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Samstag, 16. Dezember 2017

Die Kirche in Balga


Wenn in Ordensfolianten von der Kirche in Balga die Rede ist, wird stets die Kapelle in der Ordensburg gemeint. Sie war äußerst reich ausgestattet mit goldenen und silbernen Geräten, Meßgewändern, Altardecken, Teppichen und geistlichen Büchern. Auch ein Mutter-Gottesbild (Frowenbild off dem Huse zcur Balge) war vorhanden, für das der Rensekrüger laut seiner um 1350 ausgestellten und 1387 erneuerten Handfeste jährlich einen halben Stein Wachs (dafür später jährlich 4 Mark) liefern musste. Auch Abgaben (jährlich zu Lichtmeß 18 Mark Erbzinsen) der Dörfer Sonnenstuhl und Pagendorf dienten dem Unterhalt der Burgkapelle, später der Dorfkirche.

Diese wird nur am Ende der Ordenszeit erwähnt; 1499 mußte des Schulzen Sohn von Hanswalde, weil er einen Pfarrer erschlagen hatte, 15 Mark Bußgeld an die St.-Niklas-Kirche in Balga zahlen; und im Jahre 1500 wurde der Vogt zu Pr. Eylau aufgefordert, 10 Mark zur Erhaltung der „sanct niclas Kirchen für unsern schlos Balga„ zu entrichten. Sie ist jedenfalls schon Ende des 13. Jahrhunderts erbaut worden, und zwar für die vor dem „Hause“ wohnenden Handwerker, Arbeiter und das Gesinde.

Das turmlose, einschiffige Gotteshaus bildet ein langgestrecktes Rechteck, das an der Ostseite dreiseitig abgeschlossen ist; hier liegt die Sakristei. Die Umfassungsmauern sind in gotischem Verbande aufgeführt; „sie haben keine Strebepfeiler und dürften daher auch niemals ein Gewölbe getragen haben.“  Auf das hohe Alter der Kirche, die dem heiligen  Nikolaus geweiht war, weisen die auffallend breiten Rundstabprofile an den schmalen, oben mit einem flachen Spitzbogen abschließenden alten Fenstern und an den Gebäudeecken hin.

Bemerkenswert ist vor allem das außergewöhnliche mittelalterliche Westportal. Die Tür liegt tief in einer spitzbogigen, reich gegliederten Nische und wird durch einen breiten Rahmen eingefasst; dieser besteht aus einem breiten Band, das von gleichen Querbändern durchschnitten wird. Die Vierpaßbögen sind aus rohem, trockenem Ton mit der Hand geschnitten und dann gebrannt worden. Zu beiden Seiten des Portals ist je eine Blende mit eingesetztem Spitzbogen und als oberer Abschluss ein Stromband eingefügt. Ein ähnlich gestaltetes Portal hat nur noch die Kirche in Heiligenbeil; beide Kirchen dürften in der gleichen Zeit, zwischen 1320 und 1330, erbaut worden sein.

 

Im Jahre 1518 sollte die Kirche abgebrochen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Auch die Toten sollten umgebettet werden. Der Bischof zu Heilsberg hatte bereits seine Genehmigung gegeben. Es ist möglich, daß der bevorstehende Krieg (1520/21) den Plan vereitelt hat. Im Jahre 1586 war die Kirche baufällig und dürfte im 17. Jahrhundert wiederhergestellt worden sein. Im Jahre 1642 wurde sie mit einer Orgel ausgestattet; sie hatte 12 Züge. Die Kirchenglocken hingen in einem abseits stehenden Glockenturm, der 1764 neu erbaut wurde. Der Dachreiter, in dem die Glocken zuletzt hingen, ist 1936 errichtet worden.

Das Kircheninventar bestand 1575 in einem silbernen Kelch (2½ Pfd. 4 Skot Gewicht) mit der Patene (kleiner, runder Teller, zumeist aus Gold oder vergoldetem Silber gefertigt), einem zinnernen Kelch, einem zinnernen Fläschlein, zwei Altar-Leuchten aus Messing, einem Chorrock, einer Albe, zwei alten Kaseln, einem Kessel im Taufstein und einem alten beschlagenen Kasten.
Das Innere der Kirche ist wahrscheinlich im Jahre 1844, als der Westgiebel neu erbaut und die Kirche erneuert wurde, verändert worden. Die einfache, flache Holzdecke ruht auf Wandpfeilern, die durch Stichbögen verbunden sind. Der Altaraufsatz ist 1649 in derbem Ohrmuschelstil hergestellt; er enthält drei Gemälde, „die Kreuzigung“, die „Grablegung Christi“ und in der Predella „Das heilige Abendmahl“. Das Ganze krönt ein aus Holz geschnitzter Christus. Die um 1650 entstandene Kanzel ist 1693 neu dekoriert worden. Auf dem Kanzeldach steht eine Christusfigur mit dem Lamm. Die Kanzeltreppe wird von Petrus und Paulus, aus Holz geschnitzt, flankiert. Der Beichtstuhl stammt aus dem Jahre 1698, der von der Decke schwebende Taufengel und das Orgelgehäuse aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Das Epitaph des Pfarrers  Balthasar Siegfried (†1630) zeigt ein Kreuzigungsbild. Außerdem hingen in der Kirche Bilder der Pfarrer Copinus, Steinwender und Schneller, die im 19. Jahrhundert in Balga gewirkt haben.

Eine im Heimatmuseum (Burgturm) aufgestellte Gestühlwand mit den dargestellten Sinnbildern von Fides, Pietas, Charitas stammt aus der Zeit, als die kurfürstliche Regierung sich wegen der in Königsberg herrschenden Pest 1642 bis 1643 in Balga aufhielt. Auch zwei Engelsfiguren von 1715, die früher vor dem Altar gestanden haben, und ein steinerner Taufstein, von 1603 bis 1698 benutzt, standen ebenfalls im Burgturm-Museum.

Zum Kirchspiel Balga gehörten Dorf und Domäne (Gut) Balga, Groß Hoppenbruch mit Schrangenberg, Kahlholz, Wolitta, Follendorf mit Lindenberg, Ritterthal und seit dem Jahre 1564 Newecken, Rensegut und Romansgut. Diese drei Orte wurden zur Kirche Balga geschlagen, weil die Kirchengemeinde zu klein war. 1680 war das Kirchspiel 124 Hufen 26 Morgen 37 Ruten groß.

Den Gottesdienst in der Dorfkirche haben in der Ordenszeit sicherlich Priester und Kapläne der Ordensburg versehen; mehrere sind namentlich bekannt, sie waren oft als Zeugen beim Ausstellen von Urkunden und Handfesten oder gar als Schreiber zu gegen.

Priester waren: Konrad 1285, Dietrich 1322-1332, Thomas 1332, Eberwin 1348, Johannes 1403, Friedrich 1408, Jakob Leysaw 1464, Peter Jordanus 1464, Simon Donner 1469-1480, Jorge 1470, Niklas 1487, Jakob Kusfeld 1508; er einigte sich am 3. Juli des Jahres mit dem Krüger Clement Lang in Schölen wegen ratenweiser Abtragung einer Schuld von 100 Mark an die „Kirche St. Niklas vor Balga“ (Dorfkirche) durch Lang.

Kapläne waren: Heinrich und Simon 1339, Peter (von Fischhausen) 1348, 1350. 1356, 1357, 1359, Wicbold 1358, Helwig 1361, Peter 1365, Peter von Wusen 1363, Hermann 1367, Helmich 1373, 1376, Johann 1378, Heinrich Buß 1387, Heylmut 1387, Peter 1394-1402, Jacob 1404, 1406, Johann Selbach 1409, Hieronymus 1411, Niclas 1412, 1416, 1417, 1430, Andrewis 1418, Georg 1430, 1431,  Simon 1435, 1439, Stephan 1468, Michael Pilgrim 1469, Johannes Molner 1494.

Als der Deutsche Ordensstaat aufgelöst und die Reformation im Lande durchgeführt waren, sind seit 1546 evangelische Geistliche in Balga nachweisbar. Da die Nikolaus-Kirche ursprünglich von Ordensbrüdern mit verwaltet wurde, waren keine Einrichtungen für die Wohnung und Unterhalt der Pfarrfamilie vorhanden. Es fehlte auch an Pfarrländereien; für die Besoldung des Pfarrers wurden Einkünfte der früheren Ordenskapelle verwendet.

Im Jahre 1575 heißt es, der Pfarrer erhält 70 Mark zur Besoldung, hat aber keine Hufen, aber der Amtshauptmann hat ihm sechs Morgen in einem Felde eingeräumt. Vom Schloß, d.h. aus dem Vorwerk erhält der Pfarrer jährlich eine Last Roggen und eine Last Gerste gereicht.

Noch im Jahre 1680 wird berichtet: Der Pfarrer hat vom Amt, da er keine Hufen hat, je eine Last vier Scheffel Korn und Malz erhalten. Erst im 18. Jahrhundert sind der Pfarrstelle Ländereien zugewiesen worden. 1781, auch 1819 genoss der Geistliche in Balga ein Dienstland von 2 Hufen 19 Morgen 294 Ruten kulmischen oder 181 Morgen 8¼ Ruten preußischen Maßes. Diese Ländereien haben die Pfarrer mitunter selbst bewirtschaftet oder verpachtet, meistens an Balgaer und Kahlholzer Bauern.
Der erste Pfarrhof (Widdem) ist erst im 16. Jahrhundert erbaut worden. 1575 hatte er kein Inventar, 1586 war er baufällig. Das letzte Pfarrhaus mit dem großen Garten und der schönen Hecke wurde 1909 umgebaut und vergrößert. Im Sommer 1939 schaffte ein Pionierzug aus Elbing einen großen Findling vom Haffstrand vor das Pfarrhaus, wo er unmittelbar an der Dorfstraße als Gedenkstein zum 700-jährigen Bestehen Balgas aufgestellt und am 1. Juli 1939 enthüllt wurde. 

 

Die evangelischen Geistlichen in Balga

1.

1546–1550

Artopaeus,  †1550

2.

1550–1586

Simon Scolius oder Ungefug,

3.

1586–1599

Tobias Scolius, des Vorigen Sohn,  †1599

4.

1599–1626

Balthasar Siegfried, aus Bartenstein,  †1630

5.

1626–1655

Magister Johann Bielau, *Wehlau 7. Sept. 1596 †Balga 3. Januar 1655

6.

1655–1658

Magister Bernhard Reimann, *Königsberg 1625,  †1667

7.

1658–1702

Magister Christoph Schönfeld,  *Königsberg,  †Balga 21 Sept. 1702

8.

1702–1715

Christoph Schönfeld, des Vorigen Sohn, *27. Dez. 1662, †2. Sept. 1715

9.

1715–1737

Christoph Gottsched,  *Königsberg 5. Sept. 1668,  †April 1737. Er ist der Vater des bekannten Literatur Professors Johann Christoph Gottsched in Leipzig

10.

1737–1738

Michael Freytag,  *Barten,  †10. Dez. 1738

11.

1739–1765

Johann Jakob Schumann,  *Königsberg,  †Dez. 1765

12.

1766–1800

Jakob Heinrich Albeck,  *Königsberg,  †15. März 1800

13.

1800–1810

Bernhard Heubach,  *Treuburg 1759,  †8. April 1810

14.

1810–1844

Carl Friedrich Copinus,  *Königsberg 1763,  †1844

15.

1844–1880

Julius Otto Th. Steinwender, *Tilsit 3. Dezember 1809, begraben in Balga

16.

1881–1905

Joh. E. Richard Schneller, zog nach Berlin-Friedenau

17.

1905–1909

Willhelm Hugo Kurt Korn, ging 1909 nach Randnitz

18.

1909–1910

Johannes Seemann (Pfarrverweser), später Pfarrer in Goldbach, Kreis Wehlau

19.

1909–1931

Johannes Th. W. Sterner, *Königsberg 1873, †Hademarschen (Holstein) 19. März 1945

20.

1933–1945

Kurt Becker,  *10. Febr. 1885,  †Mittelwalde 1. Jan. 1946, vorher Pfarrer in Hermsdorf

Das Portal der Dorfkirche Balga

 

Auf der in das Frische Haff vorspringenden Landzunge stand die Komtursburg Balga, die ein wichtiger Verwaltungssitz des Deutschen Ritterordens war. Außerhalb der Umwallung der Burg wurde 1320-1330 die Pfarrkirche für das Dorf Balga aus Backstein, dem in unserer Heimat gewonnenen Baumaterial erbaut. Das merkwürdige, in seinem Aufbau schlanke Portal der Dorfkirche bildete eine Sehenswürdigkeit unserer Heimat. Ein kunstvolles Zierband von Vierpässen aus gebranntem Ton umschließt rahmenförmig den Eingang zum Gotteshaus und lenkt so das Auge auf die Pforte, die zum Besuch der Kirche einlädt. Durch die aufwärts strebende Spitzbogenform und die tiefen Kehlungen ist die Pforte gegliedert; die kleine Treppe ist in die wundervolle architektonische Gesamtwirkung einbezogen. Auch das oben sichtbare Abschlußband und die seitlich angesetzten spitzbogigen Blenden lockern die Schwere des Baukörpers auf. Es gibt nur wenige Aufnahmen aus unserer Heimat, auf denen man die Wirkung des Backsteins so studieren kann wie auf diesem Bild. Wir sehen jeden einzelnen Stein, wir sehen klar die Fugen, wir erkennen die Maße und die Anordnung der Steine.

Einen ähnlich fremdartigen, aber reizvollen Eindruck vermittelt das Hauptportal der evangelischen Pfarrkirche in Heiligenbeil. Das ursprünglich einschiffige Gotteshaus wurde sicherlich im Zusammenhang mit der Kirche in Balga (1320 - 1330) gleichfalls aus Backsteinen erbaut; es war im Jahre 1330 vorhanden, wie die älteste Urkunde, in der unsere Stadt „Heiligenbeil“ genannt wird, beweist.

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