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Donnerstag, 23. März 2017

Die Ordensburg Balga - Geschichte

Im Jahre 1238 unternahm der Deutsche Ritterorden mit zwei Schiffen, „Pilgrim“ und „Friedland“, die ihm der Markgraf Heinrich von Meißen geschenkt hatte, eine Erkundungsfahrt von Elbing aus über das Frische Haff in die Gegend von Balga. Auf hohem Haffufer erblickten die Ordensritter eine stark umwehrte prußische Feste, die Haff und Land beherrschte.
Ein Angriff auf sie misslingt; der Orden erleidet eine Niederlage. Deshalb unternehmen Ordens- und Kreuzfahrer im nächsten Jahre 1239 eine neue Fahrt nach der Burgfeste. Nach hartem Kampfe und mit Hilfe des prußischen Führers Kodrune, der zum Verräter an seinem Volke wird, fällt die Burg in die Hände des Deutschen Ordens. Sie, die erste deutsche Burg auf „alt-ostpreußischem Boden“, wird Ausgangsbasis für die Eroberung des Preußenlandes. Der Landmeister lässt sie noch in demselben Jahre ausbauen. Seit der ersten Erwähnung wird sie Balge oder Balga genannt. Ungewiss bleibt es, ob sie vorher Honeda hieß.

Der deutsche Name Balge, Balga, in alter Zeit oft auch Balige, Balyge, Ballge u. ä. geschrieben, geht wahrscheinlich auf das niederdeutsche Balge zurück, das soviel wie Wasserstraße, Meerbusen oder auch sumpfige Gegend bedeutet. Das Ordenshaus lag unmittelbar auf dem 30 m hohen Steilufer des Haffs und war im Süden und Osten von einem Sumpfgürtel umgeben. Das Hoppenbrucher Mühlenfließ, das südlich der Bergburg ins Haff mündet, und die Wolitte, später Schiffsgraben genannt, waren Balgen, die zur Namensgebung angeregt haben mögen.  Die Mündung der Wolitte wurde zum Hafen für die Ordensschiffe ausgebaut, die bis in die Nähe des Hauses Balga fahren konnten. Das Nehrungstief (Wasserstraße) Balga gegenüber entstand erst im ersten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts, und das weit entfernte Tief bei Lochstädt dürfte für die Namengebung ebenfalls kaum in Frage kommen.

Die günstige und beherrschende Lage Balgas machte die Ordensburg zum “Schlüssel zu den östlichen Landschaften“ des Preußenlandes. Dessen waren sich die Prußen wohl bewußt und versuchten deshalb, sie zurückzuerobern. Sie schlossen die Burg ein, erbauten die Wehrfesten Partegal und Schrangenberg und wollten Balga aushungern. Die Besatzung geriet in äußerste Not. Da erschien zu Beginn des Winters 1239 eine Kreuzfahrerflotte unter der Führung des Herzogs Otto, das Kind von Braunschweig und Lüneburg; Hamburger Bürger hatten ihm geholfen, die Flotte zu erbauen.

Herzog Otto besiegte mit Hilfe der Ordenskrieger und des prußischen Edlen Pomande die vereinte Mannschaft der Warmier, Natanger und Barter. Die Sieger zogen vor die feindlichen Festen Partegal und Schrangenberg, nahmen sie ein und zerstörten sie.  Ihre Bergkegel sind noch heute bei Partheinen (der Nußberg) und bei Groß Hoppenbruch (der Schrangenberg) erhalten. Der Herzog kehrte erst nach Jahresfrist nach Niedersachsen zurück. Die Ordensritter eroberten von Balga aus die umliegenden Gaue und sicherten sie durch Burgen. Schon damals dürfte mit dem massiven Ausbau Balgas begonnen worden sein. Mehrmals hat sich das Ordenshaus Balga als starkes Bollwerk bewährt. Als der Pommernherzog Swantepolk mit den abgefallenen Prußen  Pogesanien, Warmien und Natangen verheerte,  widerstanden Elbing und Balga.

Nachweisbar seit 1250 war Balga Sitz eines Komturs (Geistlicher Befehlshaber) und eines Ritterkonvents. Im Jahre 1251 bestimmte Eberhard von Sayn, der Stellvertreter des Landmeisters, das Ordenshaus Elbing zum Haupthaus in Preußen und zur Stätte der großen Kapitel; zu diesen sollten in wichtigen Fällen je mindestens acht Brüder von Balga und von Christburg hinzugezogen werden. Das spricht für die große Bedeutung Balgas.

Balga blieb während des großen Aufstandes der Prußen von 1260 bis 1273 uneinnehmbar. Im Jahre 1261 wurde es nach dem für den Orden unglücklichen Schlacht bei Pokarben am 22. Januar vergebens belagert; es hielt auch in den folgenden Jahren stand, und als Monte und Glappe, die Führer der Natanger und Warmier, tot waren, unterwarfen sich die Bewohner dieser Gaue und blieben ordenstreu, auch als es 1277 zu einem Aufstand der Prußen in Pogesanien gekommen war.

In den siebziger und achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts konnte der Orden dann den umfangreichen Ausbau der Burg in Stein durchführen. Die Anlage der Hauptburg läßt erkennen, daß die Ordensbaumeister beim Bau von der Gestalt der prußischen Abschnittsburg ausgegangen sind.

Die Hauptburg bildet ein unregelmäßiges Sechseck; es besteht aus dem dreiteiligen Hauptflügel, der den Kapitelsaal, den Remter (Speisesaal der Ritter) und die Kapelle enthielt, und aus dem Haffflügel mit den Schlafräumen. Von dem Haffflügel, den beiderseits Türme flankieren, war der Danzker (Abort) ins Haff hinaus gebaut, der Zugang zu ihm ruhte auf zwei Pfeilern. Im Erdgechoß des Haffflügels lagen wahrscheinlich die Küche und die Brauerei, über den Schlafsälen die Speicher. Unmittelbar an den Haffflügel schloss sich im Norden das Burgtor an. Diese Feststellungen sind hauptsächlich Conrad Steinbrecht zu danken, der in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts (also ungef. 1880) in Balga gegraben hat. Die genaue Lage des Danzkers stellte der Balgaer Hermann Boehm fest. Ungeklärt geblieben ist es, ob der südliche Turm ein Bergfried oder nur ein Wartturm war.

Im Innern des Hauptschlosses lief am dreiteiligen Hauptflügel ein Kreuzgang entlang, der auf massiven Pfeilern ruhte. In der Mitte des Hochhauses lag der Brunnen; er wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts zugeschüttet; seine Stelle war bis in die jüngste Zeit hinein durch eine Linde und einen Holunderstrauch gekennzeichnet. Rings um das Haupthaus zog sich der Parcham (Garten), von den Mauern des Schlosses dem Burggraben umfriedet. Von der gesamten Hauptburganlage waren nur noch der Burggraben und einige  Kellergewölbe erhalten geblieben.

In der Vorburg, zu der im Norden eine Zugbrücke führt, lagen unmittelbar am Steilufer des Haffs Wohngebäude – jedenfalls mit Gastkammern, die später zu Wohn- und Verwaltungsräumen ausgebaut wurden. In Ihnen wohnten im 17. Und 18. Jahrhundert z.B. der Amtshauptmann und der Amtsschreiber. Ende des 17. Jahrhunderts war hier die Schule untergebracht. Zwischen dem Haffflügel der Vorburg und dem bis in die jüngste Zeit stehenden Wartturm lief eine Wehrmauer entlang. Der Eckturm erhielt 1929 seine ursprüngliche Gestalt.  Der 62 m lange Ruinenbau, der an den Turm anschließt, bestand aus drei Geschossen; das Hauptgeschoß enthielt Wohnräume für höhere Ordensbeamte oder für vornehme Gäste. Das Gemach neben dem Turm hatte ein einfaches Kreuzgewölbe; eine Treppe, die an der Mauer noch deutlich zu erkennen war, führte zur Tür dieses Wohnraums. Den Mittelteil der Ruine nahm im Hauptgeschoß vermutlich ein Saal ein, daneben lagen wieder Wohngemächer. Nach Bernhard Schmid war hier wahrscheinlich die Schäfferei, die Amtsstube des Ordensbruders (des Schafhalters und Schafverwalters), der die Handelsangelegenheiten verwaltete. Ein Schäffer in Balga wird 1382 erwähnt. Neben der Schäfferei lag die Wohnung der Vikarien  (zuständig für Stiftungen an die Kirche).

Unmittelbar an die Ruine schloss sich das Vorburgtor an, zu dem von außen eine Zugbrücke ins Innere führte. Diese Stelle des Burggrabens war seit langem zugeschüttet. Vom Vorburgtor bis zum Haff zu lagen gleichfalls Gebäude. Der 1939 erbaute „Burgkrug“ wurde auf Fundamenten eines dieser ordenszeitlichen Häuser errichtet.

Im Nordosten waren vor der Vorburg einige Vortürme und ein Hospital, etwa 200 m abseits der Burg, erbaut worden. Der Plan Balgas aus dem Jahre 1810 zeigt noch eines der Gebäude auf dem Lenzacker.
Balga war bereits Ende des 13. Jahrhunderts eine der stattlichsten und stärksten Burgen des Deutschen Ordens. Seine Bauweise leitete für die Entwicklung der Ordensbauten, ja für die des deutschen Mittelalters einen bedeutsamen Wandel ein. Es ist zu bedauern, daß die Grabungen Steinbrechts in Balga nur kurzfristig und notdürftig ausgeführt werden konnten, so daß kein klares und geschlossenes Bild der Schloßanlage gewonnen werden kann.

Balga war eine Haffburg und hatte durch den Schiffsgraben, die alte Wolitte (Fluß), Verbindung zum Haff und einen Hafen. Hochmeister Konrad von Jungingen ist im Jahre 1403 von Balga zu Schiff nach Beistern gefahren. 1412 gehörten dem Konvent zu Balga zwei Deimeschiffe. Beim Hafen Wolitta wohnte der Fischmeister, ein Ordensbeamter, der für die Fische auf der Ordenstafel zu sorgen hatte. 1337 wird erstmalig ein Fischmeister zu Balga genannt.

Das Ordenshaus Balga war von 1250 bis 1499 Sitz eines Komturs und eines Ritterkonvents, dem mindestens zwölf Ordensritter angehörten. Wahrscheinlich schon vom Ende des 13. Jahrhunderts ab war der Komtur zu Balga gleichzeitig Vogt von Natangen und siegelte seit der Mitte des 14. Jahrhunderts ausschließlich als Vogt von Natangen. Von 1451 bis 1499 war der Komtur gleichzeitig Obertrapier (Verwalter der Kriegsausrüstung). Er war der militärische Befehlshaber und der höchste Verwaltungsbeamte in seinem Bereich, der Komturei. Unter der Obhut des Balgaer Komturs stand von etwa 1400 ab das Landgericht (Landding) der Komturei Balga; er hatte auch schon vorher einen gewissen Einfluß ausgeübt.

Da Balga infolge seiner Schlüsselstellung und Stärke eine der bedeutendsten Burgen des Ordenslandes war, wirkten tüchtige Komture in Balga und in der vom Haff bis zur polnischen Grenze sich erstreckenden Komturei. Mehrere Balgaer Komture stiegen zu den höchsten Ämtern empor.

(Die Liste der Komture siehe weiter hinten.)

Im 13. Jahrhundert war Balga Ausgangspunkt für zahlreiche Eroberungszüge ins prußische Land, nach Warmien, Natangen, Samland, später auch nach Litauen. In dem „Hohenloheschen Bericht“ heißt es: „Von der Burg war bezwungen und getauft alles Land von Natangen, Klein Barten und auch Groß Barten, das Land zu Pogesyn (Pogesanien)  und Wytauen und das Land zu Weweden (um Mehlsack) und das Land zu Schlunien (Gegend von Kalgen);  die tauften sich alle und wurden des Ordens Manne.“

Um 1300 wurde Balga der Mittelpunkt für eine rege Siedlungstätigkeit in den Kreisen Heiligenbeil und Pr. Eylau, die besonders nach 1320 einsetzte. Etwa fünfzig deutsche Zinsbauerndörfer entstanden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts im Waldamt Eisenberg, nachdem die beiden Städte Heiligenbeil und Zinten, später die Stadt Landsberg gegründet waren. Nach der Teilung Bartens im Jahre 1326 erhielt die Komturei Balga Anteil an der großen Wildnis, in der die Komture die Burgen Barten 1325, Leunenburg 1326, Rastenburg etwa 1329, Johannesburg 1345, Seehesten um 1350, Rhein kurz vor 1376 und Lyck 1398 erbauten. Außer den schon genannten Städten wurden im Gebiet der Komturei Balga die Burgen Bartenstein und Pr.Eylau und die Städte Kreuzburg, Bartenstein, Schippenbeil, Rhein, Sensburg, Lyck u. a.  angelegt. Von Balga gingen deutsches Recht und deutsche Sprache, deutsche Kultur und christlicher Glaube aus. Balgas Komture schickten deutsche Baumeister in die Städte und Dörfer, ließen Kirchen und Rathäuser bauen, sandten Geistliche aus, damit sie das Wort Christi verkündeten. Kriege und Vertreibungen haben die Zeugen des Deutschtums nicht ausrotten können.

In Kriegszeiten bildete Balga ein festes Bollwerk gegen die Feinde. An seinen Mauern zerbrachen die Stürme litauischer und polnischer Banden, zerschellte der Wille eigenbrötlerischer Aufständischer. Und wenn sie  –  wie Albrecht Karschau nach der verlorenen Schlacht bei Tannenberg und wie Remschel von Kryxen zu Beginn des 13-jährigen Krieges  –  das Ordenshaus Balga besetzten, so war ihr Regiment nur von kurzer Dauer und ohne nachhaltige Wirkung.

Um 1457 und 1518 wurde Balga gründlich ausgebessert; 1516 ließ Hochmeister Albrecht die Mauern des Haupthauses zum Schutze gegen Feuerwaffen mit Wällen umschütten, die noch heute erhalten sind. Diese bewährten sich im Jahre 1520, als die Polen die Burg drei Tage lang belagerten und beschossen. Dann hat Balga nur noch einmal eine militärische Rolle gespielt. Als König Gustav Adolf von Schweden Pillau besetzt hatte, machte er Balga 1627 unter dem Oberst von Würzburg für kurze Zeit zu seinem schwedischen Stützpunkt. An jene Zeit erinnert der im Mai 1627 angelegte „Schwedenweg“ oder „Hohlweg“, der vom Dorfe zum Haff steil hinab führt.

Balgas strategische Aufgabe war vorbei, als am Ende des 16. Jahrhunderts das Balgaer Tief verpfählt und versandet war. Und als die Mauern des Schlosses durch Wind und Wetter, durch Eisgang und Wellen des Haffs, aber auch durch Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit beschädigt und zerstört wurden.

Von 1525 bis zu seinem Tode im Jahre 1550 wohnte Georg von Polenz, Preußens erster evangelischer Bischof in Balga. Herzog Albrecht hatte ihm das Amt Balga mit allen Einkünften auf Lebenszeit verschrieben. Dem Bischof wird vorgeworfen, bey dem baue des hauses Balga nachlessig und unachtsam gewesen zu sein.
Um 1565 war Balga aber immer noch ein trefflich fest gebautes Haus; aber der Verfall hatte bereits eingesetzt.

Im Jahre 1584 zeigte der Haffflügel des Haupthauses starke Risse; der im Haff stehende Danzker war stark beschädigt; 1620 drohte die Hauptmauer nach dem Haff abzusinken. Georg von Schlubhut ließ die größten Mängel beseitigen; aber 1687 diente der Remter nur noch als Rumpelkammer, und 1699 waren verschiedene Gewölbe des Haupthauses arg verfallen. Der Amtshauptmann und der Amtsschreiber wohnten damals bereits in der Vorburg.

Die endgültige Zerstörung der Burg in Balga setzte ein, als nach dem königlichen Befehl vom 28. Januar 1701 Tausende von Steinen für den Festungsbau in Pillau gebrochen wurden; dabei sind auch große Mengen von Ziegeln zum Bau von Gebäuden in Balga und an andren Orten des Kreises Heiligenbeil verwendet worden. Bald war das Haupthaus bis auf ein Gebäude, die Amtsbrauerei, verschwunden. Im Jahre 1806 war es total baufällig, und 1810 war es nicht mehr vorhanden.

Von 1525 bis 1752 wohnten im Balgaer Schlosse die Amtshauptleute bzw. ihre Vertreter, die Verweser, die das Hauptamt Balga verwalteten. Auch Amtsschreiber, Korn- und Gerichtsschreiber wohnten hier (Liste Amtshauptleute weiter hinten). Die Amtshauptleute bzw. ihre Vertreter, die Verweser, die das Hauptamt Balga verwalteten waren über die Amtsinsassen, die Zivil- Kriminal- und Polizeigerichtsbarkeit, und auch zugleich für die Wirtschaft der Vorwerke im Amte verantwortlich.

Die Amtshauptleute sollten nach einer Verfügung König Friedrich Wilhelms I. von Ihrem Gehalt, das jährlich nur 500 Taler betrug, die von ihnen bewohnten Schlösser ausbessern und unterhalten. Nur besonders große Schäden sollten mit Hilfe der Staatskasse beseitigt werden. In Balga konnten sie nichts tun, da der Verfall des Haupthauses bereits zu weit vorgeschritten war. Auch die Vorburg verfiel immer mehr. In den Jahren 1718 und 1741 beschädigten heftige Stürme den Vorburgflügel am Haff, 1753 war er altershalber ganz verfallen. Im Jahre 1811 war das Dach heruntergerissen und die Balken verkauft worden. Der Wartturm, der Ende des 17. Und 18. Jahrhunderts Uhr und Glocke hatte, hieß der Seegerthurm (Uhrturm); in ihm wurden 1807 Trainpferde, später Vieh eingestellt.

Im Zeitalter der Romantik hat sich dann der Kammerpräsident von Auerswald dafür eingesetzt, daß die Ruine erhalten blieb. Wahrscheinlich ist es auch dem Baumeister Karl Friedrich Schinkel zu danken, daß die Ruine bestehen blieb und 1836 ein neues Dach erhielt. Schinkel besuchte auf einer Dienstreise durch Preußen auch Balga und schrieb in sein Tagebuch:

Balga, 28. Juli 1834

"Das berühmte alte Schloß Balga hart am Frischen Haff, mit siebzig
Fuß hohen Substruktionen, erbauet in der fruchtbarsten Gegend,
bietet dem Auge jetzt nur noch den Rest eines alten Remters mit
einem anstoßenden Turme dar, außerdem nur hohe Wälle, die
mit Mauerwerk von ungeheurer Dicke angefüllt sind und sich
in kolossaler Ausdehnung hinziehen. Die Mächtigkeit dieser
Anlage, deren Zerstörung sich noch aus früherer Zeit datiert,
ist so imposant auf dem ausgezeichnet schönen Platz hoch am
Meer, daß dem Domänenbeamten recht zur Pflicht gemacht
werden müsste, die Erhaltung der Ruinen sorgfältig zu pflegen."

Der wachsende Ausflugsverkehr nach Balga, das Erwachen und die Besinnung auf die heimatlichen und kulturellen Werte nach dem Ersten Weltkriege trugen dazu bei, daß geschichtliche Stätten und Bauten wieder beachtet und wiederhergestellt wurden. Dem Landrat des Kreises Heiligenbeil, Dr. Friedrich Gramsch, gelang es bei Regierungsstellen die Mittel für den Ausbau des verfallenen Wartturms in seiner ursprünglichen Gestalt zu erhalten. Die Heiligenbeiler Baufirma Werning  führte die Wiederherstellung 1929 durch. Der Turm erhielt ein Erdgeschoß mit Tonnengewölbe und fünf obere Geschosse, von denen die beiden ersten mit einfachen Gratgewölben gedeckt, die beiden folgenden mit einfachen Holzdecken geschlossen waren. Das  Wehrgeschoß schloss oben unmittelbar mit dem Dach ab. Seit 1931 unterhielt der Landkreis Heiligenbeil in dem Wartturm  ein Heimatmuseum, das der Schreiber dieser Zeilen verwaltete.

Als im Jahre 1939 auf den Fundamenten der ehemaligen  Vorburggebäude der neue „Burgkrug“ erbaut worden war, wurde Balga zu einem der anziehendsten und besuchtesten Orte am Frischen Haff.

Die 700 Jahrfeier Balgas wurde zu einem außerordentlich besuchten und reizvollen Fest, an das sich viele Landsleute auch heute noch gern erinnern. Die für diese Feier hergestellten 1200 Plaketten waren bereits am Mittag des Festtages ausverkauft, und die Gaststätten Balgas konnten den Besucherstrom nicht fassen. Anläßlich der 700-Jahrfeier wurde Balga zum Musterdorf erklärt und dem Dorfe die Freiherr-von-Stein-Plakette verliehen.
Jene Tage vom 1. und 2. Juli 1939 waren der letzte Höhepunkt in der Geschichte Balgas; am Ende des unseligen Zweiten Weltkrieges wurde auch die ehrwürdige Ordensruine Balga zerstört; nur noch die unter der Erde ruhenden Mauern und Steine mögen den Untergang Balgas überdauert haben. 

 

Die Komture der Ordensburg Balga

 

1.

1250 – 1251

Meingot

2.

? – 1257

Werner von Battenberg, wurde Ordensmarschall und 1271 Deutschmeister

3.

1258 – 1261

Bertold von Nordhausen

4.

1262 – ?

Dietrich Rot (Ruhfus)

5.

1268 – ?

Heinrich

6.

1276 – 1277

Dietrich

7.

1278 – ?

Berlewin

8.

1280 – ?

Helwig von Goldbach, wurde Ordensmarschall und 1300 Landmeister

9.

? – 1284

Dietrich von Speyer (Spira)

10.

1284 – 1285

Hartung

11.

1288 – 1289

Bertold von Brühaven

12.

1289 – 1291

Heinrich von Dubyn

13.

1291 – 1295

Heinrich von Zuckschwert

14.

1296 – 1300

Siegfried von Rechberg

15.

1300 – 1303

Heinrich von Isenberg

16.

1304 – ?

Heinrich von Plotzk, wurde Landmeister (1307 – 1309)

17.

1308 – ?

1315 Heinrich von Isenberg

18.

1320 – 1321

Günter von Arnstein

19.

1322 – ?

Albert von Ora

20.

1325 – 1331

Burggraf Dietrich von Altenburg, † 6. Oktober 1341 als Hochmeister

21.

1331 – ?

Heinrich Reuß von Plauen

22.

1332 – 1337

Heinrich von der Mauer (Muro)

23.

1337 – 1341

Dietrich von Speyer (Spira)

24.

1342 – ?

Winrich von Kniprode, † 24. Juni 1382 als Hochmeister

25.

1342 – 1346

Dietrich von Blumenstein, war von 1338 – 1342 Oberster Treßler

26.

1346 – ?

Siegfried von Dahenfeld, wurde 1351 Ordensmarschall

27.

1346 – 1348

Ortolf von Trier

28.

1349 – 1353

Eckehard Kulling

29.

? – 1354

Werner von Rundorf

30.

1354 – 1360

Henning Schindekopf, † Rudau 17.Februar 1370 als Ordensmarschall

31.

1361 – 1371

Ulrich Fricke, † 13. Dezember 1384

32.

1372 – 1374

Gottfried von Linden, † 25. Juli 1379, wurde Obermarschall

33.

1374 – 1382

Dietrich von Elner, † 19. September 1382, an der Pest

34.

1382 – 1383

Marquard von Larheim

35.

1383 – 1387

Friedrich von Egloffstein, † Balga als Komtur

36.

1387 – 1392

Arnold von Burgeln

37.

1392 – 1396

Konrad Graf von Kyburg, wurde Oberspittler

38.

1396 – 1404

Ulrich vorn Jungingen, † Tannenberg 15. Juli 1410, als Hochmeister

39.

1404 – 1410

Johann Graf von Sayn

40.

1410 – 1412

Friedrich Graf von Zollern, wurde Großkomtur, † 1416 an der Pest

41.

1412 – 1418

Ulrich Zenger, wurde Obermarschall

42.

1419 – 1424

Helferich von Drahe

43.

1425 – 1431

Jost von Strupperg, wurde Obermarschall

44.

1431 – 1432

Heinrich von Sebenrode, † 1432

45.

1432 – 1437

Erasmus von Fischborn, wurde Großkomtur

46.

1437 – 1440

Tammo Wolf von Sponheim

47.

1440 – 1441

Heinrich Reuß von Plauen, † 2. Januar 1470, als Hochmeister

48.

1441 – 1452

Eberhard von Wiesentau

49.

1352 – 1459

Heinrich Zoller von Richtenberg, er und seine Nachfolger waren Gleichzeitig Obertrapierre

50.

1459 – 1481

Siegfried Flach von Schwarzburg

51.

1481 – 1488

Erasmus von Reitzenstein, wurde Obermarschall

52.

1488 – 1495

Hieronymus von Gebsattel

53.

1496 – 1499

Heinrich Reuß von Plauen

54.

1500

Konrad von Kottwitz

55.

1502

Bertold von Altmashoffen

56.

1502 – 1519

Klaus von Bach, † 22. Juni 1521

57.

1521 – ?

Klaus von Auer

58.

1522 – 1525

Hans von Gablentz

 

 

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