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Freitag, 24. März 2017

Industrie und Handwerk

 

 

Weltbekannt - Tilsiter Käse

In den Kaufhallen in Deutschland, in der Schweiz, in Dänemark und in vielen Ländern dieser Welt findet man das Angebot "Tilsiter Käse" Auf den Werbeschriften der Käsehersteller in vielen Ländern findet man das Angebot "Tilsiter Käse".

Nur auf unserer Seite nicht!        Das soll sich ändern!

Wie bei berühmten Erfindungen Ereignissen oder Produkten, ranken sich auch um den Tilsiter Käse realistische, mytische und im Laufe der Zeit verklärte Darstellungen.
Wir wollen nicht Klarheit schaffen, sondern diese Vielfalt der Betrachtungen zeigen.

Wir nehmen dazu Beiträge aus den Tilsiter Rundbriefen, setzen aber voraus, dass die Autoren Änderungen, die für die Einordnung in unser Thema sinnvoll sind, zustimmen.

Gesichert sind diese Daten:
1840
entsteht die erste Käserei in Tilsit in der Deutschen Straße
1845 In der Käserei in Milchbude (nahe Tilsit) erfindet Frau Westphal den Tilsiter Käse.
1928 In Saußeningken (Milchhof) entsteht eine Lehranstalt für „Tilsiter Käse"

 

Tilsiter Käse aus Tilsit in der Schweiz.

In der Schweiz wurde der Tilsiter Käse schon lange hergestellt.
Am 1. August 2007 erhielt ein Ort in der Schweiz den dazu passenden Namen -  Tilsit. In der Schweiz gibt es nun auch ein Tilsit und darum auch Tilsiter Käse, der aus Tilsit kommt
             Auf dem Bild:
             Otto Wartmann und Ehefrau, flankiert von
             Wilhelm von Gottberg und Horst Mertineit,
             haben Tilsit fest im Griff

Siehe auch: "Endlich kommt der Tilsiter wieder aus Tilsit"

Tilsiter Käse in Rußland

In der Stadt Sovetsk/Tilsit im Oblast Kaliningrad/Königsberg (Nordostpreußen) wird zum 165. Jubiläum der Erfindung des Tilsiter Käse eine Ausstellung veranstaltet.

So wurde der Käse erfunden und von anderen übernommen

1845 in der Käserei in Milchbude.

Frau Westphal wollte einen „echten Gouda" herstellen, doch der Keller ihres Hauses war dazu etwas zu feucht.
Es entstand ein neuer, geschmeidiger und pikanter Käse, der schon bald als „Tilsiter" Weltgeltung erlangte.
1897 gingen die Schweizer dazu über, ihren eigenen Tilsiter zu produzieren, und 1901 folgten ihnen die Allgäuer Käsereien.
Doch bereits wenige Jahre nachdem der Tilsiter in der Molkerei Milchbude das Licht der Welt erblickt hatte, erhielt Frau Westphal Besuch von der dänischen Bäuerin Hanne Nielson. Ihr gehörte der Havarti-Hof auf der Insel Seeland. Diese „Käsespionin" unternahm lange Auslandsreisen - sogar nach dem fernen Tilsit -, nur um die Produktionsverfahren berühmter Käsesorten an Ort und Stelle zu studieren. Auf ihren Havarti-Hof zurückgekehrt, stellte Hanne Nielson fortan einen „dänischen Tilsiter" her, der inzwischen unter dem Namen „Havarti" zu einem Begriff geworden ist.   

 Quelle: 21. Tilsiter Rundbrief    Erica Loens

 

Die Sage vom Tilsiter Käse

Lange bevor der Deutsche Ritterorden nach Ostpreußen gezogen kam, wohnte auf einer Anhöhe bei Tilsit ein Riese mit einer Tochter. Auf den weiten grünen Wiesen beiderseits der Memel weideten seine Kühe, und diese gediehen von dem saftigen Gras der Memelniederung prächtig. Die Milch der Kühe war so fetthaltig, daß sie herrlich süßen Rahm und leckere goldgelbe Butter im Überfluß ergab. Da nun des Riesen Tochter all die viele gute Milch und Butter nicht mehr verbacken und verkochen konnte, hatte sie nach langem Probieren einen Käse erfunden, der so gelb war wie Gold und so weich wie Butter. Dazu von einer so pikanten Würze und so gutem Geschmack, wie man seinesgleichen nicht kannte. Den Menschen gab die Riesentochter wohl von dem Käse zu kosten, verriet ihnen aber das Geheimnis der Zubereitung nicht. Soviel die Bauern sich auch mühten und probierten, sie kamen nicht hinter das Rätsel der Zubereitung. Was Wunder also, daß sie neidisch wurden und das Riesenfräulein hämisch „Milchprinzessin" nannten. Wenngleich die Riesentochter darüber zunächst lachte, grollte sie doch und beschloß, den Menschlein einen tüchtigen Denkzettel zu erteilen. So lud sie diese zu sich auf die Burg zu Gaste, setzte ihnen einen mächtigen Käse vor und ermunterte sie, nur kräftig hineinzubeißen. Das ließen sich die Bauern nicht zweimal sagen. Sogleich aber brachen sie in lautes Jammern aus, der Käse war aus hartem Stein, und sie hatten sich daran die Lippen und Zähne blutig geschlagen. Das Riesenfräulein mußte darüber herzlich lachen. Sie drehte sich mit einem Schwung im Kreise und fegte dabei mit ihren langen Armen die Bauernschar in den tiefen Burggraben. Da zappelten die Menschen herum, versuchten sich vergebens an den glatten Felswänden hochzuziehen und versprachen dem Riesenfräulein hoch und heilig, es nie wieder zu verspotten. Das rührte das Herz der Riesentochter. Ihr Groll war verflogen, mit ihrer großen Hand schöpfte sie die genügsam Gestraften wieder ans Trockene und bewirtete sie nun mit echtem, gutem Käse und großen Kannen mit kräftigem Honigbier. Schnell waren aller Schmerz und alle Angst vergessen. Immer näher und zutraulicher rückten die Bauern auf den Holzbänken an das versöhnte Riesenfräulein heran, plauderten mit ihm und erzählten von ihrem harten Werken und Mühen um das tägliche Brot. Als dann Teller und Kannen leer waren, führte die Riesentochter ihre Gäste ins Milchhaus und zeigte ihnen, wie der köstliche Käse zubereitet wird. Die Tilsiter Niederungsbauern waren gelehrige Schüler. Der Käse, den sie fortan daheim in ihren Dörfern herstellten, war genauso goldgelb und butterweich, genau so würzig und wohlschmeckend, wie der Käse des Riesenfräuleins. Von Generation zu Generation vererbte sich das Rezept, und gar bald war der „Tilsiter Käse" bekannt im ganzen Land und gern gegessen bis auf den heutigen Tag.

Quelle :18. Tilsiter Rundbrief,  Herta Jurgeit geb. Egliens
Aus: Memeler Dampfboot Nr. 12/1987

 

In einer ostpreußischen Molkerei wird Tilsiter Käse für die Lagerung vorbereitet

So wurde der Tilsiter Käse hergestellt.
 

 Die Bekanntheit unserer ostpreußischen Heimatstadt Tilsit in aller Welt bleibt dank unseres „Tilsiters", des geschätzten Käses, auch international weiter erhalten, könnte man sagen, obwohl das Renomee dieses Markenzeichens mit dazu verwendet wird, um in Österreich, in der Schweiz oder sonstwo hergestellten Käse besser verkaufen zu können. Wenn man den Namen unserer Heimatstadt in diesem Zusammenhang auch ungerechtfertigt verwendet, so ist es doch gut, daß hier ein Teil des hohen Ansehens dieser Stadt für die Zukunft erhalten bleiben wird.

Ich habe es miterlebt, wie er hergestellt wird, der „Tilsiter", und zwar wirklich nahe bei Tilsit, im Kreis Tilsit-Ragnit, in der Käserei meiner Großeltern Robert und Ida Werner in Klapaten.

Ich erlebte die Arbeit in der Käserei in den Jahren 1930 bis 1943 während der Ferien. Ich beobachtete die Arbeit der Gesellen und meines Onkels, der den Betrieb nach der Meisterprüfung weiterführte. Die Rohmilch wurde aus den schweren Kannen zunächst durch Siebe gegossen und landete in 2 großen kupferfarbenen Standkesseln der Käserei. Die verzinkten Metallkannen wurden nach dem Leeren und Ausspülen mit heißem Wasser den Bauern wieder auf den Wagen gestellt.

Um 8 Uhr waren die Kessel bereits randvoll. Damit die Milch dann schnell zu Dickmilch gerann, erhielt sie einen Meßbecher voll Lab-Pulver, welches aus Kälbermagen hergestellt wurde. Gleichzeitig wurde die Milch auf 37° erwärmt. Nach einer halben Stunde war sie bereits ganz steif. Dieser weiche Kuchen aus aufschwimmender, dicker Milch mußte nun mit geübter Hand, mit Hilfe eines Metallschwertes längs und quer, behutsam in senkrechte Säulen von ca. 10/10 cm Querschnitt vorgeschnitten und sodann mit einer Drahtharfe wiederum zerkleinert werden. So schwammen die weißen Säulen bald allein. Die Molke trat dazwischen, die Säulen schwammen auf und wurden erneut zerkleinert bis etwa auf Fingernagelgröße. So konnten die weißen Flocken immer härter werden. Zur Unterstützung rührte ein Gehilfe, oft auf dem Kesselrand sitzend, die Masse mit einem großen Quirl (mit einem Drahtkorb am Mittelstiel versehen) eine ziemlich lange Zeit. Der Gehilfe trug eine frischgewaschene weiße Käsertracht mit Mütze. Wenn die Flocken eine gewisse „mürbe Härte" erlangt hatten, begutachtete der Käsemeister das Zwischenprodukt mit den Fingerkuppen und entnahm eine Schmeckprobe. Um nun hieraus die Käseleiber formen zu können, wurden aufs Kesselgestell verzinkte Töpfe mit vielen Ablauf-Löchern rundum gestellt. Wenn nun der Gehilfe mit einer Siebkelle die Töpfe bis zum Rand füllte, konnte die Molke rundum abfließen, und der Kuchen sackte zusammen. Für den Rest nahm er ein großes Tuch mit durchlässigem Gewebe, wickelte einen Rand in eine etwas längere biegsame Schiene und zog das Tuch durch den Kessel, so daß er alle Flocken aufnehmen konnte. Reste wurden mit der Siebkelle herausgeholt. In den Formtöpfen hatte die Käsemasse zunächst eine obere Wölbung, aber beim Auskippen auf ein Einzeltuch klebte schon der Kuchen im Freien zusammen. Des Tuches 4 Enden wurden über dem Kuchen zusammengehalten, und der Käse ließ sich in die Form umgekehrt zurückstecken. Das wiederholte der Käser einige Male, bis der Käse sich soweit gefestigt hatte, daß er ohne Form auskam und sich mit etwa 10 Pfund Gewicht erstmals in seiner Schönheit präsentierte.

Es fehlte aber noch die Würze, und die mußte mit viel Geduld hineingezaubert werden. Dieses geschah so:

Die Leiber kamen in große mit Salzlake gefüllte steinerne Tröge, wo sie schwammen und zusätzlich von oben reichlich gesalzen, dann gedreht und wieder gesalzen wurden. Dabei verlor der Käse den Rest seiner Molke an die gierige Salzlake und durfte sich dann auf den Borden bei den Becken nach ein paar Tagen vom Bad ausruhen. Danach erhielten die Käseleiber einen Ruheplatz in dunklen Kellerräumen zu viert auf einem präparierten Brett in Regalen, die bis zur Decke reichten. Der Käse wurde — solange er im Keller lagerte — mehrere Male „gestreichelt", was er bald mit einer Duftspur dankbar erwiderte. Nach 4 Wochen hatte er eine gewisse Reife. Mancher Käse, vor allem der Vollfettkäse mit 45 %, kann bis zu einem Jahr lagern. Das ist der „Würzigste", der auf der Zunge zergeht.

Nach der Fertigstellung wurde der Käse in Metallikfolie verpackt, mit 35 cm 0 großen Etiketten versehen, zum Bahnhof Klapaten gerollt und von hier aus ins Reich verschickt. So hat die ostpreußische Milchwirtschaft mit dem Entstehen der Molkereien vor allem in unseren Heimatkreisen Tilsit-Ragnit und Elchniederung zu mehr Wohlstand verholten und einen wichtigen Berufsstand mit tüchtigen Fachleuten geschaffen.

Ein Glück, daß der Name „Tilsit" mit diesem Molkereiprodukt weiterlebt,  wenngleich der Tilsiter Käse nicht mehr von den Memelwiesen stammt. Wenn ich heute in den Regalen der einschlägigen Geschäfte den „Tilsiter" entdecke, denke ich oft an zu Hause und an die Dampfmolkerei Klapaten.

Quelle: 16. Tilsiter Rundbrief   Kurt Dietrich

Tilsiter Holzhandel und Flößerei auf der Memel

Wer sich mit der Industriegeschichte der Stadt Tilsit beschäftigt, kommt am Holz nicht vorbei.
Holztransport, Holzhandel und Holzverarbeitung prägten das Bild und das Wirtschaftsleben Tilsits.
Der Holzhandel und die Holzflößerei auf dem Memelstrom sind heute vielen Menschen eine unbekannte Welt, die schon der Geschichte angehört.
Heinz Kebesch gibt uns in seinem Beitrag "Tilsiter Holzhandel und Flößerei auf der Memel" einen Einblick in die Geschichte der Holzverarbeitung in Ostpreußen und besonders in Tilsit.
Lesen Sie den Beitrag hier

Die Zellstoffabrik

Als in den siebziger und achtziger Jahren des 19.Jahrhunderts die Industrie in Deutschland sich mächtig entwickelte, dehnten sich auch die Unternehmungen in Tilsit aus.
Die Zellstoffabrik war der größte Betrieb in Tilsit und mit der bis zu 1200 Mann zählenden Belegschaft auch der größte Arbeitgeber. Die in dem Eigenbericht der Zellstoffabrik Waldhof dargestellte Entwicklung der Fabrik steht auch für das wechselvolle Auf und Ab der wirschaftlichen Tätigkeit in Tilsit und zeugt von der schöpferischen Initiative Ihrer Bewohner. 
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