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Freitag, 15. Dezember 2017

Erlebnis- und Reiseberichte (Kopie 1)


 

Fahrt zum Stadtfest nach Tilsit 2017

Vom 30.8. bis zum 5.9. 2017 fand eine Reise mit 35 Teilnehmern nach Ostpreußen statt. Hauptreiseziele waren auf der Hinfahrt die Marienburg und im nördlichen Ostpreußen die Elchniederung, die Rominter Heide und die Teilnahme am Stadtfest in Tilsit. Ein weiterer Höhepunkt des Programms war der Besuch des Museums in Tilsit.

zum Reisebericht

Die Teilnehmer der Reise vor dem Königin-Luise-Denkmal

   

Dokumentation über die Trakehner

Der in Tilsit geborene Autor Hans-Joachim Zimmermann präsentierte sein Buch „Hommage an das ostpreußische Warmblutpferd Trakehner-Abstammung“ und überreichte es der Stadtgemeinschaft Tilsit zur bleibenden Erinnerung. Sein Dokumentarwerk enthält Berichte namhafter Hippologen und einzigartiger Zeitzeugen über die Entwicklung der Trakehnerzucht und über die Tragödie der Trakehner Pferde während der Flucht 1944/45. Mit dem Buch soll nicht in Vergessenheit geraten, dass nicht nur die Ostpreußen, sondern auch ihre Pferde die Heimat verloren haben. Der Autor hat ergänzend die Flucht seiner Eltern mit ihren Trakehnern beschrieben und die pro Tag zurückgelegten Kilometer präzise dokumentiert. Das Buch ist in einer limitierten Auflage erschienen und kann beim Herausgeber Hans-Joachim Zimmermann, Tel. 05362-3057 bezogen werden.

     

Reise Insterburg/Tilsit 2014 (Greif-Reisen)

                     Smiley    Ein Reisebericht - einmal etwas anders    Smiley

Die Heimat war unser Ziel,
nach Tilsit sollte es schon früher gehen.
Doch dieses dann ins Wasser fiel,
kamen uns die Insterburger entgegen.

       In Berlin stiegen ein, im Bus die Letzten,
       mit Vers und Lied ging's weiter.
       Posen sollte sein das Nächste,
       wir freuten uns und waren heiter.

Weiter ging es am nächsten Morgen,
Königsberg war angesagt,
Hier glaubte man alte Rentner zu versorgen,
denn Bier wurde uns versagt.

         Zwei volle Tage wir nutzten
         um unsre alte Hauptstadt zu erkunden.
         Mit Bus und auch zu Fuß,
         doch vieles blieb verschwunden.

Dann ging's über Pillau nach Palmnicken,
wo man den vielen Bernstein fand.
In Rauschen durften wir uns dann erquicken,
hier war einmal der schönste Strand.

         Die Nehrung wartete am nächsten Tag,
         dort wo die Kuren einst lebten.
         Der Vogelpark von Thienemann dort lag,
         er Vögel fing und diese registrierte. 

Nach Pillkoppen ging es aufgeheitert,
in Sarkau wurde halt gemacht,
Dort war ein Picknick vorbereitet,
für uns, der Magen hat gelacht!

         In Insterburg jetzt angekommen,
         Gasthof „Bären“ heißt das Hotel.
         Die Teilung wurde vorgenommen,
         nach Tilsit ging es dann weiter schnell.

Zu zwölft in einem kleinen Bus,
auf holprigen Straßen wurden wir geleitet.
Niemand hat's zuvor gewusst,
„Luise“, sie hat uns begleitet!

         In Tilsit hatten wir fünf volle Tage,
         das Wetter war für uns gemacht.
         Nur Sonnenschein des Himmels Gabe,
         Jugenderinnerungen wurden dabei wach.

An jedem Morgen wir uns freuten
jeder nach sein Verlangen.
Wollten vieles sehen was wir kannten,
am Abend war'n wir wieder all zusammen.

         Ein Höhepunkt fiel zu unsrer Zeit,
         es war 2014, im Juli, den 6-ten.
         In Jakobsruh das Luisen-Denkmal wurde eingeweiht,
         vor zahlreichen deutschen und russischen Gästen.

Tilsit 7-ter Tag, die Rückfahrt war angesagt.
Früh geweckt, davon gerade nicht entzückt. 
Über Insterburg nach Posen ging die Fahrt.
Den Kopf voller Eindrücke ließen wir zurück.

         In Posen wurden wir schon erwartet,
         das Essen stand zum Verzehr bereit.
         Am Abend das Halfinale der WM startet,
         Brasilien hat danach geweint.

Die Reise kündigt nun sein Ende an.
In Braunschweig ist dieses dann geschehen.
Ein jeder jetzt, weiter fährt nach seinem Plan.
Wer weiß ob wir uns jemals Wiedersehen?

         Am Ende soll Erwähnung finden folgendes
         Die Buslaps fleißig um all bemüht.
         Eddie, den Bus gesteuert fehlerlos,
         Lob und Dank hierfür sei Ihnen gebührt.     

                  Jetzt zu Hause, einige Zeit ist mir geblieben.
                  Lasse Revue passieren und denke eben.
                  Hätte der Krieg, durch Flucht uns nicht vertrieben.
                  Was würde ich tun, wie würde ich heute „Leben“?

       G. H. / T.   (Mitreisender)

Einmal meinen Geburtsort und die Heimat meiner Vorfahren kennen lernen.

Elch Gustav
Kleiner Laden in der Hohen Straße
Kreuzkirche, der graue Teil war der Turm
Kreuzkirche innen, heute Schlosserei
Kreuzkirche Blick zum Altarbereich
Hohe Straße
Altstädtische Schule
Geburtsklinik in der Rosenstraße

die Wurzeln
Seit einigen Jahren hatte ich den Wunsch einmal meinen Geburtsort und die Heimat meiner Vorfahren kennen zu lernen. Die angebotenen Reisen nach Tilsit und Nordostpreußen starteten leider alle immer im nördlichen Deutschland, was verständlich ist, da die meisten Ostpreußen nach ihrer Flucht im Norden ankamen.
Die Eltern sprachen immer von weiten fruchtbaren Feldern, großen Wäldern in denen noch Elche lebten, von der Kurischen Nehrung, den Elchniederungen von Bernstein und herrlichen alten Alleen.
Nein zu Hause waren sie eigentlich nie ganz da wo sie seit einigen Jahrzehnten, nach der Flucht (Herbst 1944) aus Ostpreußen - Tilsit, lebten. Zu der Zeit war ich 14 Monate alt, meine Schwester 4 1/2 Jahre. Meine Vorstellungen von Ostpreußen habe ich also aus den elterlichen Erzählungen und die Texte des Ostpreußenliedes rundeten das Bild ab.

die Reise
2014 ergab sich die Möglichkeit ab Nürnberg, über Berlin nach Königsberg zu fliegen und von dort per Bus Tilsit und Nordostpreußen, heute Russland, zu bereisen.
So ließ ich mich auf eine Reise zu meinen ostpreußischen Wurzeln ein Besonders freute ich mich, dass mein Sohn Alexander, als er von meinem Vorhaben erfuhr, spontan sagte - da fahre ich mit !!
Königsberg, Tilsit, Insterburg, Georgenburg, Gumbinnen, Ragnit, Elchniederungen - Heinrichswalde, Kreuzingen, Groß Friedrichsdorf, Gerhardsweide, Karkeln, Rauschen, Cranz, Palmnicken, Pillau. Alles Orte die auf der Reiseroute liegen und mir nur namentlich aus den Erzählungen der Eltern bekannt sind.

Tilsit
Am 19.05.2014 war es dann soweit. Bei schönem Wetter und guter Laune flogen wir, mein Sohn Alexander und ich, um 10:40 Uhr von Nürnberg nach Berlin -Tegel.
Hier trafen wir den Rest der Reisegruppe, die aus allen Richtungen nach Berlin kamen, sowie Herrn Dieter Wenskat unseren Reiseleiter.
Von Berlin starteten wir um13:30 mit 25 Minuten Verspätung nach Königsberg dem heutigen Kaliningrad. Der Flug dauerte ca. eine Stunde.
Nach überraschend kurzer Pass- und Zollkontrolle und Umstellung der Uhren, die 1 Stunde vorgestellt werden mussten, trafen wir in der Flughalle unsere russische Dolmetscherin Larissa... die uns die nächsten Tage durch alle sprachlichen Hindernisse geführt hat.
Um 15:20 Uhr also 16:20 Uhr Ortszeit war das Gepäck in dem bereit stehenden Bus und die Fahrt Richtung Tilsit begann. Die ersten unbekannten Landschaftsbilder zogen an uns vorbei, weites unbebautes und unbearbeitetes Land bis zum Horizont mit einigen Waldflächen durchsetzt.
Ein nicht beschreibbares Gefühl, als die ersten Häuser meiner Heimatstadt Tilsit auftauchten. Wir kamen über die ehemalige Königsberger Str in die Stadt, vorbei an der Ruine der Kreuzkirche in der meine Eltern geheiratet haben. Der Bus fuhr wegen einiger Baustellen in die Deutsche Straße Richtung Luise Brücke, vorbei an Vaters ehemaligem Bürohaus der Fa. Bruder Ecke Packhofstraße - heute ein Anglerbedarfs-Geschäft und ein Laden für Autoersatzteile ( Mazda, Mitsubishi usw.)
Ein kurzer Blick auf die Königin Luise Brücke und weiter zum Hohen Tor. Hier wartete das Hotel Rossija auf unser Eintreffen. Um 19°° Uhr hatten wir unsere Zimmer bezogen (Nr.416). Mein Blick ging in die sonnendurchflutete Hohe Straße, heute eine Fußgängerzone mit schön renovierten Häusern. Links steht der Elch "Gustav" leider durch einen Strommast etwas verdeckt. Alexanders Zimmeraussicht ging leider nach hinten auf den Parkplatz des Hotels.
Nach dem Abendessen (Königsberger Klopse) um 19:30 Uhr konnte ich endlich die Straßen betreten auf denen auch meine Eltern bis hin zu den Ururgroßeltern gegangen sind. Ich selber war damals wohl noch im Kinderwagen. Der erste Weg ging zum Elch "Gustav", dann über den "Anger" zum Grenzlandtheater. Hier rechts in die Kasernenstraße - im Haus Nr. 15 heute ein großer Parkplatz wohnten meine Ururgroßeltern August und Elisabeth Mirwaldt - und zurück in die Hohe Straße, dieser folgten wir bis zur Ecke Wasserstraße. In einem kleinen Laden kauften wir etwas Mineralwasser. Der Weg führte uns zurück am Hotel links vorbei zur Kreuzkirche und der ,Frankschen Villa, dem ehemaligen Pfarrhaus. In dem hier stehenden Supermarkt bekommt man alles was das Herz begehrt. Ein riesiges Sortiment an Lebensmittel, Getränken und Dingen des täglichen Bedarfs. Zum Tagesabschluss kehrten wir in einen kleinen Biergarten in der Nähe des Hotels ein. Hier trafen wir unseren Reiseleiter und eine kleine Gruppe der Reisegesellschaft - es wurde ein schöner Abend !

Ein Tag in Tilsit 20.05.2014
Nach einem erholsamen Schlaf, das Bett war prima, der Kühlschrank etwas laut, trafen wir uns alle im Frühstücksraum wieder. Ein gemütlicher schöner Raum mit einer Frühstückstafel. Hier konnte man sich nach seinen Wünschen etwas zusammenstellen.
Für heute haben wir uns bei der Reisgruppe abgemeldet. Der Tag gehört Tilsit Wir wollten unbedingt das Wohnhaus der Eltern in der Ragniter Str. 108 sowie die ehemalige Geburtsklinik in der Rosenstraße 6 ansehen. Die Kreuzkirche und das Bürohaus standen ebenfalls auf dem Plan.
Alexander schläft gerne etwas länger. So hatte ich nach dem Frühstück die Gelegenheit alleine die Kreuzkirche zu besuchen. In dem großen Eingangsportal stand ein russischer LKW mit Eisenteilen, das Tor war offen und ich konnte einen Blick in das Innere werfen. Eine riesige Schlosserei, 5 junge Männer schweißten etwas zusammen. Ohne russische Sprachkenntnisse benötigt man hier viele alte Fotos. Ich hatte welche von der Hochzeit meine Eltern dabei. Nach Vorzeigen dieser Bilder und etwas reden "mit Händen und Füßen wie wir sagen" durfte ich mich in der ehem. Kirche frei bewegen und fotografieren. Ich kann nur sagen: Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen !! Voreingenommen war diese Jugend nicht.
Mit Alexander der jetzt auch mit dem Frühstück fertig war begann bei herrlichem Wetter unser Rundgang in die Hohe Straße bis zur Luise Brücke. Ein Abstecher in die Deutsche Straße zum Bürohaus Bruder. Im Anglerbedarf-Geschäft konnten wir uns wieder mit alten Fotos verständlich machen und durften auch hier fotografieren. Der Kfz-Laden war leider geschlossen. Das Treppenhaus für das Obergeschoss konnte betreten werden. Hier sind einige Briefkästen angebracht, es könnten also einige Wohnungen vorhanden sein.
Unser Weg führt zur Memel, an einem alten Lagerhaus vorbei zum Anker an dem junge Ehepaare ihre Schlösser gehängt haben, zur Luise Brücke. Dann über den Fletcherplatz am Grenzübergang nach Litauen vorbei in Richtung Schloßmühlenteich. Links wird die ehemalige Brauerei Geiger sichtbar und wir betreten die Ragniter Straße. Das Haus Ragniter Straße 108, heute Uliza Timiryazeva Nr. 5 kommt links nach einigen 100 Metern in Sicht. Die Eingänge vorne und seitlich waren verschlossen. Das Tor zum Garten stand offen und so erlaubten wir uns einige Fotos im ehemaligen Garten der Eltern. Der hintere Garteneingang sah einladen aus und so wurde hier geklingelt. Eine junge Frau öffnete und auch hier wieder die bereits genannten Fotos usw., wir durften ins Haus, in dem jetzt nur Büroräume sind. Einige junge Frauen arbeiten hier an PCs.
Der alte schöne Wintergarten steht leider nicht mehr, der Blick zur Memel wurde durch ein quer stehendes Gebäude verbaut. Die ehemalige Hefefabrik der Fa. Bruder neben dem Wohnhaus war nicht zugänglich
Unser Rundgang geht zurück zum Schloßmühlenteich und danach links in die Fabrikstraße, dann die erste rechts und gleich wieder links in die Rosenstraße zu der ehemaligen Frauenklinik.
Rechts taucht die Herzog Albrecht Schule auf, in die Vater von 1923 an zur Schule ging. Über den Schulhof, die alten Bäume muss Vater auch schon gesehen haben, zurück zur Rosenstraße.
Die ehemalige Geburtsklinik Rosenstraße 6 ist heute wieder eine Frauenklinik und steht gleich neben der Herzog Albrecht Schule Mit unseren Fotos kamen wir auch hier in das Gebäude, ein Arzt mit englisch Kenntnissen führte uns, nachdem wir sterile Kleidung angelegt hatten, durch die Frauenklinik. Vor dem Gebäude kam dann noch ein deutsch sprechender Arzt hinzu und fragte ob alles geklappt hätte und ob er noch etwas für uns tun könnte. Ich glaube er hat sich richtig gefreut dass jemand nach gut 70 Jahren seine Geburtsklinik wieder sehen wollte.
Unser Rundgang ging weiter in die Fabrikstraße, an der ehemaligen Altstädtischen Volksschule vorbei - Vater besuchte diese von 1919 bis 1923. Links die neue kath. Kirche war leider verschlossen. Wir gingen in die Kohlstraße am ehem. Krankenhaus, in dem mein Großvater am 06.01.1932 verstarb, vorbei in die Gartenstraße. Hier lebten meine Urgroßeltern Karl Ludwig und Emilie Mirwaldt im Haus Nr. 10 (heute ein freier Platz mit Müllcontainern) sowie meine Großeltern Ernst P.Th. und Karoline Mirwaldt im Haus Nr. 32 ( heute ein neueres Gebäude Ecke Langgasse).
Über die Langgasse sind wir wieder auf die Hohe Straße gestoßen und haben am Hohen Tor - Hotel Rossija - unsere zweite Runde durch Tilsit beendet
Wir kauften am Kiosk an der Kreuzkirche einige gefüllte, sehr leckere Teigtaschen, tranken im Biergarten etwas und gingen zum Schloßmühlenteich. Auf einer Bank mit Blick auf die Brücke verspeisten wir die Teigtaschen. Zurück im Hotel waren wir um ca. 14°° Uhr.
Nach 1/2 Stunde Pause begann unser Rundgang über die Bahnhofstraße, an der Kaserne vorbei zum Tilsiter Bahnhof. Von hier mussten wir im Herbst 1944 mit dem Zug Richtung Königsberg dann Richtung Berlin Tilsit verlassen. Hier haben wir Fotos gemacht, wurden aber von einigen russischen Soldaten aufgefordert dies sein zu lassen - vermutlich ist es ein militärisches Gebiet ? Weiter am alten Wasserturm vorbei Richtung Stolbecker Straße, über den Bahnübergang mit Blick auf die Eisenbahnbrücke über die Memel. Richtung Stolbeck steht links nach dem Bahnübergang noch das Gebäude der ehem. Handelsschule für Mädchen. Meine Tante (Ilse Mirwaldt ) hat diese besucht. Zurück am Turm der ehem. reformierten Kirche vorbei zum Grenzlandtheater, und über den Anger auf dem heute ein Kriegerdenkmal mit Panzer steht ging dieser Rundgang am Hotel zu Ende.
Alexander wollte noch einmal zu dem Supermarkt um für den nächsten Tag Mückenspray zu besorgen. Die Kreuzkirche war noch offen und so konnte Alexander ebenfalls das Innere ansehen und fotografieren.
Nach dem uns unser Reiseleiter Dieter den Tipp gegeben hatte uns für Trinkgelder mit 1 Dollarscheinen von zu Hause einzudecken konnten wir uns bei den jungen Handwerkern in der Kreuzkirche entsprechend bedanken. Die Freude über Dollarscheine war ihnen anzusehen.
Den Tag haben wir mit der Reisegruppe in einem Lokal am Schloßmühlenteich ausklingen lassen.

Zusammenfassung:
Tilsit hat schöne Lokale, es lohnt sich hier einzukehren
Es gibt mehrere Supermärkte, man staunt über das Sortiment
Die Straßen und Plätze sind gepflegt und mit Blumenbeeten umgeben.
Straßenkehrer halten die Umgebung des Hotels und der Hauptstraßen peinlichst sauber, kein Papier oder keine Zigarettenreste zu finden.
Es gibt auch Kioske mit leckeren Dingen für den kleinen Hunger und Durst.
Alle Menschen die wir kennen lernen durften waren freundlich und entgegenkommend.
Unsere Voreingenommenheit und ggf. auch Ängste vor dem Unbekannten sollten wir ablegen.
Leider war das Heimatmuseum immer geschlossen, auch zu den angegebenen Öffnungszeiten. Laut Auskunft einer Mitreisenden soll es hier noch alte Kirchenbücher geben die ggf. bei der Ahnenforschung behilflich sein könnten.
Mit etwas Traurigkeit sah ich alte Häuser und zweckentfremdete Kirchen die dem Zerfall ausgesetzt waren. Zum Teil wurden hier, mit Brecheisen Steine entfernt, sauber geklopft und zur Wiederverwendung aufgestapelt.
Leider sind die Straßen und Fußwegen in einem sehr schlechten Zustand, für gehbehinderte ein Problem
Vielleicht sitzt doch etwas in uns, dass uns unseren Geburtsort nicht vergessen lässt. Obwohl ich in Franken / Bayern groß geworden bin tat es etwas weh, Tilsit wieder zu verlassen.
Der Geburtsort ist also auch Heimat, ich bin wohl endlich zu Hause gewesen.
Wir haben bei dieser Nordostpreußenreise sehr viel sehen und verstehen können. Unser Reiseleiter, Dieter Wenskat, führte uns auch in Ortschaften und Landstriche die sonst nicht unbedingt für alltägliche Touristen Touren gedacht sind. Hierfür herzlichen Dank !!

Text und Fotos:  Mirwaldt

 

Eine Reise zurück in die Kindheit

Zum 80igsten Geburtstag ihrer Mutter Elfriede Schumacher geb. Drockner unterbreiteten ihre 4 Söhne den Vorschlag, noch einmal den Ort ihrer Kindheit zu besuchen.
Am 19.02.1932 wurde sie in Tilsit geboren und verbrachte ihre Kindheit bis 1944 in Schillgallen.
Mit gemischten Gefühlen sagte sie zu und so begannen die Reisevorbereitungen.
Privat nach Russland zu reisen ist nicht so einfach. Die größte Sorge war das Einreisevisum, welches erst 2 Tage vor Reisebeginn per Post zugestellt wurde.
Von Rostock fuhren wir, in unserer privaten achtköpfigen Reisegesellschaft, mit 2 Autos nach Kiel und weiter ging es mit der Fähre nach Memel (Kleipeda), jetzt zu Litauen gehörend.

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Einige Eindrücke von Tilsit im Sommer 2012

Im Heimatbrief "Land an der Memel mit Tilsiter Rundbrief", Ausgabe Weihnachten 2012, beschreibt Gerd Klauke  Erlebnisse auf einer Busreise nach Ostpreußen aber besonders seine Eindrücke von Tilsit.

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Sie können aber auch den Heimatbrief  bestellen. Wir schicken Ihn gegen eine kleine Spende

Wanderfahrt von Tilsit nach Königsberg 2012

Eine gemischte Wanderrudergruppe aus Österreichern und Deutschen machte sich im Frühjahr auf , den  Wasserweg von Tilsit nach Königsberg zu berudern. Ein Großteil der Gruppe kam per Flugzeug von Wien über Warschau nach Königsberg zum Flughafen Chabrowo. Einige deutsche Ruderer gesellten sich ab Warschau dazu. Eine vierköpfige Gruppe reiste mit der Fähre von Kiel aus nach Klaipeda und fuhr dann mit dem Pkw über die Nehrung in dieses Gebiet des Kaliningradskaja Oblast. Ein Hamburger Ruderer kam bereits einen Tag vorher in der Stadt an und konnte sie sich in Ruhe beschauen.

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Wo liegen die im 2. Weltkrieg gefallenen tilsiter Soldaten

Am Volkstrauertag, am Totensonntag aber auch beim Besuch eines Friedhofes denkt man an die Verwandten und Bekannten, die nicht mehr unter uns weilen. So ging es mir auch, als ich im September 2011 in Tilsit auf  dem Waldfriehof am Hochkreuz ein Blumengebinde  niederlegte. Ich dachte an die im Krieg gestorbenen Tilsiter, an die deutschen Soldaten beider Weltkriege, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben, aber auch an die ausländischen Soldaten des ersten Weltkrieges und an die russischen Soldaten des ersten und zweiten Weltkrieges, deren Gräber hier gepflegt werden.

Wo ruhen aber die tilsiter Soldaten, die weit entfernt von der Heimat ihr Leben lassen mußten? Wo ist das Grab meines Vaters? Diese Frage hat mich lange beschäftigte.

Was war bekannt?

Mit Beginn des Rußlandfeldzugs im Jahre 1941 gehörten die ostpreußischen Stammdivisionen 1.ID (1.Infanterie Division), 11.I.D, 21.I.D. und 61.I.D. zur Heeresgruppe Nord. Sie traten aus dem Raum Heydekrug-Tilsit-Schmalleningken an und stießen innerhalb weniger Wochen durch das Baltikum. Im Frühherbst 1941 erreichten sie das Vorfeld von Leningrad . Während der Jahre 1942-1944 führten sie äußerst verlustreiche Kämpfe im Nordabschnitt an der Newa, am Ladogasee und am Wolchow. 

Mein Vater, der Gefreite Kurt Urbschat, war Pionier im 3.Pi.Ers. Batl.I, und ist am 22. Oktober 1943 bei der Belagerung Leningrads gefallen. Er wurde auf einem Friedhof ordnunggemäß bestattet, Nachlaßsachen und Bilder vom Grab hat meine Mutter erhalten.

Klar war, dass dieser Friedhof und das Grab im Laufe des Krieges und danach beseitigt wurden. Jede Hoffnung , dass es eine Grabstelle des Vaters gibt, war schon lange aufgegeben.

Und dann geschieht das Unfassbare, Die Gebeine mit der Erkennungsmarke meines Vaters werden gefunden und auf einem Friedhof in Rußland beigesetzt. Das haben wir im Juli 2007 erfahren und auch Bilder von der Grabstätte erhalten. Mehr Einzelheiten finden Sie in dem Bericht.

 Inzwischen sind alle Vorhaben zur Gestaltung des Friedhofes und der Bau der Kirche erfolgreich abgeschlossen. Die Bestattungen werden fortgesetzt

Dem  Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. sind wir sehr dankbar für diese Arbeit und unterstützen ihn mit Spenden. Unser Dank gilt auch unserem Mitglied der Stadtgemeinschaft Tilsit, Herrn Alfred Rubbel, der nicht nur den Menschen hilft, die Ruhestätten ihrer Angehörigen zu finden, sondern in bemerkenswerter Initiative den Aufbau und die Gestaltung des Waldfriedhofes in Sovetsk/Tilsit vorangetrieben und zum Erfolg geführt hat siehe auch hier.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hat viel erreicht bei der Aufarbeitung der Nachkriegszeit und zur Versöhnung über den Gräbern beigetragen. Wer diese Arbeit unterstützen möchte kann Spenden überweisen, die dazu erforderlichen Informationen finden Sie hier. Auch Informationen über die im Krieg gefallenen oder vermißten Angehörige können hier angefordert werden.

 

Manfred Urbschat

2010 über die Ostsee nach Tilsit


Zum ersten Mal fand eine Sonderreise der Stadtgemeinschaft Tilsit mit einem Schiff statt. Das Konzept ging auf. Das Interesse an einer solchen Reise in die Heimat war derart groß, daß 2 Busse hierfür eingesetzt werden mußten. Mit nahezu 70 Teilnehmern erreichten die Busse aus Bochum über Hannover und Hamburg kommend, auf dem Kieler Ostuferhafen das Fährschiff "LISCO MAXIMA" der litauischen Reederei. Geschmackvoll ausgestattete Restaurants und Aufenthaltsräume waren gute Voraussetzungen für eine angenehme und erholsame Reise. Selbst eine bewegte See ist auf dem großen Schiff kaum spürbar. Die Altersspanne war groß. Willi Narewski war mit 96 Jahren der älteste und immer noch ein sehr rüstiger Teilnehmer. Auch Rudolf Milbrett der Zweitälteste Senior hat bewiesen, daß man auch mit 90 Jahren noch eine solche Reise gut überstehen und genießen kann. Interessiert und aufgeschlossen für alle positiven und negativen Eindrücke war auch Thomas Brockl, mit 49 Jahren der jüngste Teilnehmer. Von Memel ging die Fahrt mit den Bussen weiter durch das Memelland nach Tilsit.
Zu den negativen Eindrücken in Tilsit gehört weiterhin der zunehmende Verfall der alten deutschen Bausubstanz. Hingegen sind Restaurierungsarbeiten an alten Häusern und Neubauten in verschiedenen Straßen kleine Lichtblicke im Stadtbild und auch in den Randbereichen. Der Bau von Plattenbauten ist Vergangenheit. Zur obligatorischen Stadtrundfahrt gehörten auch diesmal ein kurzer Halt am Memelufer in der Nähe der Luisenbrücke und ein Besuch des Waldfriedhofes. Mit einer Kranzniederlegung am großen Kreuz, einer kurzen Ansprache und einer Schweigeminute wurde aller Toten gedacht. Ein Blumenstrauß zierte den kleinen Gedenkstein, der speziell an die Verstorbenen und durch Kriegseinwirkungen ums Leben gekommenen ehemaligen Tilsiter Bürger erinnert.
Ein besonderes Erlebnis hatten die Verwandten der Familie Debler, die mit 5 Personen mitgereist waren. Hier bestätige sich ihre Vermutung, daß ein Angehöriger ihrer Familie auf dem Waldfriedhof bestattet sein könnte. Er war im Rußlandfeldzug verwundet worden und starb später in einem deutschen Lazarett. Auf einer Stele fanden die Deblers den Namen ihres Angehörigen, eingemeißelt und damit verewigt. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass sich die 3 Debler-Cousins nicht untereinander abgesprochen und seit Jahrzehnten aus den Augen verloren hatten, bevor sie sich auf dieser Reise überraschend wiedertrafen. Insofern trug sie auch zur 'Familienzusammenführung' bei.
Der Tag zur freien Verfügung wurde genutzt für Taxifahrten in die Umgebung zu Zielen nach eigener Wahl oder zu einem Stadtbummel. Hier fiel die ständige Zunahme von Geschäften auf. Zu kaufen gibt es alles, von Computern, Wohnungseinrichtungen bis zu Waren des tägichen Bedarfs. Wie fast überall, sieht man auch in Tilsit auf den Straßen Menschen mit dem Handy am Ohr,während junge, elegant gekleidete Damen mit spitzen Absätzen durch die Hohe Straße stolzieren. Schlaglöcher in den Nebenstraßen werden dabei geschickt überwunden.
Zu einem zufälligen Treffpunkt der deutschen Touristen wurde das Historische Museum der Stadt in der Hohen Straße neben dem früheren Standort der Bürgerhalle. Beim Betrachten der Exponate aus dem früheren und heutigen Tilsit/Sovetsk hörte man die Worte: "schau mal hier, erinnerst du dich?" Eine Sonderausstellung zeigte Gemälde und Zeichnungen des bekannten und in Tilsit geborenen Schauspielers Armin Müller-Stahl. Auf einer Filmleinwand gibt der Autor Erläuterungen zu seinen Werken. Bei der Suche nach derVergangenheit blätterten die Tilsiter und ihre Nachkommen in zwei Einwohnerbüchern der dreißiger Jahre, um die Namen ihrer Familien zu finden: größtenteils mit Erfolg. Anzhelika Shpilyova, die junge und freundliche Direktorin des Museums, gab Hinweise zu Einzelheiten der Exponate. Greorgij Ignatow, der langjährige Direktor und Mitbegründer des Museums, ist in den wohlverdienten Ruhestand getreten, pflegt aber noch den Kontakt zu dieser kulturellen Einrichtung.
Die Tage in Tilsit gingen zu Ende, doch am Abend vor der Abreise gab es eine Überraschung. Duscha Kartschewskaja, die engagierte und stets hilfsbereite russische Reiseleiterin erhielt von der Leitung des Hotels Kronus die Erlaubnis, im Konferenzsaal ein Konzert durchführen zu dürfen. Ludmila Gulajewa aus Ragnit konnte hierfür das "Ensemble Tilsit" gewinnen. Dieses Instrumentalquintett spielte russische und deutsche Weisen, welche die Zuhörer der Tilsiter Reisegruppe in Stimmung versetzten und teilweise auch zum Mitsingen anregten.
Zum Reiseumfang gehörten auch Abstecher nach Ragnit und Breitenstein, unterwegs gab es einen Aufenthalt an der Memel.
Die Rückreise führte über den Rombinus mit seiner Aussicht auf Tilsit nach Nidden auf der Kurischen Nehrung und weiter über Kleipeda/Memel mit dem Schiff nach Kiel.
 Auch diese 52. Sonderreise der Stadtgemeinschaft Tilsit bot gute Voraussetzungen für das Gelingen: Das Wetter war überwiegend trocken. Nur nachts und an einem frühen Morgen hatte es geregnet. Es herrschte Disziplin und Harmonie in der Gruppe. Die örtliche Reisleitung war stets hilfsbereit und freundlich. Das Personal in den Hotels war freundlich, und es gab auch Helfer in den eigenen Reihen, wenn es galt, kleine organisatorische Probleme zu lösen.

Dafür dankt auch an dieser Stelle die Reiseleitung der Stadtgemeinschaft Tilsit allen, die zum Gelingen dieser Reise beigetragen haben.

Ingolf Koehler

 

Vergangenheit und Hoffnung in die Zukunft

War es eine Reise in die Vergangenheit oder waren es Hoffnungszeichen in die Zukunft ?

Was sollte ich tun? Sollte ich es noch einmal wagen, meiner Heimat einen letzten Besuch abzustatten oder sollte ich mit meinen bald 87 Lebensjahren friedlich zu Hause sitzen und in Erinnerungen schwelgen?
Wer konnte mir dabei helfen, den richtigen Entschluss zu fassen? Die Antworten waren unterschiedlich. Meine Kinder allerdings meinten: „Wenn Du Dich gesundheitlich in der Lage fühlst alles körperlich und seelisch zu verkraften, dann tu's." Das Anmeldeformular lag ausgefüllt vor mir, nur meine Unterschrift fehlte noch. Kurz entschlossen setzte ich sie unter das Formular. So, das wäre geschafft; und nun wartete ich auf den 3. Juli 2009, an dem mich eine Boing 737 von Hamburg nach Kaliningrad, dem früheren Königsberg Pr. bringen sollte. Was wollte ich dort eigentlich? Hatte ich doch noch zusammen mit meinem Mann diese Reise schon über zwanzigmal unternommen, in Hilfstransporten für das Waisenhaus in Tilsit oder während der elf Schulausflüge mit Ehemaligen der Königin-Luisen-Schule zu Tilsit. War es die unbeschwerte Kindheit und die wunderschöne Jugendzeit, die ich noch einmal aufleben lassen wollte, um dann endgültig Abschied zu nehmen? Ich weiß es nicht. Es wurde auf jeden Fall eine Reise, die anders ausfiel als gedacht. Es wurde eine Reise „zwischen Zerfall und Hoffnung".  (Titel eines Buches von Christian Papendick.)
Pünktlich landete die Maschine in Kaliningrad. Nach Erhalt des Gepäcks stand ein Bus für die Flugreisenden aus Hamburg, Düsseldorf und Hannover bereit, um sie zu ihrem Ziel nach Tilsit zu bringen. Ein dunkelgelber Mond schien vom tiefblauen Himmel und erhellte das Land. Ich erinnerte mich sofort an die hellen Julinächte meiner Kindheit, die kaum einen Unterschied zwischen Tag und Nacht zuließen.
Am nächsten Morgen fand dann eine freudige Begrüßung zwischen Bus und Flugreisenden statt, die an einer Sonderreise der Stadtgemeinschaft Tilsit teilnahmen. Ach du meine Güte! Alles Mitreisende, die in den 40er oder 60er Jahren geboren waren; da brachte ich mit meinem Geburtsjahrgang 1923 die Durchschnittsquote ganz schön durcheinander. Ich war jedoch das „Objekt", dem die meiste Aufmerksamkeit gewidmet wurde, da ich die einzige Mitreisende war, die bis zu ihrem 22. Lebensjahr in Tilsit lebte und dank eines guten Langzeitgedächtnisses sich an vieles erinnern konnte. - Die Stadtrundfahrt zeigte nicht viel Neues; einige Baulücken (ehemalige Ruinen) waren durch Neubauten ersetzt worden, die zwar stilistisch nicht zur alten Bausubstanz passten, aber der gute Wille, der Stadt ein besseres Aussehen zu geben, war nicht zu übersehen, so wie die vielen kleinen Blumenbeete, die der Stadt ein freundlicheres Aussehen verschafften. Lebhafter Autoverkehr mit keineswegs schrottreifen Autos war genau so zu verzeichnen, wie die Linienbusse, die durch die Stadt fuhren. Viele neue Supermärkte mit großem Angebot und zahlreiche kleine Gaststätten, in denen ein gutes Essen angeboten wurde, waren in den letzten Jahren entstanden. Und nicht zu vergessen, - die Serviererinnen im Hotel waren höflich und freundlich, ganz im Gegensatz zu früheren Besuchen. Was aber ganz besonders auffiel, war die Sauberkeit innerhalb der Stadt!! - Unserem Elch wurde große Aufmerksamkeit zuteil, nicht nur von unseren alten Tilsitern, sondern auch von der russischen Bevölkerung, die bei Eheschließungen ihre Brautsträuße dort niederlegte und sich zusammen mit dem Elch fotografieren ließ. Der Panzer auf dem Anger hatte ausgedient. Er steht zwar immer noch da, ist aber nicht mehr mit Blumen geschmückt. Gut so! -Was mich natürlich am meisten erfreute und was ich auch allen ehemaligen Schülerinnen der Königin-Luisen-Schule mitteilen und ihnen auf diesem Wege für ihre Unterstützung danken möchte, ist der jetzige Zustand der Neustädtischen Schule und des Krönungs-Jubiläumsstifts. Wir besichtigten mit der Direktorin des Waisenhauses beide Gebäude, die in hervorragendem Zustand sind und so sauber und ordentlich, wie wir es uns von unseren Schulen in Deutschland nur wünschen können. Die sanitären Anlagen, die von unseren Spendengeldern geschaffen wurden, entbehren jeglicher Kritik. Auch wurden im Krönungs-Jubiläumsstift sämtliche Fenster erneuert, neue Duschen und WCs installiert, so dass das Gebäude von außen durch abfallenden Putz nicht sehr einladend aussieht, jedoch von innen allen Anforderungen entspricht.
Auch im besichtigten Sommerlager der Kinder an der Scheschuppe sind erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Es entstanden in den letzten Jahren zwei Steinbauten, in denen eine Ärztin praktiziert und - der ganze Stolz der Direktorin, - sechs WCs wurden installiert. Ich denke noch
mit Schaudern an unsere Besuche in den 90er Jahren, wo uns abgeschirmte Löcher im Waldboden angeboten wurden! Also nochmals allen „Luisen" herzlichen Dank. Es tut gut festzustellen, dass unsere Spenden auf fruchtbaren Boden fielen. Im Programm der Stadtrundfahrt war selbstverständlich ein Besuch des Waldfriedhofs vorgesehen. An der von einigen Jahren von der Kriegsgräberfürsorge neugestalteten Gedenkstätte wurde ein Kranz der Stadtgemeinschaft Tilsit zur Erinnerung an alle Toten niedergelegt. Diese Ehre wurde mir als älteste Teilnehmerin zu teil.
Am Abend erfreuten uns die „Tilsiter Souvenirs" mit ihrem Gesang und ihrer Musikalität. Der nächste Tag begann mit einer Rundfahrt über Ragnit, (wo wir die Überreste des Ragniter Ordensschlosses besichtigten) nach Breitenstein, dem Storchendorf. Dort hat ein russischer Lehrer, Juri, ein kleines Ostpreußisches Museum eingerichtet, das allgemeine Aufmerksamkeit erregte, genauso wie die vielen Störche, deren Junge fleißig ihre Flugübungen absolvierten, um für den Abflug im August gerüstet zu sein.
Bei der Rückfahrt nach Tilsit legten wir gegenüber dem Rombinus in Untereißeln eine Picknickpause ein, labten uns an Würstchen, Hühnersuppe oder Linsensuppe, je nach Wunsch. Anschließend wurde dann eine „Tilsiter-Käse-Probe" durchgeführt, wobei ein mitreisender Schleswig-Holsteiner unsere Geschmacksnerven prüfen wollte. Von vier mitgeführten Käsesorten, hergestellt in Heinrichswalde und Schleswig-Holstein, sollten wir 36 echten Tilsiter herausfinden, welche Sorte wohl dem echten Tilsiter Käse am nächsten kam. Die einhellige Meinung war, der in Schleswig-Holstein entstandene und der„Pikante" aus Heinrichswalde empfahlen sich als „echt"! Nur der ganz bestimmte Duft (!) fehlte beiden.
Nun galt es Abschied zu nehmen von Tilsit und von der Memel.
Eine gut ausgebaute Autobahn führte uns nach Kaliningrad zu einer Stadtrundfahrt. An das alte Königsberg erinnerten einige Vorstädte und natürlich - der Dom. Seit dem Beginn des Wiederaufbaus, Mitte der 90er Jahre, sah man das langsame aber stetige Wachsen dieses Wahrzeichens von Königsberg, und es war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, dort nach Vollendung des Bauvorhabens, einem Orgelkonzert zu lauschen, das viele Emotionen in mir wachrief. Gegenüber dem Grabmahl von Immanuel Kant, an der Außenseite des Doms, steht ein Denkmal von Herzog Albrecht, dem Gründer der Königsberger Universität und zahlreicher Städte im ehemaligen Ostpreußen, der als letzter Hochmeister des Ritterordens und erster weltlicher Herrscher in Ostpreußen viele Reformen und Städtegründungen durchgeführt hat.
Mir gab das Vorhandensein dieses Denkmals die Gewissheit, dass allmählich auch von russischer Seite, die Geschichte nicht mehr falsch interpretiert wird. Besonders die Jugend ist sehr aufgeschlossen und wünscht sich, ebenfalls in die Europäische Union aufgenommen zu werden, so dass die Memel nicht mehr die Außengrenze der EU bildet.
Diane, unsere russische Reiseleiterin für die nächsten Tage, bestach durch ihr umfangreiches Wissen. Ihre Informationen, insbesondere über den russischen Alltag, fanden reges Interesse bei der Reisegruppe.
Die Fahrt nach Rauschen führte uns durch das Samland und wie auch schon bei unserer Fahrt nach Ragnit und Breitenstein sah man aus dem Bus nur weite Landschaften, die allmählich zu versteppen schienen. Allerdings gab es wunderschöne Flächen mit blühenden Blumen und Sträuchern, die an die Lüneburger Heide erinnerten. Hier und da, an selten vorkommenden Gehöften tauchte auch ein kleines Kornfeld auf oder ein mit blühendem Kartoffelkraut versehener Acker.
In Rauschen bezogen wir unsere Zimmer, jedoch ließen es sich einige Mitreisende nicht nehmen, noch am selben Abend der Ostsee einen kurzen Besuch abzustatten. Am nächsten Morgen hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet, und es goss den ganzen Tag. Selbst das hervorragende Frühstücksbuffet und das gute Abendessen vermochten nicht, unser Bedauern über die Witterung zu dämpfen. Der nächste Tag machte mit strahlendem Sonnenschein alles wieder gut. Die Fahrt auf die Kurische Nehrung bis Pillkoppen und die Wanderung zur Hohen Düne, mit Blick auf die Wanderdünen an der Haffseite von Rossitten bis zur litauischen Grenze von Nidden, ließ uns die Schönheit dieses Stückchens Erde genießen. Am nächsten Morgen galt es Abschied zu nehmen. Den Busteilnehmern konnten wir mit guten Wünschen für die Weiterreise „Gute Fahrt" zurufen, während wir Fluggäste zum Kaliningrader Airport gebracht wurden. - Und siehe und staune! Vor zwei Jahren noch erschien die Abflughalle wie ein primitiver Wartesaal in einem riesigen fast leeren Gebäude. Nachdem wir aber durch sämtliche Zoll- und Passkontrollen geschleust waren, fanden wir uns in einer dem internationalen Standard angepassten Abflughalle wieder, die sich modern ausgerüstet mit Anzeigetafeln in kyrillischer und lateinischer Schrift zeigte, mit Lautsprecheransage versehen war, und als dann noch eine Maschine nach Tel Aviv aufgerufen wurde, waren wir sprachlos. Also, was hier innerhalb von zwei Jahren geschaffen worden ist, dem kann man den
nötigen Respekt nicht versagen.
Und das Fazit meiner Reise? Es ging bei mir auf einmal nicht mehr um Nostalgie, nicht mehr um Heimwehtourismus. Was alles hatte ich seit der Öffnung im Januar 1991 in diesem kleinen Stückchen Ostpreußen während meiner Reisen gesehen und erlebt. Äußerste Not, Elend, Verfall, jahrelanges Ringen um ein bisschen Wohlstand, dann wieder Resignation, immer wiederkehrende Illusionen, die zu nichts führten. Und jetzt auf einmal spürte ich aufkeimende Hoffnung, den guten Willen etwas entstehen zu lassen, was bisher nicht vorhanden war. Ich kann nur hoffen, dass es so weitergeht und verlasse mich da auf die nachfolgenden Generationen und darauf, dass sie ohne Ressentiments und Vorurteile in einer friedlichen Zukunft zusammen leben können

                                                                        Rosemarie Lang, im Juli 2009

Ruderwanderfahrten auf der Memel

Hans-Heinrich Busse aus Hamburg berichtet von seinen Wanderfahrten.

Tilsit an der Memel – wie komme ich eigentlich dazu? 

Im August 1994 kam ich zu einer Internationalen Ruderwanderfahrt nach Litauen. Da war von Tilsit keine Rede, aber ich lernte meine Frau Vida kennen.
So kam ich für längere Zeit nach Litauen und arbeitete von 1996 bis 2000 als Deutschlehrer am Gymnasium und an einer Mittelschule in Jurbarkas, der litauischen Kreisstadt an der Memel.
Wir begannen im Jahr 1997 Ruderwanderfahrten auf der oberen Memel zu organisieren. Und 1999 fand die erste Wanderfahrt von Kaunas bis Kintai statt, also auch an dem Bereich der Memel wo sie Grenze zum Kaliningrad Oblast ist.
Schon bei der Erkundung im Frühjahr fuhren wir die Uferabschnitte von Smalininkai bis Silininkai  und noch weiter bis Rusne ab, besuchten Sokaitai, Bitenai, den Rombynas, Panemune gegenüber von Tilsit. Schon von der Lichtung auf dem Berg Rombynas aus konnte man die Gebäude und Türme – Schornsteine – der Stadt gut erkennen. Lange Schlangen litauischer Autofahrer standen damals vor der Luisenbrücke an. Auf der anderen Seite gab es billiges Benzin und andere Waren. Der Grenzübergang war ja unkompliziert.
Das nutzten andere auch stark aus. Als die Wanderfahrt im Mai stattfand, machten Vidmantas und ich den Landdienst und begleiteten die beiden Boote am Ufer. Bis Bitenai lief alles gut. Dann kamen wir in die Nähe des Grenzüberganges vor der Luisenbrücke also noch auf der litauischen Seite und konnten nicht aussteigen. Wir wurden förmlich bedrängt von Russen, die uns Schnapsflaschen mit Wodka und Cognac anboten. Wir fuhren erneut ab und lenkten die Autos über einen unbefestigten Weg unterhalb der Brücke. Dort sahen wir wie Jugendliche Plastiktüten voller Flaschen in Empfang nahmen, die von einem Lieferwagen oben auf der Brücke per Leine abgefiert wurden. So funktionierte damals der Nachschub für die erwähnten Verkäufer oben an der Straße.
Das wäre schon fast eine Begegnung mit Tilsit gewesen. Übrigens trafen wir ebenfalls am Ufer einen roten Jetta mit deutscher Kfz-Nummer. Der Fahrer entpuppte sich als ehemaliges Wolfskind, das per Zufall in den Nachkriegsmonaten erfahren hatte, dass Waisenkinder per Sammeltransport nach Deutschland geschickt wurden. Und er erreichte einen dieser Transporte.Jetzt wollte er sich an diese Zeit erinnern und kam hierher.
Durch die Bücher von Ulla Lachauer „Die Brücke von Tilsit“ und „Paradiestraße“ bekamen wir damals mehr Einblick in dies Land und wie Menschen zu beiden Seiten des Flusses früher gelebt hatten. Der Vater einer Freundin in Hamburg hatte erzählt, dass er als Kind am Memelufer gespielt hatte, weil die Familie aus Tilsit stammte. Zwei litauische Ausdrücke hatte er behalten: „As ne zenau“ (ich weiß nicht) und „bucuok manes „ (Küss mich).
Spielplatz waren die Spickdämme am Flussufer gewesen. Auch war er mit dem Paddelboot ab Bitenai bis Tilsit gefahren.
Von den Uferbefestigungen, Spickdämmen, Fährverbindungen wie in der Karte eingezeichnet war heutzutage kaum noch etwas zu finden. Die Memel hatte auch ihre Aufgabe als Schiffahrtsweg eingebüsst. Nur bis Ende der 90 er Jahre fuhr in den Sommermonaten noch das Raketa-Tragflügelschiff von Kaunas bis Nida. 1997 setzten zwei Ruderinnen ihre Befahrung der Memel ab Jurbarkas auf diese Weise fort. Ja, und im Foto- bzw, Postkartenalbum meines Vaters befand sich eine Karte aus Tilsit, die er an seine Mutter geschickt hatte. Er war ja im freiwilligen Arbeitsdienst in der Nähe von Insterburg  eingesetzt gewesen. Und auf der Karte erwähnt er einen Gemeinschaftsausflug per Raddampfer von Tilsit nach Nida. Das war damals Anfang der dreissiger Jahre der übliche Personennahverkehr. Wir waren also auf seinen Spuren. Eine andere Karte zeigt Bilder aus der Elchniederung und einen Gasthof, Inhaber Schipporeit, an der Brücke bei Schenkendorf. Einer seiner Onkel war Tierarzt in Insterburg gewesen  und der Dr.Schlage hatte ihn wohl mit dem Auto herumgefahren.
Bei einer weiteren Befahrung des Unterlaufs der Memel mit Ruderbooten im Jahre 2002  hatten wir uns für einen Besuch in der Stadt Tilsit/Sovjetsk entschieden und eine Hotelübernachtung im Tilsiter Hof gebucht. Die Stadt drinnen machte einen verwahrlosten Eindruck. Wir konnten beim Bummel erkennen, dass die Entwicklungsrückstände gegenüber Litauen gewaltig waren. In Straßen und Parks lagen viele leere Schnapsflaschen und einige angetrunkene Männer torkelten in der Stadt umher. Positiv überrascht waren wir von einer Ausstellung über den Schriftsteller Johannes Bobrowski im Stadtmuseum. Und ebenso überrascht waren wir, als abends in einem Biergarten am ehemaligen Schlossteich  uns ortsansässige Jugendliche in deutsch ansprachen, die gerade ihre Verwandtschaft in der Bundesrepublik besucht hatten. Übrigens war entlang der Brücke kein Schmuggelverkehr mehr zu sehen, Ansammlungen laut Hinweissschildern ausdrücklich verboten.
Die unterhalb der Stadt von den Zellstoff- bzw. Papierfabriken eingeleiteten Abwässer gab es im Jahre 2002 nicht und auch nicht den dadurch verbreiteten Gestank. Für Ruderwanderfahrten war allerdings der gerade Streckenabschnitt vor dem Ufer von Tilsit einigermaßen gefährlich. Vom Rombynas ab lag der Fluss ja im Tiefland und damit war er windanfällig. 2004 mussten wir eine Tour mit der Barke direkt vor Tilsit abbbrechen, weil der gegen die Strömung stehende Wind starke Wellen aufgebaut hatte. Und auf den folgenden Kilometern bis zur Gege und weiter bis Silininkai gab es keine Möglichkeiten den Landdienst mit Bootsanhänger heranzurufen.
Im Jahre 2008 waren wir bundesdeutschen Ruderer sogar mit Booten im russischen Teil Ostpreussens unterwegs. Verbindung hatten wir über litauische Rudertrainer zum Ruderstützpunkt in Königsberg. Da hatte es einmal zehn Ruderklubs und Bootshäuser gegeben, heute einen. Die erste Fahrt führte von Königsberg auf Pregel und Deime bis Labiau/Polessk und zurück. Dann ab 2009 machten wir uns nach gründlicher Erkundung auch auf die Strecke von Tilsit/Sovjetsk bis zum Pregel abwärts. Und dazu gehörte die Übernachtung in Tilsit und die Erkundigung des Ufers. Litauen war ja jetzt schon eine Weile in der EU und die Grenze hatte einen anderen Charakter bekommen. 
Allerdings wurde das direkte Einsetzen der Boote am Memelufer von der Grenzpolizei nicht gestattet. Erst ab Leninskoe konnten wir auf der Gilge starten. Extra wurde auch ein Ausweis für die Grenzregion verlangt. Die besorgte für uns zum Glück die Hoteldirektorin in Tilsit. Diesmal fielen uns die schlechten Strassenverhältnisse auf. In der Stadt gibt es teilweise ein völlig zerfahrenes Kopfsteinpflaster. Nach Tilsit rein muss der gesamte LKW-Verkehr, denn nur über die Luisenbrücke besteht  eine Verbindung nach Litauen. Und so gibt es unmittelbar vor der Brücke einen abgesperrten Bereich für all den Transitverkehr.  Im Herbst 2009 sah es südlich vor der Stadt nach dem Bau einer Umgehungsstrecke aus. Vielleicht wird die Stadt dann endlich entlastet.
 Mit dem eigenen Pkw fuhren wir allerdings nur über die Nehrung, weil die Abfertigung dort viel schneller war. Erfreulich war die Neugestaltung des Marktes vor der Memel. Solche Lichtblicke sind außerhalb Königsberg noch eine Seltenheit.

Meine "Stradivari"

Ein Erlebnisbericht von Georg Krieger

Violinen und Violinkonzerte haben mich schon immer interessiert. Das Schulorchester der Herzog-Albrecht-Schule in Tilsit unter Leitung des Musiklehrers Blaudszun hatte es mir angetan. Außerdem spielte mein Großvater, Landwirt und Tischlermeister in Schudledimmen, Amt Groß Skaisgirren, sehr gut Geige, obwohl er keine Noten kannte. Meine Geschwister und ich verbrachten unsere Schulferien stets auf dem Lande, denn Urlaub im heutigen Sinne war damals nicht üblich.
Sobald auf dem Bauernhof Feierabend war, saßen alle auf einer Bank vor dem Haus und da wurde nach Herzenslust gesungen. Mein Großvater holte seine Geige hervor und spielte, was ihm gerade einfiel, sowohl Volkslieder oder auch mal ein Soldatenlied aus seiner Militärdienstzeit, die er, wie er stolz erzählte, in Königsberg beim Grenadierregiment Nr. 1 Kronprinz, abgeleistet hatte und als Unteroffizier d.Res. entlassen worden war.
Nun beginnt erst meine Geschichte. Als ich 12 Jahre alt war, äußerte ich den Wunsch, Geigenunterricht zu nehmen. Meine Eltern gingen spontan auf meinen Wunsch ein. Eines Tagen ging ich zusammen mit meinem Vater in die Deutsche Straße. In einem Geschäft, ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es sich um ein Pfandhaus, ein An- und Verkaufs-Geschäft oder einen Antiquitätenladen handelte, ließ sich mein Vater wegen des Kaufs einer Geige beraten. Der Verkäufer, ein kleines älteres Männlein, zeigte uns eine Geige, die mir nicht so recht gefiel, weil sie ziemlich alt aussah. Auf meinen kritischen Blick meinte der Verkäufer, eine Geige wäre erst gut, wenn sie älter wäre. Ich hatte es natürlich nicht verstanden, fügte mich aber der Entscheidung meines Vaters, das besagte Instrument zu kaufen. Es war auch eine Preisfrage. Also wurde noch ein Geigenkasten gekauft und stolz marschierte ich mit meinem Vater nach Hause. Wir wohnten damals im Haus Heinrichswalder Straße Nr. 13. Nun musste natürlich ein Musiklehrer ausfindig gemacht werden. Wir fanden ihn bald. Er war 1. Kontrabassist im Orchester des Grenzlandtheaters Tilsit und hieß Otto Kalbe. Seine Wohnung war in der Hohen Straße, vom Hohen Tor aus gesehen, auf der rechten Straßenseite, vor der Langgasse Im Erdgeschoss befand sich das Korsett-Geschäft Olga Wegmüller, der Mutter der Tilsiter Schauspielerin Charlotte Susa. Anlässlich meines 1. Tilsit-Besuches im Jahre 1993 stellte ich erstaunt fest, dass dieses Haus die Kriegszerstörungen überlebt hat, sich aber in einem nicht guten Zustand befand.
Als ich meine Geige ausgepackt und Herrn Kalbe gezeigt hatte, blickte er zunächst in die F-Löcher auf der Geigendecke und sagte nur oh! Ich maß diesem Ausdruck natürlich keine Bedeutung bei, denn ich war ja absolut unbedarft. Also begannen wir mit dem Unterricht. Es fiel mir auf, dass er jedes Mal die Geige von alle Seiten betrachtete und immer eine kurze Bemerkung machte oder leicht den Kopf schüttelte. Ich nahm den Geigenunterricht sehr gewissenhaft wahr und war auch meinen Mitschülern gegenüber stolz, dass ich Geige spielen konnte, obwohl es manchmal langweilig wirkte, denn in der ersten Zeit wurden nur Übungsstücke gespielt. Ein besonderer Erfolg war, als ich das Largo von Händel spielen konnte. Nun hatte ich auch den Mut, mich beim Schulorchester anzumelden. Als ich mich beim Musiklehrer vorstellte, zeigte ich ihm meine Geige. Herr Blaudszun betrachtete sie, ähnlich wie Herr Kalbe, schaute in die F-Löcher hinein und gab ähnliche Töne von sich, wie Herr Kalbe. Das machte mich nun doch stutzig. Also tat ich dasselbe, wie die Musiklehrer und entdeckte am Geigenboden einen vergilbten, kleinen, verstaubten Aufkleber mit folgender Aufschrift.
                                            ANTONIVS STRADIVARIVS
                                                      CREMONENSIS
                                          ANNO (Jahreszahl nicht lesbar)
Die Echtheit wurde nie geklärt. Ehrlich gesagt, war ich auch nicht besonders daran interessiert, denn Stradivari, Amati oder Mittenwald waren für mich damals keine Begriffe. Mit Beendigung der Schulzeit und Beginn der Berufsausbildung endete mein Geigenspiel. Die Geige wurde, gut verpackt im Geigenkasten, auf dem Ankleideschrank im elterlichen Schlafzimmer aufbewahrt und manchmal auch abgestaubt. Es war eine andere Zeit angebrochen, deren Ausgang hinreichend bekannt ist. Als ich im Jahre 1993 zum ersten Mal unsere frühere Wohnung in Tilsit aufsuchte, wusste ich natürlich, dass meine vielleicht-Stradivari nicht mehr auf dem Ankleideschrank liegen würde, ein klein bisschen Hoffnung war zwar vorhanden, natürlich unrealistisch.

Eine Wiederaufnahme meines Geigenspiels nach Kriegsende war wegen einer Kriegsverletzung meiner rechten Hand nicht möglich. So bleibt mir die Erinnerung an meine Geige, die vielleicht eine Stradivari war, was zu glauben mir schwer fällt.

 

Winter in Tilsit

Winterfreuden
Ostpreußischer Winter. Kälte bis hin zur eisigen Erstarrung in der Natur. Oft herrschte Schneefall ohne Ende. Große Mengen mussten von Straßen und Bürgersteigen entfernt werden. Gefragt sind nun hohe Schuhe, Stiefel, dicke, warme Socken, warme Unterwäsche und Kleidung. Sehr schützend und ein ganz wesentlicher Faktor, um Erkältungen vorzubeugen. Dann konnte uns auch das Wetter nicht aufhalten, und wir Kinder suchten das Vergnügen in der weißen Natur. Manchmal blendend, der Schnee mit Millionen feiner Kristalle überzogen. Dann wieder verwirrend starkes Schneegestöber. In der Nähe unseres Hauses befand sich eine Kiesgrube, von uns auch „Kaule" genannt. Da entstanden Rutschbahnen für Schlittenfahrten. Sehr gerne sind wir aber auch nur mit den Schuhen hinuntergeschorrt! Die Eltern murrten darüber, weil es zur Abnutzung der Sohlen führte. Die Bahnen spiegelglatt und so geschah es schon, dass es zum Sturz kam. In den meisten Fällen ging es jedoch gut aus. Das Schreien „Bahnfrei" machte unsere Stimmen heiser. Wir merkten im Eifer gar nicht, wie die Kälte uns durchzog, wie wir Halsschmerzen bekamen und auch dass Schuhe wie Kleidung nicht mehr trocken waren. Besonderen Spaß leisteten wir uns, wenn wir mit den Schlitten zu den gefrorenen Memelwiesen gelaufen sind. Mitgenommen wurden Stöcke, welche an den Enden mit Nägeln behaftet waren. Damit stießen wir uns ab, um mit den Schlitten in schneller Fahrt über die Wiesen zu gleiten. Wagemutig sind wir auch von Fall zu Fall zum Strom gelaufen, der mit Eisschollen bedeckt war. Eigentlich lag ein Verbot vor, weil die Gefahr bestand, einzubrechen, aber es reizte sehr und an die Folgen dachten wir in diesem Moment wenig. Leider kam es auch mal zum Einbrechen. Bei schneller Hilfe ging alles noch gut aus, wir erschraken und haben eine Zeit lang dieses Spiel nicht mehr vollzogen.

Ein großes Vergnügen bereitete uns das Laufen mit Schlittschuhen auf den Teichen der Stadt. Schneeballschlachten waren natürlich auch an der Tagesordnung, wobei die Mädchen oder auch Erwachsene ein besonderer Zielpunkt waren. Kamen wir durchgefroren und durchnässt nach Hause, beglückte uns ein warmer, großer Kachelofen. Mutti sagte oft: „Dieser Ofen ist nicht mit Geld zu bezahlen!" Ihre Behauptung stimmte auf jeden Fall. Wir mussten uns der Kleidung entledigen und trockene Sachen anziehen. Eine Weile stellte uns Mutti an die warmen Kacheln des Ofens, so dass unser Körper mit der Zeit eine angenehme Temperatur erhielt. Vom Ofen duftete es, weil Bratäpfel darin eingelagert waren. Wir hielten dann Dunkelstunde, so nannte man bei uns diese besondere Zeit. Mutti saß im Schaukelstuhl, Elfriede und Klaus-Dieter später auf ihrem Schoß, ich zu Muttis Füßen, um gemeinsam auf unseren Papa zu warten.

Quelle: 39. Tilsiter Rundbrief (Seite 58, gekürzt),   Autor: Günter Satzer,

Die Memel im Januar 2010, aufgenommen von Jakow Rosenblum 


  

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