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Samstag, 29. April 2017

Balgaer Späßchen und andere Geschichten:

• In meiner Schulzeit ließ das Gut Balga für die Gutsmolkerei Eis vom Haff holen. Albrecht von Glasow bekam daraufhin eine Rechnung vom Hafenbauamt Pillau für das entnommene Eis. Auf den Brief, den er an das Hafenbauamt schrieb, er würde im Sommer dafür Wasser in das Haff fahren lassen, erhielt er keine Antwort, auch keine Mahnung.
E. Mallien 

• Während des 1. Weltkriegs hatten meine Eltern meine Tante und einen Vetter aufgenommen. Mein Vetter von etwa 10 Jahren besuchte die Schule in Balga. Da der Kantor Besmöhn krank war, vertrat ihn Lehrer Paul Gerlach, Kahlholz. Dieser war auf die Stadtkinder nicht besonders gut zu sprechen. So betitelte er einmal meinenVetter mit dem ostpreußischen Ausdruck: „Du Kumstkopf!“ Er kam stolz nach Hause und erzählte: „Mutti, der Lehrer hat mich heute Kunstkopf genannt.“
E. Mallien

 •  Mitten im Dorf Balga lag der Katzenteich; er hatte kein Grundwasser, in ihn floß das Wasser von den Straßen hinein. Wenn der Grog den Gästen im Gasthaus Pultke besonders gut schmeckte, erzählte Fritz Pultke, das Wasser dazu hätte Roschen, seine Frau, aus dem Katzenteich geholt.
E.Mallien

 •  Das Blei geht um
Heute, im Zeitalter der Technik, in welchem Nachrichten schnellstens übermittelt werden können, denke ich daran, wie man früher in unserem Dorf Nachrichten bekannt gab, die sich schnell verbreiteten. Durch meine Tätigkeit im Gemeindeamt war mir diese Praxis sehr bekannt.

Unser Dorf, mit mehr als 700 Einwohnern, war für diesen Zweck in 4 Teile geteilt. Im Gemeindeamt befanden sich 4 Holztafeln, etwas größer als DIN A4. Sollte nun eine Bekanntmachung in der Gemeinde verbreitet werden (z.B. Steuerzahlung, Versammlung oder Ähnliches) wurde diese getippt und mit Reiszwecken auf das Brett geheftet. Diese Bretter gingen von Haus zu Haus, wurden schnell gelesen und weitergegeben. Man sagte: „Das Blei geht um“.

Schon nach einigen Tagen wurden diese Bretter vom letzten Hausbesitzer des eingeteilten Viertels zum Gemeindeamt zurückgebracht und jeder Einwohner war informiert.
Heute könnte man sich diese Art von Bekanntmachung nicht mehr vorstellen, aber es war damals eine einfache, ausreichende Methode die keine Kosten und kaum Zeit verursachte.
Eva Droese

Urlaub auf dem Bauernhof - Anno dazumal

Die Frau Geheimrätin wünscht ihren Sommeraufenthalt  in der Gegend von Rauschen  zu verbringen. Da sie weiß, daß der Andrang sehr groß sein wird, reist sie schon vor der Saison an, um sich ein Zimmer zu mieten. Vom Dorfschulzen geleitet, findet sie ein Zimmer nach ihrem Geschmack, nimmt es und reist wieder ab. Zu Hause angekommen fällt ihr ein, daß sie vergessen hat zu fragen, ob ein WC vorhanden ist. In einem Brief an den Dorfschulzen bittet sie um Auskunft.
Der Dorfschulze zerbricht sich den Kopf, was ein WC wohl sein kann. Er geht zum Pastor und fragt den um Rat. Dieser meint nach einigem Nachdenken, daß damit wohl die Wald-Kapelle gemeint sei. Ganz befriedigt kehrt der Dorfschulze heim und schreibt folgenden Brief:

Sehr geehrte, gnädige  Frau Geheimrätin!

Auf Ihre Anfrage teile ich Ihnen mit, daß WC vorhanden ist. Es liegt eine Stunde vom Hause entfernt, inmitten eines prächtigen Waldes. Schon wegen seiner gesunden Lage sehr zu empfehlen. WC ist geöffnet am Mittwoch und Sonnabend. Es empfiehlt sich, eine Stunde früher da zu sein. Da der Andrang sehr groß ist. Doch können Frau Geheimrätin beruhigt sein, da 60 Sitzplätze vorhanden sind. Bei schönem Wetter empfiehlt sich der Besuch ganz besonders, da die Veranstaltungen mit Orgelbegleitung vor sich gehen. Wir werden uns erlauben, der gnädigen Frau Geheimrätin einen Platz zu reservieren. Die Akustik ist an einer Stelle ganz besonders hervorragend und von vielen Kennern bewundert. Selbst der zarteste Ton ist in allen Ecken hörbar und verbreitet ein 1000 faches Echo.
Ein Gefühl der Andacht überkommt einen, daß man in Demut die Knie beugt.

Wir haben hier für unsere Besucher, denen der Weg zu zeitraubend ist, einen Omnibusverkehr eingerichtet.

Der Dorfschulze

 

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