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Donnerstag, 21. September 2017

Personen und Persönlichkeiten

 

 

Alfred Pipien ist tot

Alfred Pipien *1925 - ✝2016

Wir trauern um Alfred Pipien. Alfred Pipien, Ehrenmitglied der Stadtgemeinschaft Tilsit, ist kurz nach seinem 91. Geburtstag für immer von uns gegangen. Er wurde 1925 in Tilsit geboren. Nach dem Besuch der Schwedenfelder Volksschule erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers. 1943 wurde er zur Luftwaffe einberufen, wurde zweimal verwundet und geriet in amerikanische  Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung landete er in Hannover. wo er  sein Berufsleben in einem Unternehmen der Metallbranche verbrachte. Schon vor vielen Jahrzehnten wurde er aktiv in der Stadtgemeinschaft Tilsit tätig, deren Entwicklung er als gewähltes Mitglied der Stadtvertretung nachhaltig prägte. Seine handwerklichen und konstruktiven Fertigkeiten setzte er für den Bau von Modellen markanter Tilsiter Bauwerke ein, die auf Heimattreffen und im Freilichtmuseum Molfsee große Beachtung fanden. Alfred Pipien leitete als Sprecher die Schulgemeinschaft Schwedenfeld, deren jährliche Schultreffen beispielgebend waren. Mit vielen Beiträgen half er auch publizistisch, die Erinnerung an die Heimat am Memelstrom zu bewahren. Sein jahrzehntelanger Einsatz für die Stadtgemeinschaft wurde mit der Verleihung der Silbernen Ehrennadel der Landsmannschaft Ostpreußen und der Bismarckmedaille gewürdigt. In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Alfred Pipien. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Elsbeth. Wir werden Alfred Pipien sehr vermissen und sein Wirken dankbar bewahren.

             Hans Dzieran

Vorsitzender Stadtgemeinschaft Tilsit

    

Hohe Achtung vor Max von Schenkendorf

Die Stadt Tilsit ehrt einen ihrer bedeutendsten Lyriker – Buch mit 40 Gedichten in russischer Sprache herausgegeben

Max von Schenkendorf war einer der bedeutendsten Lyriker der Befreiungskriege. Er wurde im Jahre 1783 in Tilsit geboren. Ein Denkmal erinnerte an den Sohn dieser Stadt. Auf einem Sockel von rotem Granit erhob sich die 2,80 Meter hohe Bronzestatue des Dichters, ein Werk des Tilsiter Bildhauers Martin Engelke. Das Denkmal verschwand in den Wirren des Krieges. Auch das Andenken an Schenkendorf verblasste. In Deutschland ist der Patriot rasch in Vergessenheit geraten. Nicht so in seiner Geburtsstadt. Hier tat sich Erstaunliches. Beim Abriss des Denkmalsockels hatte man eine Kapsel mit seinen Gedichten gefunden. Sie wurden im Museum über viele Jahre als geschichtsträchtiges Zeugnis aus Tilsits Vergangenheit sorgsam gehütet. Schließlich war Tilsit einmal Drehpunkt europäischer Geschichte. Hier trafen sich drei Monarchen zum Friedensschluss und bald danach wurde von dem unweit gelegenen Tauroggen die Erhebung Preußens eingeleitet. Und es war Max von Schenkendorf, ein Dichter aus Tilsit, der mit seinen patriotischen Liedern und Gedichten die Vaterlandsliebe und den Freiheitsenthusiasmus der Preußen weckte. Sie gaben Kraft im Kampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft.
Nun hielt man endlich die Zeit für gekommen, dem Dichter die ihm gebührende Achtung seiner Vaterstadt zu erweisen. Auf Anregung der Direktorin des Museums für Stadtgeschichte, Angelika Spiljowa, wurde beschlossen, die gefundenen 40 Gedichte ins Russische zu übertragen und als Buch zu veröffentlichen. Es galt, den heutigen Bewohnern der Stadt am Memelstrom sein Schaffen nahezubringen. Mitglieder des örtlichen Schriftstellervereins machten sich an die nicht leichte Aufgabe, seine patriotischen Gefühle ideologiefrei einzufangen und sie lyrisch überzeugend in russischer Sprache wiederzugeben.

Im April dieses Jahres, am Welttag des Buches, konnte in einer Feierstunde in Tilsit der zweisprachige Gedichtband der Öffentlichkeit dank eines Zuschusses der Landsmannschaft Ostpreußen aus Mitteln der Stiftung Zukunft für Ostpreußen präsentiert werden. Das Ereignis rief große Aufmerksamkeit hervor. Zu den Ehrengästen zählten der Oberbürgermeister Nikolaj Woischew, der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Michael Banzhaf, und der Konsul der Litauischen Republik, Bronius Makauskas. Die Museumsdirektorin Spiljowa begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und schilderte die Entstehungsgeschichte des Buches. Die deutsch-russische Ausgabe diene der Pflege des kulturhistorischen Erbes und der Bewahrung der geschichtsträchtigen Vergangenheit dieser Stadt. Sie gehe einher mit der Förderung des gegenseitigen Geschichtsverständnisses. Jekaterina Kudrjawtschewa, die die Gedichte ins Russische übersetzt hatte, gab Einblicke in Leben und Wirken des Tilsiter Dichters, der nur 34 Jahre alt wurde und doch deutliche Spuren in der deutschen Poesie und Geschichte hinterließ. Mit großer Aufmerksamkeit lauschten die Anwesenden der Lesung einiger seiner Gedichte, vorgetragen von den Literaten Ljudmila Eysa und Ljubow Spasskaja.

Buchpräsentation:
Museumsdirektorin Angelika Spiljowa zeigt den zweisprachigen Gedichtband. Im Hintergrund eine verkleinerte Nachbildung des Tilsiter Schenkendorfdenkmals

Oberbürgermeister Woischew würdigte in seiner Ansprache die Herausgabe des Gedichtbandes als Bereicherung des kulturellen Lebens und zugleich als wertvollen Beitrag zur Regionalgeschichte. Schenkendorf sei ein Sohn dieser Stadt gewesen und sein Denkmal habe einst als eines der Wahrzeichen von Tilsit gegolten. Das Buch sei ein Beitrag zur völkerverbindenden Zusammenarbeit und diene der Festigung gutnachbarlicher Beziehungen. Der deutsche Generalkonsul Banzhaf dankte in seiner auf Russisch gehaltenen Rede für die hervorragende Leistung. Mit der Herausgabe des Buches in jener Stadt, in der Max von Schenkendorf geboren wurde, sei sein guter Name als patriotischer Dichter wiederhergestellt worden. Seine Gedichte seien in einer Zeit entstanden, als Preußen um sein Vaterland und seine Befreiung vom napoleonischen Joch gekämpft habe. Ihr Missbrauch durch die Nationalsozialisten habe leider dazu geführt, dass sie der heutigen Generation verschlossen geblieben seien, in Deutschland wie in Russland. Die heutige Präsentation, so betonte auch der litauische Konsul, sei ein wichtiger Schritt zur Offenheit und zum gegenseitigen Verständnis der Völker. Der zustimmende Beifall und die anschließenden Gespräche bewiesen, dass Max von Schenkendorf von den jetzigen Bewohnern seiner Vaterstadt verstanden und mit Respekt angenommen worden ist. Man hielt es für nicht ausgeschlossen, dass sein Denkmal wie das der Königin Luise eines Tages wiedererrichtet wird.
       Hans Dzieran

    

Anlässlich des 50.Todestages des Tilsiters Johannes Bobrowski

veranstaltete Bundespräsident Joachim Gauck einen literarischen Abend zu Ehren des ostpreußischen Dichters.
In das Schloss Bellevue waren neben der Familie des Lyrikers und Schriftstellers zahlreiche Experten und Verehrer von Johannes Bobrowski eingeladen unter ihnen der Lyriker Uwe Kolbe, die Autorin Herta Müller, der Dramaturg Klaus Völker und der Verleger Klaus Wagenbach. Sie erzählten in einer Gesprächsrunde von den Eindrücken die Bobrowski und seine Dichtung auf sie gemacht hatten. Dazu gab es Filme, Musik und eine kleine Rede des Bundespräsidenten.
Johannes Bobrowski wurde 1917 in der Tilsiter Grabenstraße geboren und lebte seit 1949 in Ostberlin. Sein erster Gedichtband „Sarmatische Zeit“ wie auch seine folgenden Bücher erschienen sowohl in der DDR wie auch in der Bundesrepublik. Ohne jede Berührungsangst wurde er zu einem deutsch-deutschen Dichter. Er las im Osten und im Westen, verlegte in beiden Teilen Deutschlands seine Bücher und wurde in beiden ausgezeichnet. Ein interessantes Zeitdokument ist ein Plakat, das eine Lesung Bobrowskis im Mai 1965 in Naumburg ankündigt, und zwar veranstaltet vom „Deutschen Kulturbund / Wohngebiet 1 der Nationalen Front“. Unter seinem Namen steht, als sei diese Nachbarschaft das Selbstverständlichste von der Welt:„Heinrich-Mann-Preisträger /Preisträger der Gruppe 47“! Im selben Jahr starb Bobrowski im Alter von nur 48 Jahren. Hans Werner Richter, Gründer der Gruppe 47, sagte an seinem Grab:„Für viele von uns war er das Bin-deglied zwischen den Schriftstel-lern der DDR und der Bundesre-publik. Er war ein gesamtdeutscher Dichter, hier wie dort anerkannt, hier wie dort wirkend, hier wie dort geliebt.“

Zu den ins Schloss Bellevue geladenen Gästen gehörte auch die Direktorin des Tilsiter Museums für Stadtgeschichte Angelika Spiljova. Sie hatte in ihrem Museum mit einer Ausstellung den russischen Bewohnern Tilsits das Leben und Schaffen von Johannes Bobrowski nahegebracht. Er wird auch bei den Russen sehr geschätzt. Die Ausstellung vermittelte anschaulich, wie die Land-schaft am Memelstrom und des baltischen Raumes seine Gedanken und Verse prägten. Wichtig war ihm die Versöhnung und Verständigung mit den östlichen Völkern. Das Museum veranstaltete auch einen Wettstreit mit dem Titel „Wir lesen Bobrowski“, bei dem die Teilnehmer ausgewählte Texte aus seinen Gedichtsammlungen „Sarmatische Zeit“ und „Schattenland Ströme“ deklamierten.

Angelika Spiljova überbrachte dem Bundespräsidenten Grüße aus Tilsit und überreichte ihm einen Bildband mit alten Tilsiter Ansichten.
Hans Dzieran

  

Stadtmuseum ehrt Froese

Das Stadtmuseum in Sovetsk/Tilsit veranstaltete anlässlich des Todes des Musikers Edgar Froese die Wiedergabe des Konzerts „The Electric Mandarine Tour", das er unlängst in Zürich gab. Froese wurde kurz vor Flucht und Vertreibung in Tilsit geboren. Er studierte in Berlin, promovierte über Kants Kategorischen Imperativ und gründete 1967 mit einigen Kommilitonen die Musikgruppe „Tangerie Dream", mit der er zum Pionier der elektronischen Musik wurde. An die 100 Alben charakterisieren sein musikalisches und kompositorisches Schaffen. Am 20. Januar ist er in Wien verstorben. H. Dz.

Abschied von Alfred Rubbel

Am 8. August 2013 verstarb fern seiner geliebten Heimat das Mitglied der Stadtvertretung Alfred Rubbel. Er wurde am 28.10.1921 in Tilsit-Senteinen geboren, besuchte die Herzog-Albrecht-Schule in Tilsit und schloss sie mit der mittleren Reife ab. Mit Ausbruch des Krieges meldete er sich als Freiwilliger zur Panzertruppe und kämpfte an allen Fronten. Nach Kriegsende betätigte er sich zunächst in der Landwirtschaft und trat 1956 in die Bundeswehr ein. Er war bis 1978 im Truppen-, Stabs- und Ausbildungsdienst, zuletzt als Oberstleutnant an der Panzertruppenschule. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr nahm er eine zivile Tätigkeit in der Wehrindustrie auf, bis er mit 70 Jahren in den Ruhestand ging. Alfred Rubbel war aktiv in der Stadtgemeinschaft Tilsit tätig. Er wurde für mehrere Wahlperioden in die Stadtvertretung gewählt. Hier leistete er bis zuletzt eine wirksame Arbeit, besonders für die Umgestaltung des Tilsiter Waldfriedhofs. In enger Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde der Friedhof zu einer würdevollen Kriegsgräberstätte für 900 gefallene deutsche Soldaten geweiht. Auch den deutschen Bürgergräbern und den zivilen Toten der Luftangriffe galt seine unermüdliche Sorge. In Anerkennung und Würdigung seines Einsatzes für die ostpreußische Heimat und für die Stadtgemeinschaft Tilsit wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Alfred Rubbel wird unvergessen bleiben.

   

Abschied von Horst Mertineit

Am 15.Mai 2013 verstarb fern seiner geliebten Heimat der Ehrenvorsitzende der Stadtgemeinschaft Tilsit, Horst Mertineit. Sein Name ist untrennbar mit Tilsit verbunden. 26 Jahre stand Horst Mertineit an der Spitze der Tilsiter Stadtgemeinschaft und erwarb sich bleibende Verdienste um unsere Heimat am Memelstrom. Sein unermüdliches Wirken für die Bewahrung des historisch-kulturellen Erbes der Stadt Tilsit fand die Achtung und Anerkennung der alten und neuen Tilsiter.
                             

Vor 93 Jahren, am 11. September 1919 wurde er in Tilsit geboren. Hier verlebte er eine schöne Jugendzeit und wusste unzählige Geschichten von der Herzog-Albrecht-Schule und  von seiner Lehrzeit bei der Kreissparkasse Tilsit-Ragnit zu berichten. Gern erinnerte er sich, wie er als junger Motorradsportler mit seiner NSU-Quick durch die Tilsiter Straßen knatterte. 1940 wurde er zur Wehrmacht einberufen, zog in den Krieg, erlitt fünf Verwundungen und erlebte als Leutnant und Kompanieführer das Kriegsende. Nach Tilsit gab es kein Zurück. In Schleswig-Holstein schlug sich der Heimatlose als Gelegenheitsarbeiter durch. 1953 heiratete er die Tilsiterin Hannelore Schnoewitz und zog bald darauf nach Kiel, wo er in der freien Wohnungswirtschaft tätig wurde. Ehrenamtlich wirkte er in der Tilsiter Stadtvertretung, die ihn im Jahre 1982 nach dem Tod von Bruno Lemke zum 1. Vorsitzenden wählte.

Seine Amtszeit war geprägt von wichtigen Ereignissen. Nach der Öffnung der Grenzen organisierte er 1991 einen ersten offiziellen Besuch in Tilsit und knüpfte Kontakte zur russischen Stadtverwaltung. Er setzte sich besonders für den Aufbau eines Stadtgeschichtlichen Museums in seiner Heimatstadt, für die Gestaltung des Waldfriedhofs

als würdige Gedenkstätte für alle Toten und für die Rückkehr der bronzenen Statue des Tilsiter Elches ein. Seine guten Beziehungen zur Kieler Stadtverwaltung und zu den russischen Dienststellen in Tilsit führten dazu, dass die Patenschaft Kiel-Tilsit durch eine Städtepartnerschaft  Kiel-Sovetsk zu einem Dreiecksverhältnis ausgebaut wurde.

Auch als im Jahre 2007 im schweizerischen Thurgau ein Ort namens Tilsit gegründet wurde, war Horst Mertineit Geburtshelfer bei der Aufnahme partnerschaftlicher Beziehungen zwischen dem schweizerischen Tilsit und der russischen Stadt Sovetsk, die einstmals Tilsit hieß.
Die Landsmannschaft Ostpreußen würdigte seinen Einsatz für die ostpreußische Heimat mit der Verleihung ihres Goldenen Ehrenzeichens und der Ottomar-Schreiber-Medaille. Eine besondere Ehrung wurde ihm zuteil, als die russische Stadtverwaltung seiner Heimatstadt ihm die Ehrenbürgerwürde verlieh.

Gesundheitliche Probleme zwangen Horst  Mertineit, im November 2008 sein Amt als Vorsitzender der Stadtgemeinschaft niederzulegen. Als Ehrenvorsitzender nahm er bis zuletzt an der Arbeit für sein geliebtes Tilsit regen Anteil. Sein Tod reißt eine schwere Lücke. Horst Mertineit wird unvergessen bleiben. Die Stadtgemeinschaft sieht es als Verpflichtung an, die Arbeit in seinem Sinne fortzusetzen.

  

Rudolf Kukla

wurde am 30. September 1929 in Tilsit als Sohn des Sonderschullehrers Emil Kukla und dessen Ehefrau Else geb. Schipporeit geboren. Der letzte Wohnsitz war in der Fanbrikstraße. Der Besuch der Oberschule für Jungen in Tilsit mußte wegen der kriegerischen Ereignisse abgebrochen werden. Nach einer abenteuerlichen Flucht landete er in Steinburg in Schleswig-Holstein, wo ihm auch der Schulabschluß ermöglicht wurde. Die Berufslaufbahn begann mit der Tischlerlehre, führte als Innenarchitekt über ein berufspädagogisches Studium in den Fächern Holzechnik und Wirtschaft bis zur erworbenen Lehrbefähigung u.a. für die Bereiche Bautechnik und Kunsthistorik. 32 jahre unterrichtete er an den Beruflichen Schulen in Frankenberg an der Eder, wo er wohnte, 1962 heiratete und dort mit Ehefrau Katharina und Tochter Ute lebte. 1992 wurde er als Oberstudienrat pensioniert. Ruheständler wurde er dennoch nicht. Neben seiner Arbeit für die Stadtgemeinschaft Tilsit widmete er sich dank seiner beruflichen Qualifikation in der häuslichen Werkstatt der  Intarsienarbeit. So entstanden z.B. Wandbilder und Schatullen, mit denen er viele Bekannte, darunter auch etlichge Tilsiter erfreute. Nur selten fehlte in diesen künstlerischen Produkten das Tilsiter Stadtwappen und die Elchschaufel. Zu seinen bildhauerischen Arbeiten gehörten Eierbecher, Trockenblumenvasen, Brieföffner und vieles mehr. Ausführlich wurde Rudolf Kukla in Wort und Bild im 24. Und 31. Tilsiter Rundbrief vorgestellt. 

Besonders bei den Lesern des Tilsiter Rundbriefes wurde er durch seine seit vielen Jahren veröffentlichten Geschichten und zahlreichen, humorvoll und spritzig formulierten Gedichte bekannt und beliebt. Seine umfassenden Tilsiter Ortskenntnisse fanden immer wieder ihren Niederschlag in den Rundbriefen.

Alle Tilsiter Rundbriefe auf CD können hier bestellt werden

Eine kleine Auswahl von Intarsienarbeiten

   

Erinnerungen an Horst Gelhaar

Am   5.   Juni   2012   verstarb   der  Tilsiter   Horst  Gelhaar   in   seinem jetzigen Wohnsitz   Melbeck   in   der   Lüneburger   Heide.
 Landsmann Gelhaar   war   Mitglied   der   Stadtvertretung   der   Stadtgemeinschaft Tilsit   e.V.  und   Sprecher   der   Schulgemeinschaft   "Freieheiter Schule".  
Er   wurde  am   11.   August   1929   geboren. Die   meisten   Tilsiter   Schulgebäude   haben   den   Krieg  mit   seinen Folgen  mehr   oder   wenig   beschädigt   überstanden.   Zu   den  wenigen Gebäuden   dieser   Art,   die   nicht  mehr   existieren,   gehört   die Freiheiter   Schule   in   der   Ragniter   Straße,   nicht   weit   vom   Schloßmühlenteich   und   der   Schleusenbrücke   entfernt.   Wie   andere Schulgmeinschaften,   hat   sich   auch   Horst   Gelhaar   zur   Aufgabe
gemacht,   die  Tradition   der   Schule,   die   er   einst   besuchte, zusammen   mit   ehemaligen   Schülerinnen   und   Schülern   zu   pflegen. So   lebt   auch   die   Freiheiter   Schule   in   der  Erinnerung   ihrer "Ehemaligen"   weiter.
Schwerpunkt   der   heimatbezogenen  Arbeit   war   für   den   Schulsprecher die   Vorbereitung   und   Durchführung   von   Schultreffen.   Horst Gelhaar   verstand   es,   die   Programme   der   jeweiligen   Treffen so   vielseitig   und   interessant   zu   gestalten,   daß   die  Anzahl   der Teilnehmer   weitgehend   konstant   blieb.   Entstandene   Lücken   konnten durch   Neuzugänge   anfangs   ausgeglichen   werden,   bis   auch   hier, wie   bei   allen   Heimattreffen,   der   biologische   Prozess   die   Teilnehmerzahlen   spürbar   verrinerte. Für   Horst   Gelhaar   galt   es,   nicht   nur   alte   Erinnerungen   an   den Schulalltag   neu   aufleben   zu   lassen,   sondern   den   Teilnehmern durch   den  Wechsel   der  jeweiligen   Schultreffen   neue   Eindrücke und   neues  Wissen   über   die   verschiedenen  Regionen   zu   vermitteln. So   wurde   beispielsweise   bei   einem   Treffen   in   Kühlungsborn,   in Mecklenburg-Vorpommern,   auch     die   nähere   Umgebung   erkundet. Ein   Schultreffen   in   Bienenbüttel   zwischen   Lüneburg   und   Ülzen wurde   mit   einer   Schiffahrt   auf   der   Ilmenau   und   einem  Ausflug mit   dem  Bus   und   einer  Weiterfahrt   mit   der   Kutsche   nach  Wilsede verbunden.   Zum  Treffen   in  Goslar   gehörte   eine   Busrundfahrt   durch den   Harz   und   in   Schwerin   ein   Ausflug   mit   der   "Weißen   Flotte" über   den   Schweriner   See.   In   Lüneburg   war   der   Besuch   des
Ostpreußischen   Landesmuseums   eine   Selbstverständlichkeit. 
Bei   allen   Schultreffen   kam   neben   dem  Austausch   von Heimaterinnerungen   auch   die  Geselligkeit   nicht   zu   kurz.   Auch Horst   Gelhaar   ist   es   zu   verdanken,   daß   sich   durch     eines   der Schultreffen   zwei   Freundinnen   aus   früherer   Zeit   nach   36   Jahren wiederfanden.   Zu   den   geselligen   Runden   und   zu   allen   Unternehmungen   gehörten   auch   die   Partner   der   ehemaligen   Ostpreußen, die   sich   in   diesem   Kreis   ebenfalls   wohlfühlten.   Wer   Horst   Gelhaar kannte,   der   wußte   auch,   daß   bei   ihm  auch   der   Humor   bei   seinen Unternehmungen   nicht   zu   kurz   kam.   Als   er   sich   einmal,   auf   einem Kindertraktor   sitzend,   auf   einem  Foto   wiedersah,   sagte   er schmunzelnd:   "Man   sieht,   daß   man   auch   in   unserem   Alter   nicht frei   von   Dämlichkeiten   sein   muß.   -   Harmonie     und   Frohsinn   waren auch   bei   allen   Zusammenkünftgen   Trumpf".

Ein   weiteres   Schultreffen   war   wieder   geplant.   Der   Schulsprecher Horst   Gelhaar  konnte   den   Plan   leider   nicht   mehr   umsetzen.
Horst   Gelhaar   hat   sich   um   das   Vereinsleben,   speziell   um   das Vermächtnis   der   Freiheiter   Schule   verdienst   gemacht.   Die Stadtgemeinschaft   Tilsit   e.V.   wird   ihn   in  dankbarer  Erinnerung behalten.
Ingolf   Koehler

   

Totenmaske übergeben

Nikolai Wojstschew, Angelika Spiljowa, Manfred Urbschat Foto: J. Rosenblum

Die Stadtgemeinschaft Tilsit hat den Weltmuseumstag zum Anlass genommen, um im Auftrag des Tilsiters Adam Bobrowski die Totenmaske seines Vaters Johannes Bobrowski in dessen Vaterstadt zu bringen. In einer ein­drucks­vollen Zeremonie übergab Manfred Urbschat, Vorstandsmitglied der Stadtgemeinschaft Tilsit, dem Tilsiter Oberbürgermeister Nikolai Wojstschew die Totenmas­ke des Lyrikers und Schriftstellers. Bei der Übergabe waren zugegen die Direktorin des Tilsiter Stadtgeschichtlichen Museums Angelika Spiljowa, die Vorstandsmitglieder der russischen Gesellschaft Tilsit Anatolij Polunin und Jakow Rosenblum, Vertreter von Kunst und Kultur sowie zahlreiche Journalisten des russischen Fernsehens und der örtlichen Presse. Der Oberbürgermeister würdigte die Totenmaske als ein wertvolles Kulturgut, sowohl für das Tilsiter Stadtgeschichtliche Museum als auch für Tilsit als Ganzes, welche mit Bobrowski eng verbunden sei. Er dankte Adam Bobrowski und allen in der Stadtgemeinschaft vereinten alten Tilsitern für die kostbare Erinnerung an einen der größten Söhne der Stadt am Memelstrom und versprach, dass die russischen Bewohner der Stadt gemeinsam mit den alten Tilsitern das Andenken an Johannes Bobrowski bewahren werden. Zeitlebens war Bobrowski von dem Wunsche beseelt nach der Rück­kehr zu seinen Wurzeln, in die Landschaft des Ostens, die ihn geprägt hatte und aus der er seine poetischen Bilder schöpfte. Nun ist wenigstens seine Totenmaske nach Tilsit gelangt, in jene Stadt, in welcher der Dichter 1917 geboren wurde. H.Dz.

Gedenktafel am Wohnhaus des Dichters Foto: Urbschat

Vor 95 Jahren in Tilsit geboren, der Lyriker und Schriftsteller Johannes Bobrowski

Der in der Tilsiter Grabenstraße 7 geborene Johannes Bobrowski wäre im April dieses Jahres 95 Jahre alt geworden. Er machte sich als Lyriker und Schriftsteller nicht nur in Deutschland einen Namen, sondern wird auch bei den Russen sehr geschätzt. Das Stadtgeschichtliche Museum eröffnete anlässlich seines Geburtstages eine Ausstellung, die den russischen Bewohnern Tilsits und deren Gästen das Leben und Schaffen des Künstlers nahebringen soll. Gegenstand seiner Gedanken und Verse war die Landschaft am Memelstrom und des baltischen Raumes, die für ihn eine prägende Rolle spielte. Wichtig war ihm die Versöhnung und Verständigung mit den östlichen Völkern. Das Museum veranstaltet auch einen Wettstreit mit dem Titel „Wir lesen Bobrowski“, bei dem die Teilnehmer ausgewählte Texte aus seinen Gedichtsammlungen „Sarmatische Zeit“ und „Schattenland Ströme“ deklamieren. Die Vortragenden werden von einer Jury bewertet und mit Preisen bedacht. H.Dz.

 

 

Ehrenmitgliedschaft der Stadtgemeinschaft Tilsit für Alfred Rubbel

Alfred Rubbel wurde am 28.10.1921 in Tilsit-Senteinen geboren. Er besuchte die Herzog-Albrecht-Schule in Tilsit und schloss sie mit der mittleren Reife ab. Mit Ausbruch des Krieges meldete er sich als Freiwilliger zur Panzertruppe und kämpfte an allen Fronten. Nach Kriegsende betätigte er sich in der Landwirtschaft und machte eine landwirtschaftliche Ausbildung bis zum Meisterabschluss.1956 trat er in die Bundeswehr ein. Er war bis 1978 im Truppen-, Stabs- und Ausbildungsdienst, zuletzt als Oberstleutnant an der Panzertruppenschule. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr nahm er eine zivile Tätigkeit in der Wehrindustrie auf, bis er mit 70 Jahren in den Ruhestand ging. Alfred Rubbel ist aktiv in der Stadtgemeinschaft Tilsit tätig. Er wurde für mehrere Wahlperioden in die Stadtvertretung gewählt. Hier leistete er eine wirksame Arbeit, besonders für die Umgestaltung des Tilsiter Waldfriedhofs. In enger Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde der Friedhof zu einer würdevollen Kriegsgräberstätte für 900 gefallene deutsche Soldaten geweiht. Auch den deutschen Bürgergräbern und den zivilen Toten der Luftangriffe galt seine unermüdliche Sorge. Im vergangenen Jahr beging Alfred Rubbel bei körperlicher und geistiger Frische seinen 90. Geburtstag. In Anerkennung und Würdigung seines Einsatzes für die ostpreußische Heimat und für die Stadtgemeinschaft Tilsit wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Herzlichen Glückwunsch !

Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreussen in Silber für Manfred Urbschat

Manfred Urbschat musste im Alter von acht Jahren seine Heimatstadt Tilsit verlassen. Die Familie wurde von der Roten Armee überrollt und gelangte später nach Mecklenburg. Hier besuchte er die Oberschule in Bad Doberan, machte das Abitur und schlug die Offizierslaufbahn ein. Nach dem Studium an der Offiziersschule für Nachrichtentechnik diente er 30 Jahre bei den Luftstreitkräften der NVA als technischer Offizier für Flugsicherungstechnik.
Im Fernstudium erwarb er an der TU Dresden die Abschlüsse als Dipl.-Ing. für Hochfrequenztechnik und als Fachingenieur für Mikroprozessortechnik.
Nach der Versetzung in die Reserve ging er zur Deutschen Post und leitete die Abteilung Funkwesen bei der Bezirksdirektion Cottbus.
In der Wendezeit wurde er vom Bundesamt für Post und Telekommunikation übernommen, bis er 1999 in den Ruhestand ging.
Mit der Stadtgemeinschaft Tilsit besuchte er seine Heimatstadt und trat der Landsmannschaft Ostpreußen bei. Bei Heimattreffen und Ausstellungen übernahm er zahlreiche technisch-organisatorische Aufgaben und wurde in die Stadtvertretung gewählt. In seiner Wahlfunktion setzte er sich für die Modernisierung der Öffentlichkeitsarbeit ein und schuf eine Homepage    „Tilsit-Stadt“, die sich großer Wertschätzung erfreut. Mit organisatorischem Geschick klassifizierte er das Tilsiter Archiv und machte es nutzerfreundlich.
Darüber hinaus digitalisierte er sämtliche bisher erschienenen Tilsiter Rundbriefe auf CD und ermöglichte ihre Zugriffsbereitschaft und deren Erhalt für die Zukunft. 2009 wurde Manfred Urbschat zum Mitglied des Vorstands der Stadtgemeinschaft Tilsit gewählt. Auf dem Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Erfurt 2011 repräsentierte er die Stadtgemeinschaft mit einem attraktiven Informationsstand.
Nach dem plötzlichen Ausfall des Karteiführers übernahm er zusätzlich die Aufgabe, die Heimatkartei in Ordnung zu bringen, die Adresslisten für den Versand der Heimatbriefe zu aktualisieren und sicherte in einer kritischen Situation den Fortbestand der Arbeit.
Für seine Verdienste und sein aktives heimatpolitisches Wirken hat die Landsmannschaft Ostpreußen Manfred Urbschat mit dem Ehrenzeichen in Silber ausgezeichnet. Im Auftrag des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat, überreichte der Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Tilsit  Hans Dzieran auf der Tagung des Vorstands im Januar 2012 die hohe Auszeichnung.

Herzlichen Glückwunsch!

Foto. Rosenblum

Der deutsche Schauspieler, Musiker, Maler und Autor Armin Mueller-Stahl (80) ist zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Tilsit, dem heutigen Sovjetsk, ernannt worden.

Ansprache von Generalkonsul Dr. Aristide Fenster
anlässlich der Verleihung
der
Ehrenbürgerwürde der Stadt Sowjetsk
an Armin Mueller-Stahl am 7. Dezember
2011

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Woischtschew,
sehr geehrter Herr Dumagebietsabgeordneter Arbarjus
sehr geehrte Frau Schpiljowa,
verehrter Herr Mueller-Stahl,
sehr geehrte Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude und Ehre, Sie heute in Sowjetsk begrüßen zu
dürfen. Ich komme stets sehr gerne in diese wunderbare Stadt, die untrennbar
mit dem Tilsiter Frieden und mit Königin Luise verbunden ist.
Der heutige Anlass ist besonders erfreulich, denn es kommt wirklich nicht jeden
Tag vor, dass ein Deutscher die Ehrenbürgerwürde einer Stadt im Kaliningrader
Gebiet verliehen bekommt. Es ist hauptsächlich der Initiative der
Museumsdirektorin Anschelika Schpiljowa und dem Engagement von
Bürgermeister Nikolaj Woischtschew zu verdanken, dass der Schauspieler,
Maler, Musiker und Schriftsteller Armin Mueller-Stahl mit dieser Auszeichnung
geehrt wird. Die Stadt an der Memel bekundet damit ihre Wertschätzung für
einen großen Sohn, einen Humanisten und Weltburger aus Tilsit.
Sowjetsk ist nur dem offiziellen Namen nach die sowjetischste Stadt des
Kaliningrader Gebiets. Schon langst hat Sowjetsk nationalistischen Ballast
abgeworfen und das multikulturelle Erbe der Region wiederentdeckt. In
Sowjetsk hat man erkannt, dass die Einbindung des Kaliningrader Gebiets in die
Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedsstaaten nur möglich ist, wenn man sich
gleichzeitig die Geschichte und das kulturelle Erbe der Region aneignet.
Sowjetsk ist eine russische Grenzstadt mit einer langen preußisch-litauischen
Geschichte. Die Auszeichnung für Armin Mueller-Stahl schlägt diesen Bogen
von der Vergangenheit in die Zukunft.
Verehrter Herr Mueller-Stahl,
lassen Sie mich Ihnen sehr herzlich zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde der
Stadt Sowjetsk gratulieren. Ihr Leben war reich an Abschieden und
Neuanfängen, reich an Erfolgen und Auszeichnungen. Die heutige Ehrung ist
von ganz besonderer Qualität. Sie bezieht sich auf Ihre Wurzeln, auf Ihre
Herkunft aus Tilsit. In Ihrer Geburtsstadt waren Sie als Kind immer umgeben
von Kunst und Musik. Das hat zur Entfaltung Ihrer Talente in vielen Bereichen
beigetragen und Sie entscheidend geprägt.
Auf der Suche nach der Heimat, "Unterwegs nach Hause", so der Titel Ihrer
Erinnerungen, sind Sie zum Brückenbauer geworden, zunächst zwischen den
beiden Deutschlands, danach über den Atlantik hinweg zu den Vereinigten
Staaten von Amerika. Für einige Tage sind Sie jetzt sogar zu Ihren Anfangen im
ostpreußischen Tilsit zurückgekehrt, zum ersten Mal nach sage und schreibe 75
Jahren. Darüber freuen wir uns sehr. Ihre Reise ist ein außergewöhnliches
Ereignis. Denn eine sehr lange Zeit wollten Sie nicht in Ihre Geburtsstadt
reisen. Sie selbst haben einmal geschrieben: "...immer nach West, immer nach
West.... Tilsit, Prenzlau, Berlin, Hamburg, Los Angeles... Solange man immer
nur nach West will, ist die Welt nicht in Ordnung. Erst wenn auch
entgegengesetzt aufgebrochen wird, Richtung Moskau, wird die Welt in
nung gekommen sein". Jetzt geht es auch Richtung Ost. Das hat die Stadt
Sowjetsk möglich gemacht. Die Welt ist demnach ein Stück weiter in Ordnung
gekommen.
Verehrter Herr Mueller-Stahl,
ich wünsche Ihnen Gesundheit, Glück und weiterhin Schaffenskraft.
Herzlichen Dank!

 

Stimmen und Kommentare


 FOCUS Online: Armin Mueller-Stahl Ehrenbürger seiner Heimatstadt -

Mueller-Stahl („Buddenbrooks“) nahm die Auszeichnung am Mittwoch bei einem Festakt in der Musikschule der russischen Grenzstadt an der Memel entgegen. Es erfülle die Einwohner mit Stolz, dass ein solch berühmter Künstler, Weltbürger und Kulturbotschafter aus ihrer Stadt komme, sagte Bürgermeister Nikolai Woischtschew. Mueller-Stahl hatte die Stadt im damaligen Ostpreußen seit 1938 nicht mehr besucht und stand sichtlich bewegt vor seinem Elternhaus in der einstigen Lindenstraße.
Er habe Tilsit immer im Innersten bei sich getragen, und auch die Reise in das heute russische Sowjetsk sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagte der Künstler in seiner Dankesrede. Bewusst sei ihm das erst geworden, als er von der geplanten Ehrung erfuhr. „Man blickt auf sein Leben von hinten aus zurück, doch man lebt es von seinem Anfang aus.“ Er wünsche Sowjetsk „jenen ewigen Frieden, der Tilsit nicht vergönnt war“, sagte Mueller-Stahl, der in der Stadt am 17. Dezember 1930 geboren worden war.

Es ist das erste Mal, dass eine Stadt in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad um das ehemalige Königsberg einen Deutschen zum Ehrenbürger ernennt.

Bemerkung:
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Deutscher Ehrenbürger der Stadt Sowetsk wird.
siehe Ausschnitt aus dem 38. Tilsiter Rundbrief von 2008/09

 

Armin Mueller-Stahl Ehrenbürger in Russland
Von Thoralf Plath, dpa
Sowjetsk
Der alte Volkspark Jakobsruh weckt bei Armin Mueller-Stahl Erinnerungen, die tief verschüttet schienen. Plötzlich sieht sich der 80-Jährige wieder als kleiner Junge mit seinem Schlitten einen Hügel heruntersausen.
«Hier auf diesem Weg hab ich Fahrradfahren gelernt», erzählt der Schauspieler. Es ist ein trüber Tag im Dezember, in der Nacht zuvor hat es leicht geschneit. Still ist es zwischen den hohen Buchen im Stadtpark von Sowjetsk, einer Kleinstadt mit 40 000 Einwohnern in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad. Mueller-Stahl denkt an ferne Kindertage: «Es ist alles noch da. Nur die Menschen von damals fehlen.»

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Sowjetsk Teil von Deutschland und hieß Tilsit. Hier kam Armin Mueller-Stahl am 17. Dezember 1930 zur Welt. Nur acht Jahre blieb die Familie noch im damaligen Ostpreußen, dann siedelte sie nach Westen um, ins uckermärkische Prenzlau. 73 Jahre dauerte es, bis Mueller-Stahl in seine Geburtsstadt zurückkehrte - die ihn nun zum Ehrenbürger ernennt. Es ist das erste Mal, dass eine Stadt in dem Gebiet rund um das frühere Königsberg einem Deutschen eine solche Auszeichnung verleiht. Im Stadtrat haben alle Fraktionen dieser Ehrung zugestimmt, sogar die Kommunisten.

Sowjetsk hat keine Berührungsängste mit seiner Geschichte. Seit Jahren bemüht sich die Stadt an der Grenze zu Litauen darum, wieder den historischen Namen führen zu dürfen. Noch aber sperrt sich Moskau gegen ein Referendum. Auch alte Traditionen leben auf, bald wird ein russisch-schweizerisches Unternehmen mit der Produktion des berühmten Tilsiter Käse am Ort seiner Erfindung beginnen.

Für Anschelika Spilowa, die junge Direktorin des Stadtmuseums, ist es einer der glücklichsten Tage in ihrem Leben - «wie Geburtstag, Weihnachten und Frauentag zusammen». Sie hatte die Ehrung des deutschen Schauspielers, Musikers und Schriftstellers vorgeschlagen. Ihr Museum, das liebevoll auch das Andenken an die ostpreußische Geschichte der einst blühenden Handelsstadt pflegt, holte Zeichnungen Mueller-Stahls für eine Sonderausstellung an die Memel. Die Schau wurde ein großer Erfolg.

Spilowa begleitet Mueller-Stahl auf seiner Reise in die Kindheit. Den Weg vom Park zu seinem einstigen Elternhaus in der Lindenstraße findet der Deutsche auch allein. Gedankenverloren steht er vor der Eingangstür, blickt immer wieder zu den Fenstersimsen der Wohnung hoch, wo die Familie wohnte. Die Lindenstraße heißt heute Uliza Lomonossowa, nach dem berühmten russischen Naturwissenschaftler. Ein schöner Name, findet Mueller-Stahl, und freut sich, dass die Linden immer noch stehen und viel von den alten Jugendstilfassaden erhalten geblieben ist. «Die Stadt verdient es, wieder so schön zu werden wie früher. Es wird ja inzwischen einiges getan dafür, das ist zu sehen.»

Die Museumsleiterin bietet an, an der Wohnung zu klingeln. Vielleicht könne man ja kurz hinein, aber Mueller-Stahl lehnt dankend ab. «Er möchte die Bilder von damals im Kopf behalten», sagt seine Frau Gabriele. Sie hält sich im Hintergrund, lässt ihrem Mann Raum für seine Zeitreise. Der bleibt lange stehen, wechselt die Seite, blickt den Gehweg entlang, lächelnd, aber sichtlich bewegt.

Im Saal der Musikschule bleibt kein Platz frei, als der Bürgermeister Nikolai Woischtschew die Ehrenbürgerurkunde überreicht. In seiner Laudatio spricht er von der Freude, «dass ein so berühmter Schauspieler, Weltbürger und Botschafter der Kultur aus unserem Tilsit kommt». Mueller-Stahl hat ein Geschenk dabei: eine Mappe mit Originalzeichnungen, Illustrationen für den «Urfaust». Tilsit habe er immer im Innersten bei sich getragen, sagt er. «Man blickt von hinten auf sein Leben zurück, doch man lebt es aus seinem Anfang heraus.»

Aus: Fuldaer Zeitung

 

 

StadtpräsidentinKietzer bei der Übergabe der Ehrenbürgerschaftsurkunde an Horst Mertineit
Als Geschenk brachte die Stadtpräsidentin einen in Rußland hergestellten Kalender mit. Fotos: Duglas Leon

2008, Horst Mertineit wurde Ehrenbürger seiner Heimatstadt

Kurz vor ihrer Abreise aus der Partnerstadt Sowjetsk/Tilsit, nahm Kiels
Stadtpräsidentin, Frau Kathy Kietzer noch an einen Festakt teil. Hier
durfte sie die Ehrenbürgerschaftsurkunde für den Vorsitzenden der
Stadtgemeinschaft Tilsit nach Kiel mitnehmen. So folgte einige
Tage später, nämlich am 22. September 2008 ein weiterer
Festakt im Kieler Rathaus, im Amtszimmer der Stadtpräsidentin. Hier
wurde Horst Mertineit die Ehrenbürgerschafturkunde mit einer Medaille
von der Kieler Stadtpräsidentin überreicht.
Anwesend bei diesem Festakt waren die Oberbürgermeisterin der
Landeshauptstadt Kiel, Frau Angelika Volquartz, Vertreter der
Rathausfraktionen, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Bürgermeister
Heinze aus Mönkeberg, dem Wohnort von Mertineit, die Presse
und nicht zuletzt die Familie mit Ehefrau sowie mit Tochter und
Schwiegersohn, die beide aus Australien angereist waren.

Damit ist Horst Mertineit der erste deutsche Ehrenbürger seiner
Heimatstdadt. Diese Ehrenbürgerschaft ist die höchste Auszeichnung,
die die Stadt Sowjetsk vergibt. Sie unterstreicht damit die Leistung
von H. Mertineit für seine Heimatstadt und für die Kontaktpflege
mit der  heutigen Stadt Sowjetsk und seiner Bevölkerung.
Mit viel Geduld und diplomatischem Gespür habe er als einer
der ersten Deutschen den Kontakt zu den Bürgern von Sowjetsk
aufgebaut und maßgeblich dazu beigetragen, dass Kiel und Sowjetsk
1992 eine S t ä d t e p a r t n e r s c h a f t beschlossen. Daneben
besteht die Patenschaft Kiel-Tilsit bereits seit 1954.
Da Horst Mertineit aus gesundheitlichen Gründen die Urkunde
in Tilsit nicht persönlich entgegen nehmen konnte, richtete
der dortige OB ein Schreiben an Mertineit.

Hier die Übersetzung:
„Sehr geehrter Herr Mertineit, im Namen der Einwohner der Stadt
Sowjetsk und in meinem eigenen Namen gratuliere ich Ihnen zum
Geburtstag. Ich wünsche Ihnen Glück, Gesundheit, Kraft und alles Gute.
Gleichzeitig möchte ich Sie zur Verleihung des Titels EHRENBÜRGER
DER STADT SOWJETSK beglückwünschen. Dieser Titel ist ihnen auf
Beschluß des Stadtrates verliehen worden für das langjährige Wirken
zur Annäherung unserer Völker, zur Festigung der Verbindung mit der
Patenstadt Kiel und für die große humanitäre Hilfe, die mit Ihrer
Unterstützung den Vorschuleinrichtungen unserer und Ihrer Stadt erwiesen
wurde. Ich hoffe auf eine baldige Begegnung mit Ihnen und bin überzeugt,
daß Sie auch weiterhin viel tun werden für unsere Stadt, deren
vollberechtigter Bürger sie waren und weiterhin sind.
VE. E. Smilgin 
Oberbürgermeister der Stadt Sowjetsk"

Zu dieser Ehrung sagte Horst Mertineit beim Festakt im Kieler Rathaus u.a.:
„Ehre ist ein Wort, das ich aufgrund meiner preußischen Erziehung
nicht so gerne höre, aber über Dank und Anerkennung freue ich mich
sehr. Mein persönlicher Dank gilt auch den Menschen der Stadtgemeinschaft
Tilsit, den Bürgern der Stadt Kiel und den Freunden in Sowjetsk,
ohne deren Hilfe ich niemals so viel erreicht hätte."

Herzliche Gratulation Horst Mertineit-Tilsit!

Ingolf Koehler in Tilsiter Rundbrief Nr 38, Seite 152

Sehen Sie auch: Alle Tilsiter Rundbriefe auf CD

 

Armin Mueller-Stahl wurde 80 und Ehrenbürger von Schleswig-Holstein

Universalgenie, Weltstar, vielschichtiges Individuum: Ministerpräsident Peter Harry  Carstensen fand viele Worte für Armin Mueller-Stahl. Während einer Feierstunde im Lübecker Theater wurde der Schauspieler, Maler, Schriftsteller und Musiker zum Ehrenbürger Schleswig-Holsteins ernannt.

Armin Mueller-Stahl, Weltbürger nach Überzeugung und Deutscher von Geburt, mit Wohnsitz in Kalifornien und Berlin, lebt seit 1983 in Schleswig-Holstein, in Sierksdorf, einem kleinen Ort an der Ostsee, in dem er Ruhe und Diskretion findet.

Vielleicht wohnt der gebürtige Tilsiter gern in Schleswig-Holstein, weil es mit Natur, Landschaft, der Lage an der Ostsee und seinen Menschen an das Ostpreußen von damals erinnert.

Anläßlich seines 80. Geburtstages wird der überragende Künstler von vielen Institutionen und Medien geehrt. Seine Biografie und seine Leistungen werden ausführlich beschrieben. Uns bleibt, ihn zu schildern, wie wir ihn erlebt haben, wie unkompliziert und menschlich er ist.

Im 31. Tilsiter Rundbrief (Ausgabe 2001) beschreibt unser Ehrenvorsitzende Horst Mertineit einen Besuch Armin Mueller-Stahls bei der Stadtgemeinschaft Tilsit.

Armin Mueller-Stahl - ein Sohn Tilsits

Armin Mueller Stahl wurde am 17. Dezember 1930 in Tilsit geboren.
Im Jahr der achtzigsten Wiederkehr seines Geburtstages gibt es Ehrungen, Auszeichnungen und Ausstellungen in vielen Ländern in allen Variationen.
Was bleibt uns Tilsitern?
Tilsit war sei Geburtsort und für die ersten zehn Jahre seines Lebens seine Heimatstadt.
"Wir sind nicht vemessen genug zu behaupten, Armin Mueller-Stahl sei so gut, weil seine Wiege in Tilsit stand. Man möge es uns aber nicht verübeln, wenn wir angemessen stolz darauf sind, dass "einer der unseren" es so weit gebracht hat und Feststellen: Armin Mueller-Stahl hat sich um das Ansehen unserer Heimatstadt Tilsit verdient gemacht.
Wir grüßen unseren Landsmann und wünschen ihm noch viele Jahre voller Schaffenskraft, Erfolg und Lebensfreude. Wie sagt man doch in Künstlerkreisen (über die Schulter hinweg) Toi, toi, toi"
Diese Worte schrieb Werner Szillat, auch ein "Tilsiter Junge" 1985 im 15. Tilsiter Rundbrief, sie haben auch heute volle Gültigkeit. Das gilt auch für die Feststellung Werner Szillats, dass der weltbekannte und berühmte Künstler trotz aller Erfolge und Ehrungen eines geblieben ist, natürlich, sympatisch, liebenswert, kurz ein Mensch wie du und ich.
Den ganzen Beitrag, wie ein Tilsiter den Tilsiter Künstler erlebt, können Sie hier lesen.

 

Armin Mueller-Stahl in Sovetsk/Tilsit

Nicht er selbst ist in Sovetsk/Tilsit aber seine Grafiken in einer Ausstellung im Museum der Geschichte der Stadt Sowetsk/Tisit.

Armin Mueller-Stahl baut, wie er selbst sagt, mit seiner Kunst Brücken über Gräben, die Politiker aufgerissen haben und trägt mit seinem Werk zur Völkerverständigung bei.
Die Stadtgemeinschaft Tilsit nimmt Anteil am Leben in der Stadt Sovetsk/Tilsit und unterstützt mit Ihren Möglichkeiten die Bürger in Sovetsk bei der Findung der Vergangenheit ihrer/unserer Stadt.
Mit Freuden haben wir vernommen, dass in Sovetsk/Tilsit Bilder von Armin Mueller-Stahl in einer Ausstellung gezeigt werden.

Von Anzhelika Shpilyova erhielten wir dazu Bilder und folgenden Bericht:

"Die Vernissage zur Ausstellung von Armin Mueller-Stahl war das Programm des Museums der Geschichte der Stadt Sovetsk / Tilsit fuer die Nacht der Museen 2010. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Saitenquartett Bernstein. Weiterer Programmpunkt war eine Retrospektive von Filmen mit Armin Mueller-Stahl und Ende der Veranstaltung war am naechsten Morgen um 06.00 Uhr."

Bilder von der Vernissage

Eröffnung Museumsnacht Foto Svetlana Koslovskaja
Vernissage Foto Svetlana Koslovskaja
TV-Interview Foto Igor Ivlev
Filmvorführung
Fotos Igor Koslovskij
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