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Samstag, 29. April 2017

Balga im Mai 1945

von Frida Thiel aus Balga

Im Mai 1945 sind wir nach Balga zurückgekehrt. Das Dorf bot einen trostlosen Anblick. Das Kurhaus war erhalten geblieben und noch einigermaßen bewohnbar, wurde jedoch später von den Russen in Brand gesteckt. Sie veranstalteten öfter so ein Freudenfeuer, dem noch die wenigen erhaltenen Häuser zum Opfer fielen. Die Mauern der Burgruine und der neue Burgkrug waren ebenfalls zerstört. Der Turm der Ruine stand, wurde von uns aber nicht betreten, da die Gefahr des Einsturzes gegeben war. Nach drei Wochen mußten wir auf Befehl der Russen Balga verlassen, da sie dieses  Gebiet einschließlich Kahlholz zum Bombenabwurfziel erklärten. Später haben wir dann von Heiligenbeil aus einzelne „Raubzüge“ nach Balga und Kahlholz unternommen, um uns dort Beeren und Fische, die am Haffstrand angeschwemmt waren, zu suchen.

 

Balga im Mai 1945

von Walter Tolkmitt

Am  09.04.1945   wurde ich in Königsberg vom Russen gefangen genommen und am 12. April nach dem Gefangenenlager Stablack in Marsch gesetzt, wo wir nach 2 Tagen eintrafen. Nach 14 Tagen marschierten wir eines Morgens los und gelangten in der Nacht des 2. Marschtages an die Haffküste. Von den über 1000 Mann kamen 600 nach Balga, die übrigen nach Rosenberg und Follendorf. Unsere Aufgabe war das Vergraben der Pferdekadaver, die zu Hunderten auf dem Schlachtfeld der 4. Armee herumlagen und teilweise bereits in Verwesung übergingen. Unser Arbeitsgebiet das Kahlholzer Feld und der Schneckenberg. Die Arbeit begann morgens um 6 Uhr bis nachmittags ½5 Uhr, dann war 1½ Stunden Mittagspause und dann von 6 Uhr abends noch bis 9 Uhr abends, bis wir dann das Nachtlager erreichten, war die Sonne schon im Haff versunken.  –  Die Kirche ist im Dachstuhl auch beschädigt. Die Fenster sind sämtlich zerstört. Die Burgruine hat auch den halben Turn verloren und der neue Burgkrug ist total niedergebrannt. An den ganzen Bergabhängen bis nach Kahlholz zu war Loch an Loch von den Landsern gebuddelt worden, wo sie vor dem Bombenhagel Schutz gesucht haben. Die ganzen Kahlholzschen Felder lagen voll Trümmer von Fahrzeugen, Geschützen, Feldküchen und allem möglichen Gerät. Ein wüstes Bild der Zerstörung!  Mehl, Hülsenfrüchte, Brot, ja selbst Speck lagen auf den Feldern herum, so dass die Dorfbewohner für die erste Zeit nicht zu hungern brauchten.

 

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