

Im Rahmen der Vernissage-Eröffnung begrüßte Sebastian Holzner die zahlreich anwesenden Gäste zu deren Erstaunen mit einigen russischen Sätzen, für alles weitere stand eine Dolmetscherin zur Verfügung.

Sebastian Holzner vertritt zugleich die Stadtgemeinschaft Tilsit, die das umfangreiche Ausstellungsprojekt mitunterstützt hat. Vor diesem Hintergrund überreichte er der Direktorin des Museums, Frau Anzhelika Shpilyova, einige Exemplare der erst vor kurzem erschienenen Publikation „Es begann in Tilsit“ von H. Dzieran, in der das Leben und Schicksal der seinerzeit in Tilsit lebenden Juden am Beispiel der Familie Silberstein dokumentiert wird. 

Die Museumsleiterin, Frau Shpliyova, stellte den interessierten Gästen den Lebensweg des Sebastian Holzner vor, um schließlich zum Ausdruck zu bringen, „ ... dass er sich mit dieser komplexen und hochinteressanten Ausstellung einreiht in die Namen so bekannter und ebenfalls  in Tilsit geborener Kuenstler, wie z.B. Gotthold Gloger, Gerhard Spilgies und Armin Mueller Stahl!“

 

 

Touristischer Lehrpfad „Von Tilsit nach Tauroggen“

Ein Bericht von Hans Dzieran

In zunehmendem Maße entdecken die heutigen Bewohner die geschichtsträchtige Vergangenheit der Stadt. Mit Erstaunen hat man zur Kenntnis genommen, dass vor 200 Jahren ganz Europa auf die Region am Memelstrom blickte. Nun sollen mit der Einrichtung eines historischen Lehrpfades die damaligen Ereignisse den Tilsiter Einwohnern und Gästen sichtbar gemacht werden. Russische Vertreter aus Tilsit und Litauer aus Tauroggen arbeiten an einem gemeinsamen touristischen Projekt mit dem Arbeitstitel „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention von Tauroggen“. Beide Ereignisse -  so der Ansatz -  waren Meilensteine der europäischen Geschichte und Diplomatie. Die russische Seite will sich mit der Sanierung des historischen Tilsiter Stadtzentrums und der Wiederaufstellung des Königin-Luise-Denkmals im Park Jakobsruh in das Projekt einbringen. Das Modell wird derzeit in einer St. Petersburger Werkstatt originalgetreu im 3-D-Verfahren rekonstruiert.

Das Projekt trägt grenzübergreifenden Charakter. Von daher rechnet man mit einer finanziellen Unterstützung aus Brüssel. Der litauische Koordinator des EU-Vorhabens „Nachbarschaft“ Simas Einikis ließ wissen, dass bei Vorlage eines tragfähigen Konzepts die Kosten zu 90 % von der Europäischen Union getragen werden. Die restlichen 10 % müssen in die kommunalen Haushalte der Beteiligten eingestellt werden.

Weitaus schwieriger als die Finanzierung dürfte jedoch das Problem des ungehinderten Grenzübergangs für den zu erwartenden Touristenstrom sein. Die Wartezeiten bei der Zollabfertigung und die neuen Bestimmungen über den Aufenthalt in Grenzgebieten, zu denen auch Tilsit zählt, sind der Entwicklung des Touristenverkehrs eher abträglich.

24.06.2010 Neues von der Baustelle "Baltiskaja"

Reges Treiben hat auf der nur 20 km von Tilsit entfernten Baustelle des Atomkraftwerks „Baltiskaja“ eingesetzt. Das mit den Erschließungsarbeiten betraute Unternehmen „Nördliche Bauverwaltung“ hat in der Grabenstraße ein Einstellungsbüro eröffnet. Derzeit werden vorrangig Bagger-, Planierraupen- und Kipperfahrer rekrutiert. Ab Herbst benötigt man Betonierer und Eisenflechter. Der Arbeitskräftebedarf steigt im Verlauf der Bauarbeiten in den nächsten Jahren bis auf sechstausend Beschäftigte.
H.Dz.

Tilsit und das Kernkraftwerk "Baltiski"


Der Bau des in unmittelbarer Nachbarschaft entstehenden Kernkraftwerks „Baltiski“ stellt die Stadt in den nächsten Jahren vor enorme Herausforderungen.


Allein der Antransport riesiger Mengen von Baustoffen und Ausrüstungen für die Großbaustelle ist ohne den Ausbau von Verkehrswegen und Umschlagplätzen nicht realisierbar. Weder das Schienennetz noch die Flußschiffahrt genügen den hohen Anforderungen.
In einem Strategiepapier ist für die nächsten sechs Jahre  in Abstimmung mit dem Rosatom-Konzern die Entwicklung Tilsits zu einem leistungsstarken Transport- und Logistikzentrum vorgesehen. Schwerpunkte sind die Modernisierung des Güterbahnhofs, der Bau eines modernen Flusshafens und die Errichtung einer neuen Brücke über den Memelstrom. Auch für den Wohnungsbau ergibt sich eine  hoffnungsvolle Perspektive. Für die künftige Belegschaft des KKW wird keine neue Wohnsiedlung gebaut, sondern für  sie wird Wohnraum in Tilsit geschaffen. Damit ist gleichzeitig die Möglichkeit gegeben, die bereits vorhandenen
Kultureinrichtungen wie Theater und Museen sowie Sportstätten optimal zu nutzen.
                                                                                                                                    Hans Dzieran
                                              

Die Museumsnacht 2010 in Sovetsk/Tilsit

 

Die Museumsnacht 2010 war dem künstlerischen Schaffen des in Tilsit geborenen Armin Müller-Stahl gewidmet.

Sie begann mit der Vernissage einer Ausstellung, die 40 seiner Lithographien präsentiert. In Farbe und auch Schwarz-weiß bringt der Künstler Lebenssituationen und menschliche Gefühle zum Ausdruck, zeichnet Landschaften und Porträts. Zu sehen sind auch Illustrationen zum Film „Die Buddenbrooks“ nach dem Roman von Thomas Mann, in dem Müller-Stahl die Hauptrolle gespielt hat. Museumsdirektorin Angelika Spiljowa begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, unter denen sich auch die Kulturbürgermeisterin Anna Jankuskeit, das russische Fernsehen und Pressevertreter befanden. Die Vernissage wurde festlich umrahmt von den Klängen des Streichquartetts „Bernstein“. Noch bis zum 1. August wird die Ausstellung zu sehen sein. Ein Dokumentarfilm vermittelte weitere Einblicke in das künstlerische Wirken von Armin Müller-Stahl als Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Musiker und Maler  Das Publikum, das ihn bisher nur als Hollywood-Schauspieler kannte, war beeindruckt von der Vielseitigkeit des Universaltalents, dessen Wurzeln -  wie besonders hervorgehoben wurde – in der Stadt am Memelstrom liegen. Im weiteren Verlauf der Museumsnacht, die erst gegen 6 Uhr in der Frühe ihr Ende fand, erlebte man in einer Retrospektive Armin Müller-Stahl in zahlreichen seiner Filmrollen, unter anderem in „The 13th Floor“ und "Die Manns"
                                                                                                                                                                                                    H.Dz.
Mehr zu Armin Muller-Stahl und zur Vernissage: hier

UFA-Film "Die Reise nach Tilsit" wurde in Sovetsk aufgeführt

Vor genau 70 Jahren gelangte der Film "Die Reise nach Tilsit" zur Uraufführung. Für uns durchaus überraschend haben die heutigen Bewohner der Memelstadt an dieses Ereignis gedacht. Im voll besetzten Stadttheater wurde der UFA-Film nach der Novelle von Hermann Sudermann den  Zuschauern präsentiert. Ihr Interesse galt vor allem den vielen Passagen, die im Tilsit der Vorkriegszeit gedreht worden waren. Wenn auch in scharz-weiß konnte man doch das einzigartige Panorama der Stadt mit der Luisenbrücke und der Ordenskirche sowie das Flair der Vergangenheit erleben.     

Autor: Hans Dzieran

Sensationelle Entdeckung in der Tilsiter Dragonerkaserne

Die Tilsiter Dragonerkaserne machte unter den zahlreichen Kasernenbauten der Garnisonsstadt den imposantesten Eindruck. Der riesige Komplex aus Mannschaftsunterkünften und Stallungen entlang der Bahnhofstraße, gehalten in rotem Backstein, entstand in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. 1879 bezog das Dragonerregiment „Prinz Albrecht von Preußen" Nr.1 sein neues Domizil..

Die blauen Dragoner mit ihren schwarz-weißen Fähnlein an den Lanzen gehörten bis zum Ersten Weltkrieg zum Tilsiter Stadtbild. Das Regiment stammte noch aus der Zeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelms I. Es rekrutierte sich aus Freiwilligen des äußersten Nordostens von Preußen und genoss den Ruf, die besten Pferde und Reiter zu haben. In den dreißiger Jahren lag in der Kaserne bespannte Artillerie der 1. Ostpr. Infanteriedivision und nach 1945 ein sowjetisches MotSchützenregiment der 40. Garde-Panzerdivision bis zu dessen Auflösung. In einem der nun leerstehenden Kasernengebäude begann man vor kurzem mit der Renovierung. Was mit routinemäßigem Abwaschen der mehrfach getünchten Wände eines Saales begann wurde bald zur Überraschung. Unter den dicken Farb- und Kalkschichten kamen goldene Buchstaben und mannsgroße Reliefs zum Vorschein. Der historische Wert der Entdeckung war offensichtlich und erregte gebührendes Aufsehen. Stadtarchitekt Samargin, Vertreter des Verteidigungsministeriums als Eigentümer der Liegenschaft, Mitarbeiter des Stadtgeschichtlichen Museums und auch die Mitglieder der russischen Gesellschaft „TILSIT" waren sich rasch einig: Der kostbare Fund muss erhalten werden!

Das lässt aufhorchen. Noch vor einigen Jahren hätte man Hinterlassenschaften aus der deutschen Zeit kaum Beachtung geschenkt. Doch inzwischen bricht sich die verschüttete Vergangenheit Bahn im Denken der heutigen Bewohner. Trotz knapper Kassen kam durch Spenden örtlicher Unternehmer genügend Geld zusammen, um zwei Restauratorinnen der Firma „Nasledie" (Erbe) aus St. Petersburg nach Tilsit zu holen und ihnen entsprechende Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Unter den geschickten Händen von Tamara Mitina und Veronika Sauer sind bisher 36 Gedenktafeln mit heraldischen Verzierungen, Eisernen Kreuzen und Preußenadlern freigelegt. Goldene Buchstaben künden von den zahlreichen Schlachten und Gefechten, an denen das Dragonerregiment seit seiner Gründung im Jahre 1717 teilnahm. Die Restaurierung wird von dem bekannten Fotodokumentaristen Jakow Rosenblum mit der Kamera begleitet. Die Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. hilft mit Hintergrundinformationen zur Geschichte der Tilsiter Dragoner. Auch Presse und Fernsehen schenken der sensationellen Entdeckung gebührende Aufmerksamkeit. Besonderes Interesse findet bei den Russen natürlich die Tatsache, dass das Dragonerregiment im Jahre 1807 Seite an Seite mit den russischen Waffenbrüdern in den Schlachten von Pr.Eylau und Heilsberg gegen die Franzosen kämpfte und dass es 1813-1815 gemeinsam mit den Russen bis Paris zog, um Europa von der napoleonischen Herrschaft zu befreien.

Margarita Kaplunowa vom Tilsiter Stadtgeschichtlichen Museum hat eine Vision: Schon bald soll mit dem restaurierten Interieur eine museale „Ruhmeshalle" entstehen, die von der Geschichte der Tilsiter Dragoner erzählt und zur Attraktion für Bewohner und Gäste der Stadt wird.

Hans Dzieran

Foto: Jakow Rosenblum
Foto: Jakow Rosenblum
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